Nach Rekordsommer 2018 Welzheimer Wald leidet immer noch

Auch der Regen der letzten Wochen konnte nichts daran ändern, dass die Bäume nach wie vor unter Wassermangel leiden. Foto: Landratsamt

Welzheim. Der Staatswald gilt zu 100 Prozent als gestresst. Die hohen Temperaturen haben allen Baumarten zugesetzt. Daran konnten auch die Niederschläge der vergangenen Wochen nichts ändern. Das Fazit zog Kreisforstamtsleiter Martin Röhrs.

So allmählich könnte es doch endlich mal richtig Sommer werden, denkt sich unsereins nach einem kühlen Wonnemonat und einer durchwachsenen ersten Junihälfte. „Für den Wald wäre es besser, der Sommer bliebe so kalt und nass wie bisher, und am besten bis in den Oktober“, sagt Kreisforstamtsleiter Martin Röhrs. „Der Wassermangel in der Tiefe der Böden ist noch lange nicht ausgeglichen“, warnt er. Insbesondere für die Südhänge in der Backnanger Bucht oder im Remstal gibt er keine Entwarnung. „Dort werden die Absterbe-Erscheinungen für alle Bäume weitergehen.“

2018 war aus Sicht der Förster in zweierlei Hinsicht problematisch. „Dieses Jahr trifft eine erstarkte Schadkäferpopulation auf geschwächte Bäume“, fasst Röhrs zusammen. Trockenheit und der milde Winter boten den Käferpopulationen optimale Bedingungen. Viele konnten überwintern, die Käfer seien insgesamt mit einer hohen Ausgangspopulation ins Jahr 2019 gestartet. Die Bäume hingegen kamen mit dem Wassermangel nicht klar und zeigen deutliche Zeichen von Stress.

Vier Schadinsekten machen dem Wald zu schaffen

Vier Sorten an Schadinsekten setzen den Bäumen im Staatswald zu. Der krummzähnige Borkenkäfer und der kleine Tannenborkenkäfer gehen auf Tannen los, die Fichte wird von Buchdrucker und Kupferstecher heimgesucht. Sehr aktiv sind zudem der Lärchenborkenkäfer, bei den Buchen der Buchenprachtkäfer und der zweifarbige Buchenborkenkäfer. Die Förster beobachten Fichten, die eine satte grüne Krone vermissen lassen, sehr durchsichtig sind und sich gelblich oder rötlich verfärben. Auch eindeutige Befallsmerkmale wie Bohrmehlspuren lassen darauf schließen, dass sich die Käfer in viele Bäume eingebohrt und bereits Bruten angelegt haben.

Wie die Bäume reagieren, wissen die Förster nicht. Bis in drei Wochen könnte das Ausmaß sichtbar werden, sagt Tobias Horwath, stellvertretender Forstamtsleiter. Während der kühlen Tage Ende Mai habe sich die Brut leicht verzögert. „Doch dies schiebt die Vermehrung letztlich nur auf“, so Horwath, der die Bruthäufigkeit verdeutlicht. „2018 haben die Borkenkäfer drei Bruten statt einer angesetzt. Dieses Jahr könnte es bestenfalls zurückgehen auf zwei Bruten.“

Um der Ausbreitung Herr zu werden, stehe nur ein effektives Mittel zur Verfügung: „Die Bäume schnell finden, umlegen und ins Sägewerk bringen, um den Stamm mit Käfer aus dem Wald zu schaffen“, so Horwath. Hinter die Realisierbarkeit der Maßnahme setzt er angesichts hoher Schadholzmengen des Vorjahrs allerdings ein Fragezeichen.

Wenn es heiß und trocken bleibt, brechen die Holzpreise ein

„Die Sägewerke sind überversorgt mit Holz“, so Horwath. „Wir haben jetzt schon so viel Schadholz wie 2018 insgesamt“, ergänzt Martin Röhrs. Im Staatswald verzeichnet das Kreisforstamt 8000 Festmeter Schadholz durch Insekten, im Kommunalwald 5000 Festmeter, im Privatwald 7000 Festmeter.

Für den Staatswald gilt Röhrs zufolge als „entlastende und marktsteuernde Ausgleichsmaßnahme“ seitens des Landesforstbetriebs ForstBW ein Einschlagstopp für frischen Nadelwald, um den Holzmarkt nicht zu überstrapazieren.

Reguläre Hiebmaßnahmen seien im Staatswald teilweise zurückgestellt worden, weil zuerst einmal das Schadholz aus dem Wald geschafft werden musste. Europaweit herrsche Holzüberschuss infolge der Trockenheit, eine Nachfrage aus dem Ausland sei nicht zu erwarten. Im Rems-Murr-Kreis sei die Lage noch entspannt durch Verträge des Kreisforstamts mit lokalen Sägeunternehmen.

Röhrs befürchtet: „Wenn es ähnlich trocken und heiß wird wie 2018, schießt es durch die Decke. Dann wird der Holzmarkt nichts mehr aufnehmen können.“ Entscheidend sei die Witterung, insbesondere im Juli und August. „Nass und kalt wäre uns recht.“ Die Käfer würden zwar auch dann nicht einfach verschwinden, aber die Bäume könnten mehr Widerstandskraft entwickeln, wenn ihnen nicht noch einmal das Wasser abgegraben wird.

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