Nach Kritik von Eltern Schloss-Spielplatz in Schorndorf nachgerüstet

Schnell waren die Steighilfen für besonders sportliche Kletterer entfernt. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Schorndorf. Nachdem Eltern sich angesichts der neuen Spielgeräte im Schorndorfer Schlosspark gesorgt hatten, hat die zuständige Firma „Kukuk“ aus Stuttgart noch einmal Hand angelegt und die Spielstationen an zwei Stellen entschärft. Etliche Kinder hatten die Klettergelegenheiten nämlich anders genutzt, als es vom Erbauer zunächst gedacht war.

Nicht nur einmal haben Schorndorfer Eltern besorgt den Atem angehalten, wenn sie in der Vergangenheit beobachteten, wie Kinder und Jugendliche auf dem Kletterturm am Schorndorfer Schloss-Spielplatz turnten. Immerhin – mehrere Meter ist der Turm hoch. Eine Absturzsicherung gibt’s nicht. Schließlich war auch nicht geplant, dass irgendjemand dort oben sein Turntalent demonstriert. Und dennoch ist es nicht wenigen Kindern und Jugendlichen gelungen. Nachdem Robin Wagner von der Spielplatzfirma „Kukuk“ das im Rahmen einer Spielplatzbegehung mit Schorndorfer Eltern erfahren hatte, reiste er direkt in der Folgewoche noch einmal mit Kollegen an und beobachtete die Situation.

Schnell war klar, wie die Klettermaxe es auf den Spielturm geschafft hatten. Am Tunneleinstieg in den Turm sind Rundhölzer überkreuzt als Tritthilfen angebracht. Über sie sollen die Kinder den geplanten Weg in das Innere des Tunnels schaffen. Das gelingt den meisten auch bestens. Allerdings standen die Hölzer zum Teil recht weit über den Tunneleingang heraus. Das machten sich nun die findigen Kletterer zunutze und erklommen den Bereich oberhalb des Tunnels, erreichten mit der Hand das Dach, zogen sich von dort auf den Turm hoch und kaperten den orangefarbenen Plexiglaskristall, der hoch oben auf der Anlage thront.

"Wer jetzt noch hochgelangt, der hat es echt verdient"

Für die Spielplatzmacher aus Stuttgart war es eine Premiere, dass sie wegen Elternsorgen an einem Projekt noch etwas nachjustieren mussten. Trotzdem haben sie sich gerne drum gekümmert, den großen Holzturm sicherer zu gestalten. Nun wurden die Rundhölzer gekürzt, die Kletterer können nicht mehr mit der Hand ans Dach gelangen, um sich heraufzuziehen. „Wer jetzt noch hochgelangt, der hat es echt verdient“, findet Robin Wagner.

Aber die breite Masse der Kinder kommt nun auf keinen Fall mehr hoch, weiß der Spielplatzplaner. Nur jemand, der wirklich extrem sportlich ist, sollte dort oben hinaufgelangen. Und noch etwas wurde verändert: Am Wasserpumpen-Pilz wurde ein hölzernes Podest errichtet. So können die Kinder von allen Seiten ans Wasser ran, es gibt viel weniger Gedrängel, weniger Streit, weniger Abstürze am heiß umkämpften Nass.

Die Motivation der Spielplatzmacher

Was die Motivation der „Kukuk“-Spielplatzmacher ist? „Die Spielplätze sind in der heutigen Zeit oft die letzten Freiräume, in denen sich Kinder entfalten und austoben können“, weiß Robin Wagner. Und so wollen er und seine Kollegen naturnahe und künstlerisch gestaltete Spielräume schaffen, die Spielideen wenig einschränken. Mit ihrer abstrakten Formensprache und den luftigen Strukturen wollen sie die Kinder in ihrer Aufmerksamkeit herausfordern. „Die Naturmaterialien und -felsen muss ich genau anschauen. Ich muss erkennen, wo Strukturen sind, an denen ich mich festhalten kann.“

Speziell die Balkenkonstruktion auf dem Spielplatz im Stadtpark lädt dazu ein, sich minutenlang in der Luft entlang der Kletterstraßen zu bewegen. Wo Boulderstrecken festgelegte Kletterwege anbieten, wollen die Spielplatzkünstler die Eigenständigkeit aus den Kindern herauskitzeln. Sie sollen eigene Ideen, einen eigenen Ansporn entwickeln.

Was für die Kletterstrecken gilt, stimmt auch für das Spielangebot. Die bewusst abstrakt gehaltenen Holzgebilde können im Rahmen des kindlichen Rollenspiels alles darstellen, was gerade gebraucht wird. „Es wird keine offensichtliche Geschichte erzählt, die Konstrukte schließen an nichts Konkretes an. Dies, obwohl sich die Entwickler abstrakt an das Thema „Fort in Schorndorf“ herangetastet haben. Wer will, kann in den tunnelartigen Gängen einen Wehrgang, in den senkrechten Formen Burgtürme entdecken, muss es aber nicht. „Nichts soll eindeutig sein“, erklärt Robin Wagner. „Die Kinder sollen sich in ihrer Fantasie selbst vorstellen, wo sie sich befinden. Sie sollen und dürfen selbst an Dingen anknüpfen, die sie selbst schon gesehen und erlebt haben.“

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