Nach dem Tornado 200 Meter breite Windhose

Die geschädigten Hausbesitzer in Nellmersbach und Breitenfürst, einem Ortsteil von Welzheim im Schwäbischen Wald, können sich allerdings darauf verlassen, dass sie die Reparaturen nicht aus der eigenen Tasche bezahlen müssen - sofern sie eine Sturmversicherung abgeschlossen haben. "Diese Versicherung zahlt, wenn der Sturm Windstärke acht übertroffen hat", erklärt Sylvia Knittel von der SV-Versicherung in Stuttgart.

Obwohl der Tornado mit einer wesentlich größeren Gewalt (weit mehr als mit 100 Stundenkilometern) durch Nellmersbach gezogen ist, zittert Burka Brezovac, ob auch sie ihre Sturmschäden ersetzt bekommt. Zusammen mit ihrem Mann betreibt die Frau den Bahnhofskiosk an der S-Bahn-Station Nellmersbach. Seit Mittwochabend sitzt das Paar auf einem großen Stapel zerfledderter und durchnässter Zeitschriften. "Wir haben es nicht geschafft, die Ständer reinzuholen, so schnell ist das Gewitter gekommen", sagt Brezovac. Bis zum Donnerstagmittag hatte sie noch keine Gewissheit, ob sie den Ausfall bezahlt bekommt.

200 Meter breite Windhose

Ungewissheit herrschte am Mittag auch noch bei den Verantwortlichen der S-Bahn. "Schaffen wir es, bis zum Feierabendverkehr wieder beide Gleise befahrbar zu machen?", lautete die bange Frage. Ein umgestürzter Baum hatte am Mittwochabend die Oberleitungen in beide Richtungen abgerissen. Stundenlang ging zwischen Winnenden und Backnang nichts mehr. Bis zum Donnerstagmorgen hatte das Reparaturteam zumindest die Leitung in Richtung Winnenden/Stuttgart geflickt. In Richtung Backnang ging's nur mit dem Bus. Am Nachmittag kam allerdings das Signal: "Alles wieder in Ordnung."

Dass es im nördlichen Teil des Rems-Murr-Kreises am Mittwochabend zu einem schweren Gewitter kommen wird, war der Stuttgarter Dependance des Deutschen Wetterdienstes bereits am Nachmittag klar. "Die Signale von unseren 16 Radarstationen im Land ließen keinen anderen Schluss zu", sagte Wetterchef Uwe Schickedanz am Donnerstag. Das Amt habe deshalb auch um 17.31 Uhr eine Unwetterwarnung für diesen Bereich ausgegeben. Dass der herannahende Gewittermix aus feucht-warmen und schnell aufsteigenden Luftmassen gepaart mit Winden aus verschiedenen Richtungen, den sogenannten Scherwinden, zum Tornado mutiert, sei nicht vorhersehbar gewesen. Schickedanz geht davon aus, dass es sich um eine Windhose handelt, die etwa über 20 Kilometer hinweg mit einer Breite von etwa 200 Metern von West nach Ost über den Rems-Murr-Kreis gezogen ist. Dabei habe das Ende des rasend schnell rotierenden Warmluftschlauchs nur in Nellmersbach und Breitenfürst den Boden berührt und Schäden anrichten können. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

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