Nach Hochwasser bei Winterbach Freiwillige befreien Rems-Ufer von Müll

Was so alles in der Rems landet: Ingrid Biedermann hat einen Damenschuh gefunden. Foto: Reinhold Manz

Winterbach. Ein Fahrrad, ein Dreirad, Schuhe und viel, viel Plastikmüll – das ist unter anderem die Ausbeute bei einer Aktion, die der Winterbacher Marcel Stanek angestoßen hat. Er und andere Winterbacher sowie Helfer aus Nachbargemeinden haben sich zum Ziel gesetzt, ein möglichst großes Stück der Rems-Ufer vom Müll zu befreien. Am Samstag waren sie wieder unterwegs.

Nach dem Hochwasser Mitte Januar sehen die Rems-Ufer vielerorts ziemlich zerrupft aus. Aber nicht nur das: Die Fluten haben auch jede Menge Müll mitgebracht, vor allem Plastik, das jetzt in Fetzen an den Ufern liegt oder in Büschen und Bäumen hängt. „Ich hab gerade einen Damenschuh gefunden“, ruft Ingrid Biedermann. Sie klettert die Böschung darauf und hält das mit Sand gefüllte Schuhwerk hoch. Sie kommt aus Hohengehren, ist aber zum zweiten Mal hier an der Rems in Winterbach dabei. Urheber der Aktion ist Marcel Stanek, der bei Facebook in der Gruppe „Winterbach im Remstal“ dazu aufgerufen hat.

„Es sieht halt schlimm aus hier“, sagt der 32-Jährige schlicht zu seinen Beweggründen. Mit dabei ist auch seine Schwester Saskia Meyer. Beide sind in Winterbach aufgewachsen und haben hier am Remsknie zwischen Winterbach und Weiler schon als Kinder gespielt und gebadet. Es gibt dort, wenn das Wasser im Sommer nicht so hoch steht, einen kleinen Kiesstrand, es ist ein schöner, ruhiger Flecken Natur – wenn nicht der ganze Müll wäre. „Die Kinder können hier ohne Schuhe nicht mehr rein, weil sie sich an Glasscherben die Füße aufschneiden“, sagt Saskia Meyer.

„Wenn jeder bloß die Augen verschließt – das geht nicht“

Eigentlich würden sie immer Müll aufsammeln, wenn sie hier seien, sagt Marcel Stanek. Jetzt sei er nach dem Hochwasser mit dem Rad vorbeigefahren, habe den angeschwemmten Unrat an den Ufern gesehen und gedacht: „Das muss jetzt gemacht werden.“ Er habe den Winter über viel Zeit, weil er lange Urlaub habe, erzählt er. Im Sommer arbeitet er als Schwimmmeister im Winterbacher Freibad.

Weil sich Marcel Stanek sicher war, dass es andere gibt, die auch so denken wie er, und denen der Müll aufgefallen ist, rief er auf Facebook dazu auf, sich ihm anzuschließen. Ganz so viel Resonanz wie erhofft gab es dann aber nicht. Vor zwei Wochen bei der ersten samstäglichen Sammelaktion waren sechs Leute da. Diesen Samstag waren es fünf.

„Wenn jeder bloß die Augen verschließt und nix macht – das geht nicht“, sagt Ingrid Biedermann. Sie findet: „Man braucht sich nicht vor dem Fernseher so viel aufregen, man darf auch gerne ein bisschen rausgehen und was machen.“ Den ganzen Plastikmüll würden Enten oder Fische schlucken, beklagt sie, während sie eine große Plastiktüte aus dem Flusssand zieht, der an den Ufern, angespült vom Hochwasser, gerade alles bedeckt. Viel von dem Plastik werde hier begraben und verseuche den Boden. „Wir vergiften uns selber“, ist Saskia Meyers gesellschaftskritischer Kommentar dazu.

Drei Stunden lang haben sie am Samstag wieder den Müll aus den Büschen gepflückt. Marcel Stanek und der Plüderhäuser Benjamin Rost, der sonst zum Angeln an die Rems kommt, sind sogar mit Neoprenhosen ins Wasser gestiegen, um auch unzugängliche Äste zu erreichen. Dabei haben sie auch jede Menge Metallschrott im Fluss entdeckt, ein Fahrrad, ein Dreirad und ein Baustellen-Absperrgitter zum Beispiel. Dazu sind vier große blaue Müllsäcke voll geworden. Die haben sie stehen lassen, dazu hat Marcel Stanek eine Absprache mit den Kollegen vom Winterbacher Gemeindebauhof getroffen, die den gesammelten Müll montags abholen und entsorgen.


Wiederholung

Marcel Stanek und seine Mitstreiter wollen bald wieder raus zur Rems und weiter Müll sammeln. Einen neuen Termin haben sie dafür bis jetzt noch nicht vereinbart. Wer Interesse hat und auf Facebook ist, sollte das Geschehen in der Gruppe „Winterbach im Remstal“ verfolgen.

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