Nach Stellwerkstörung in Waiblingen Was die Bahn in Zukunft besser machen will

Im Waiblinger Stellwerk ist zum Teil noch sehr alte Technik im Einsatz. Die jüngste langanhaltende Störung war aber im neueren, elektronischen Teil des Stellwerks entstanden. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen.
Ein Stellwerk ist für den Bahnbetrieb so bedeutsam wie der Motor fürs Auto. Im Stellwerk entscheiden Fahrdienstleiter, welcher Zug auf welchem Gleis fährt, wer zuerst in den Bahnhof darf, wer wann ein rotes Signal erhält und wer ein grünes. In den Tiefen des Waiblinger Stellwerks klickern die Relais den lieben langen Tag, und im Raum nebenan bedürfen Schaltschränke der Kühlung. In diesen Schaltschränken wird umgesetzt, was einer der Fahrdienstleiter hoch oben im Stellwerkturm vor seinen x Bildschirmen verfügt: Ein elektronisches Stellwerk ist in Waiblingen kombiniert mit jahrzehntealter Technik. Die jüngste Dauerstörung war im neueren, elektronischen Teil entstanden.

Zu wenig Gleise

Ein elektrisches Stellwerk „ist weniger störungsanfällig“, hatte Sebastian Biber vor kurzem gesagt, als diese Zeitung sich im Waiblinger Stellwerk einen Eindruck von dessen Arbeit verschaffte. Der Bezirksleiter Betrieb nannte als einen der Gründe, warum es immer wieder stockt im Zugverkehr: Es sind zu viele Züge auf zu wenig Gleisen unterwegs. Knapp 30 Züge und S-Bahnen durchfahren allein den Waiblinger Bahnhof – in einer einzigen Stunde zur Hauptverkehrszeit. Funktioniert ein Signal nicht richtig, müssen die Techniker ein Problem in den mit Relais dicht an dicht bestückten Kästen finden – egal, welche Störung sich anbahnt, sie wird im dichten Zugverkehr sofort gravierende Auswirkungen haben.

In Zukunft wird alles besser – verspricht die Bahn. Digitale Stellwerke werden die elektronischen ablösen. Die Stellbefehle werden dann per Datenleitung an Weichen, Signale oder Gleiskontakte weitergeleitet, nicht mehr via Kabel. Die Instandhaltung wird deutlich einfacher. Kaputte Relais werden dann nicht mehr zu Signalstörungen führen.

So weit der Plan. Bis jetzt sind die Stellwerke nicht mal komplett auf elektronischen Betrieb umgerüstet, auch die Stellwerke im Rems-Murr-Kreis nicht. Bis die nächste und neueste Stellwerks-Generation, also die digitale Technik, überall Einzug hält – das wird dauern. Das Schienennetz der Bahn erstreckt sich in Deutschland auf eine Länge von rund 33 000 Kilometern. Es gibt Tausende Stellwerke und Bahnhöfe. Vor knapp zwei Jahren nahm das erste digitale Stellwerk den Betrieb auf – in Annaberg-Buchholz in Sachsen.

Die Infos der Bahn zur „digitalen Schiene Deutschland“ lesen sich wie große Versprechen: Wartet nur, bis all die moderne Technik im Einsatz ist, dann wird alles besser. Schienenfahrzeuge können künftig während der Fahrt auf ihren Zustand überprüft werden. Das funktioniert laut Bahn unter anderem deshalb, weil Mikrofone am Gleis die Geräusche des Zuges aufnehmen und die Technik sie analysiert. Digitale Ferndiagnosesysteme erkennen drohende Störungen, bevor sie stören – und das sind nur zwei Beispiele. Von mehr Verlässlichkeit und mehr Pünktlichkeit ist die Rede: Die Pendler der Zukunft hätten’s verdient.


Stellwerke im Kreis

Mit Fahrdienstleitern besetzte Stellwerke befinden sich im Rems-Murr-Kreis in Waiblingen, Plüderhausen, Backnang, Sulzbach und Murrhardt.

In den Stellwerken Schorndorf, Grunbach und Endersbach ist zwar noch Technik untergebracht, dort arbeiten aber keine Menschen mehr. Diese drei Stellwerke werden von Waiblingen aus gesteuert.

  • Bewertung
    17
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!