Nach der Remstal-Gartenschau Unterer Marktplatz in Schorndorf wird wieder Parkplatz

Der Untere Marktplatz soll nach Ende der Gartenschau erst einmal wieder der Untere Parkplatz werden. Foto: ZVW/Benjamin Büttner (Archiv)

Schorndorf. Die einen haben’s gehofft und gefordert, die anderen haben’s befürchtet und abgelehnt: Der Untere Marktplatz wird nach Ende der Gartenschau wieder Parkplatz – zumindest vorläufig. Schon im September oder Oktober soll sich der Gemeinderat grundsätzlich mit der Frage befassen, was auf mittlere oder längere Sicht mit dem Unteren Marktplatz passieren soll.

Nachdem sich in den letzten Tagen sowohl die SPD-Fraktion als auch die CDU-Fraktion zur möglichen Zukunft des derzeit als Gartenschau-Entrée genutzten Unteren Marktplatzes geäußert hatten – die SPD in Richtung „erstmal den jetzigen Zustand belassen“, die CDU in Richtung „erst mal wieder den alten Zustand herstellen“ –, deutete eigentlich nichts darauf hin, dass quasi von einem Tag auf den anderen eine Entscheidung fallen könnte. Dass aber genau das passiert ist, begründet Oberbürgermeister Matthias Klopfer damit, dass für den Fall, dass das für die Gartenschau errichtete Podest zurückgebaut und die Fläche zum Parken freigeräumt werden sollte, jetzt eine Auftragsvergabe erfolgen müsste. Also hat Klopfer kurzerhand per Mail ein Stimmungsbild eingeholt – mit einem relativ klaren Mehrheitsvotum: CDU, FDP/FW, Grüne und Einzelstadträtin Andrea Sieber haben sich für den Rückbau ausgesprochen, die AfD-Fraktion hat sich der Stimme enthalten, und für die Beibehaltung des Status quo bis zu einer endgültigen Entscheidung haben sich lediglich die SPD-Fraktion und die Grüne Liste Schorndorf (GLS) ausgesprochen. Was bedeutet, dass etwa ab Mitte November auf dem Unteren Marktplatz wieder geparkt und auf der Suche nach einem Parkplatz gekreiselt werden kann.

„Wenn wir die Bürger gefragt hätten, hätten wir keine Gartenschau“

Wobei Letzteres für den Oberbürgermeister die im Vergleich zum Parken schlimmere und für alle Beteiligten stressigere Begleiterscheinung ist. Ansonsten ist Matthias Klopfers Position die, dass der alte Zustand kein Dauerzustand mehr werden darf. Dazu hat die Gartenschau-Lösung mit dem Podest und dem mit Tüchern überspannten Kulturtisch zu viele Menschen begeistert - auswärtige Besucher genauso wie Schorndorfer – und die jetzige Diskussion darüber, wieviel Aufenthaltsqualität der Untere Marktplatz auch in Zukunft braucht und wie viele Parkplätze er dann noch verträgt, erst so richtig in Schwung gebracht. Es gebe ja auch die Möglichkeit einer geteilten Lösung, sagt Klopfer, dem fürs erste eine fußgängerfreundliche Achse Bahnhof-Café Moser-Unterer Marktplatz-Rathaus vorschwebt. Zumal dann, wenn sich die CDU-Fraktion mit ihrem Vorschlag durchsetzen sollte, gleich das ganz große Rad zu drehen und in eine Planung für den Unteren Marktplatz auch das ganze Bahnhofsumfeld mitsamt eines neuen Busbahnhofs einzubeziehen. Was einen langwierigen Diskussionsprozess bis hin zu einem Gestaltungswettbewerb zur Folge haben könnte. Inwieweit da das Votum der Bürger eine Rolle spielen könnte, wie es von der CDU- und der SPD-Fraktion propagiert wird, lässt Klopfer offen. Sie zu fragen und einbeziehen, sei sicher sinnvoll, meint er und gibt gleichzeitig zu bedenken: „Wenn wir die Bürger gefragt hätten, ob wir eine Gartenschau wollen, hätten wir keine.“

Wenn Aufenthaltsqualität, dann für 365 Tage im Jahr

Er hätte sich aber, gesteht Matthias Klopfer der SPD und der GLS zu, auch vorstellen können, dass das Podest noch so lange stehenbleibt, bis sich der Gemeinderat nach der Sommerpause eine inhaltlich fundierte Meinung gebildet hat. „Gegebenenfalls hätten wir dann halt im Januar abgebrochen“, sagt Klopfer, der es auch für denkbar gehalten hätte, dass die Gartenschau-Kulisse für vorweihnachtliche Aktivitäten genutzt wird. Seine Mitarbeiterinnen hätten da schon ein paar gute Ideen gehabt. Er habe aber, so Klopfer, auch dafür Verständnis, dass die Geschäftsleute rund um den Unteren Marktplatz darauf drängten, dass nach der Gartenschau schnellstmöglich wieder Parkplätze geschaffen werden. Und auch wenn in Zukunft der Schwerpunkt auf Aufenthaltsqualität – und zwar für 365 Tage und nicht nur für ein paar Ausnahmetatbestände wie SchoWo oder sonstige Aktivitäten – gelegt werden sollte, werde es nicht ganz ohne Parkflächen gehen – und sei es nur für den Anliefer- und Abholverkehr. „Parken in der Innenstadt bleibt eine hochemotionale Debatte, an der ich mich aber nicht hochemotional beteiligen will“, sagt der Oberbürgermeister, der es aber für falsch und nicht zielführend hielte, wenn vor allem auch von Seiten des Handels die Attraktivität der Innenstadt nur an Parkplätzen möglichst vor der Ladentür festgemacht würde – oder gar an den Parkgebühren, von denen Klopfer aus Erfahrung weiß, dass sie im Vergleich zu anderen Städten gar nicht so hoch sind, wie immer wieder behauptet wird.


Grüne und SPD

Von CDU und SPD war’s zu erwarten, dass sie sich für den Marktplatz-Rückbau aussprechen würden, von den Grünen nicht unbedingt. Seiner Fraktion, sagt Andreas Schneider, sei es zunächst einmal darum gegangen, die Geschäftsleute nicht weiter zu belasten und so den sozialen Frieden zu wahren. Perspektivisch sei für die Grünen aber auch klar, dass der Untere Marktplatz „autofrei bis autoarm“ werden und dass sich „gewaltig etwas ändern“ müsse.

Die SPD-Fraktion hätte eine offene Diskussion zur Zukunft des Unteren Marktplatz laut Stadtrat Tim Schopf zum jetzigen Zeitpunkt vor allem deshalb für richtig gehalten, weil für die Bürger im Moment sowohl der alte wie auch der derzeitige Zustand gewärtig sei – während bei einem Rückbau die Gefahr bestehe, dass das Neue in der Erinnerung verblasse und sich das Alte wieder verfestige.

Auch Schopfs Fraktionskollegin Heidi Rapp sieht bei allem Verständnis für das Anliegen der Geschäftsleute die Gefahr, dass mit der Wiederherstellung aller Parkplätze Fakten geschaffen werden, die nur schwer wieder umkehrbar sein könnten. Vor der Gartenschau, räumt Heidi Rapp ein, habe sie selber auch gedackt, Schorndorf könne im Parkchaos versinken. Tatsächlich aber sei’s so, dass bis auf ganz wenige Ausnahmen immer alle einen Parkplatz gefunden hätten, meint die SPD-Stadträtin.

  • Bewertung
    16

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!