Nach Großbrand im ehemaligen Ochsen Urbach Gemeinde bittet Bürger um Mithilfe

Nach dem Brand am Freitagmorgen (29.3.) ist die Feuerwehr noch bis zum Nachmittag mit Löscharbeiten beschäftigt. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Urbach. Es war ein Brand, wie ihn auch erfahrene Mitglieder der Feuerwehr Urbach noch nicht erlebt haben. Gegen 7.30 Uhr ging der Alarm ein: Feuer in einer Wohnung im ehemaligen „Ochsen“. Als die Einsatzkräfte eintrafen, stand das Gebäude bereits voll in Flammen. Nachbarn hatten den Hausbewohnern zuvor geholfen. Ein Mann rettete sich durch einen Sprung aus dem Fenster.


Die Bewohner des abgebrannten Hauses haben alles verloren, was sie besessen haben. Wie Sie helfen können.


Der Rauch, den der Wind am Freitagmorgen durch die Beckengasse in Urbach drückt, ist teilweise so dicht, dass alles darin verschwindet. Auch eineinhalb Stunden nach Ausbruch des Feuers schlagen noch die Flammen aus dem zerstörten Dachstuhl. Flaut der Wind ab, steigt eine massive Rauchsäule hoch in den Himmel. Die Drehleitern der Feuerwehren aus Schorndorf und Welzheim verschwinden irgendwo oben im grauen Wabern, die Feuerwehrleute mit ihren Atemschutzgeräten stehen mitten im dichtesten Qualm.

Zu retten ist zu diesem Zeitpunkt schon nichts mehr. „Das brennt wie Zunder“, stellt einer der herumstehenden Nachbarn fest. In dem denkmalgeschützten historische Gebäude sind viel Holz und Stroh verbaut. Es geht für die Feuerwehr recht schnell nur noch darum, die Nachbargebäude zu schützen, die hier im alten Urbacher Ortskern sehr dicht stehen. „Das Gebäude war bereits komplett im Vollbrand“, sagt Kommandant Michael Hurlebaus zur Situation, die er und seine Leute bei ihrem Eintreffen vorfanden. Die Eingreiftrupps hätten dann noch versucht, ins Gebäude vorzurücken. Das sei aber nicht mehr möglich gewesen.

Die meisten der 13 Bewohner kamen unversehrt aus dem Haus

Es müssen dramatische Szenen gewesen sein, die sich zuvor in der Beckengasse abgespielt haben. Nachbarn halfen den Hausbewohnern, herauszukommen. Ein ortsansässiger Handwerker, der gerade auf dem Weg in seinen Betrieb war und eine Leiter dabei hatte, stellte diese an ein Fenster. Sie reichte allerdings nicht für einen Mann in den oberen Stockwerken, der sich im Sprung auf die Straße rettete.

Die meisten der laut Gemeinde Urbach insgesamt 13 Bewohner (die Polizei sprach von 14 gemeldeten Personen) kamen unversehrt aus dem Haus. Für einen kam jede Hilfe zu spät. Er galt lange als vermisst, bis Gewissheit herrschte und seine Leiche geborgen wurde. Bis zum Freitagabend hat die Polizei ihn eindeutig identifiziert. Es handelt sich laut Sprecher Ronald Krötz zweifelsfrei um den 62-jährigen Bewohner der Wohnung, in der wohl auch das Feuer ausgebrochen ist. Von diesem Ursprung geht die Polizei zumindest nach der Befragung von Zeugen und angesichts des Brandverlaufs aus.

Es handelt sich um eine Wohnung, die die Gemeinde Urbach in dem Haus angemietet hatte und in der drei obdachlose Männer untergebracht waren. Die beiden anderen konnten sich retten, ein 52-Jähriger wurde leicht, der andere schwer verletzt.

Mustafa Arslan, der gleich um die Ecke wohnt, war in seinem Betrieb, wo er Reifen verkauft, als er Krankenwagen und Feuerwehr vorbeifahren sah. Sein Schwager habe ihn dann angerufen, dass in der Gegend seines Wohnhauses Rauch aufsteige. „Ich bin dann gleich ins Auto und hergefahren“, sagt er. Vor Ort sah er eine der beiden Familien, die im „Ochsen“ wohnte, ein Ehepaar mit zwei Kleinkindern, in ihrem Auto sitzen, mit nichts am Leib als ihren Schlafanzügen. Arslan nahm sie kurzerhand mit zu sich nach Hause. „Ich habe auch zwei Enkelkinder“, erzählt er. Deren Kleidung habe den beiden Kindern gepasst.

Der Familie hat er angeboten, bei ihm zu wohnen. Die Frau komme gar nicht aus dem Weinen heraus, berichtet Arslan. Sie hätten alles verloren, nichts als ihr Leben und das, was sie am Leib hatten, retten können. Wie Achim Grockenberger von der Gemeindeverwaltung Urbach dann noch am Ort des Geschehens berichtet, gibt es eine andere Unterkunft für die Familie: Eine Mitarbeiterin des DRK habe spontan ihre Ferienwohnung in Plüderhausen angeboten, dort sei genug Platz. Die zweite Familie aus dem abgebrannten Haus bringt die Gemeinde übers Wochenende im Hotel zur Mühle unter (siehe „Hilfe gesucht“).

Drei Stunden nach Ausbruch des Brandes wird ein Vogel gerettet

Zwischen all den Hiobsbotschaften sind die Hilfsbereitschaft der Nachbarn und das schnelle und professionelle Handeln der Rettungskräfte und der Gemeindeverwaltung die Lichtblicke. Einen Glücksmoment erlebt zudem eine der Familien, die im Erdgeschoss gewohnt hat. Drei Stunden nach Ausbruch des Brandes können die Feuerwehrleute einen Vogelkäfig aus der Wohnung holen. Darin sitzt der Vogel, lebendig und völlig unversehrt. Eine Frau nimmt den Käfig freudestrahlend entgegen.

Die Löscharbeiten dauern den ganzen Freitag über bis in den Abend hinein an. Bereits am späten Vormittag beginnt die Feuerwehr, auch unter Einsatz von Kettensägen, die verbliebenen, verkohlten Balken des Dachstuhls abzutragen. Es geht darum, wie Kommandant Michael Hurlebaus erklärt, Glutnester aufzudecken, aus denen heraus das Feuer neu aufflammen könnte. Am Nachmittag rückt dann ein Bagger an, um weiter abzureißen und Glutnester aufzudecken. Immer wieder richten die verbliebenen Feuerwehrleute einen Wasserstrahl auf die kokelnden Reste des Hauses. Die Beckengasse wird für die weiteren Abbruch- und Löscharbeiten bis mindestens Montag gesperrt bleiben.

Die Brandursache ist noch ungeklärt

Wann und ob die Brandursache geklärt werden kann, ist angesichts des Zustands der Brandruine unklar. Die Polizei hatte auch eine Drohne im Einsatz, um von oben das Geschehen für die weiteren Ermittlungen zu dokumentieren. „Die Ermittlungen laufen“, sagt Polizeisprecher Ronald Krötz. „Wir haben bisher keine Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung.“ Alles weitere müssten die kriminaltechnischen Untersuchungen zeigen. „Gegenstand der Ermittlungen ist, ob fahrlässiges Handeln oder ein technischer Defekt vorliegt“, so Krötz.


Hilfe gesucht

Die Bewohner des abgebrannten Hauses in der Beckengasse haben alles verloren, was sie besessen haben. Vorerst konnten sie entweder bei Verwandten unterkommen oder die Gemeinde hat eine Lösung gefunden, um sie unterzubringen, so dass alle ein Dach über dem Kopf haben.

Gleiches gilt für die Bewohner des direkt angrenzenden Hauses am Kirchplatz. Auch dieses ist vorübergehend unbewohnbar, weil es vom Löschwasser stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Es gibt dort laut Achim Grockenberger von der Gemeindeverwaltung Urbach derzeit keinen Strom mehr. Wann sie wieder zurück in ihre Wohnungen können, ist derzeit noch ungewiss.

Die Gemeinde Urbach bittet nun die Bürger um Mithilfe: „Wir suchen Wohnungen, Möbel, Kleidung und anderes“, sagt Achim Grockenberger.

Wer helfen kann oder etwas weiß, kann sich bei ihm melden, per E-Mail an grockenberger@urbach.de oder unter 0 71 81/80 07 36.

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