Nach technischen Problemen im Klärwerk Weinstadt verlangt Entschädigung von Firma Dürr

, aktualisiert am 24.09.2019 - 10:49 Uhr
Mit der Gas-Turbine sollte im Weinstädter Klärwerk überschüssiges Gas zur Energiegewinnung genutzt werden. Foto: ZVW/Gaby Schneider (Archiv)

Weinstadt. Wegen technischer Probleme hat die Gas-Turbine der Firma Dürr im Weinstädter Klärwerk nicht die versprochene Leistung erbracht. Dafür hat der Bietigheimer Dürr-Konzern der Stadt nun nach längeren Verhandlungen 190 000 Euro geboten. Es stellt einen Kompromiss dar, der jedoch dem Weinstädter OB und den Stadträten im Betriebsausschuss nicht weit genug ging: Sie verlangen rund 20 000 Euro mehr.

„Wenn es eine kleine Firma gewesen wäre, wäre sie tot“: Werner Zondler, Prokurist bei Dürr, machte in der Sitzung des Weinstädter Betriebsausschusses am Donnerstagabend klar, welche Verluste das gescheiterte Geschäft mit den Gas-Turbinen verursacht hat. Ein Minus von 17 Millionen Euro musste der Konzern verbuchen, was für Dürr nur deshalb verkraftbar ist, weil der Jahresumsatz bei vier Milliarden Euro liegt.

Vor knapp einem Jahr, sagte Zondler, habe der Vorstand deshalb entschieden, das Geschäft mit den Gas-Turbinen einzustellen. Der Konzern veröffentlichte dazu am 17. Oktober 2018 eine Pressemitteilung, in der es heißt, dass das Unternehmen mit diesem Schritt eine Verlustquelle dauerhaft bereinigen wolle. Zu den betroffenen Kunden zählt auch das Weinstädter Klärwerk, das mit der Nachbargemeinde Korb betrieben wird. Dort sollte eine Turbine das überschüssige Gas zur Energiegewinnung nutzen – doch das 300 540 Euro teure Projekt ist gescheitert.

Stadt hoffte, durch die Turbine jährlich 140 000 Euro zu sparen

Als das Vorhaben im August 2015 bei einem Pressetermin vorgestellt wurde, sprachen Vertreter der Stadt und der Firma Dürr noch von einem jährlichen Sparpotenzial von 140 000 Euro. Errechnet wurde die Summe durch die niedrigeren Wartungskosten für die beiden Blockheizkraftwerke des Klärwerks sowie die niedrigere Strommenge, die Weinstadt dazukaufen muss. Während des Testbetriebs vom 1. September 2016 bis 30. November 2016 funktionierte die Gas-Turbine gut, ebenso in den Monaten danach. Im April 2017 kam es dann zum Leistungsabfall. Es wurde mit der Firma Dürr an einer Lösung gearbeitet, doch auch nach Wiederinbetriebnahme im Mai 2018 gab es keine Besserung.

In einem Gespräch am 14. November 2018 stellte ein Vertreter von Dürr der Stadt noch in Aussicht, den bestehenden Wartungsvertrag für die Turbine zu erfüllen. Das ist freilich nie passiert. OB Michael Scharmann wollte wissen, warum dies der Stadt dennoch versprochen wurde. Zondler erklärte es damit, dass das Gespräch vor dem entsprechenden Vorstandsbeschluss stattfand. „Der Vorstandsbeschluss war so geheim, dass die Mitarbeiter es aus der Zeitung erfahren haben. Es war nicht so, dass wir Sie falsch informiert haben.“

Die Gas-Turbine ist seit Mitte Mai 2018 nicht mehr gelaufen

Zondler übermittelte der Stadt das Angebot von Dürr, für die Rückabwicklung des Geschäfts 190 000 Euro zu zahlen. „Es ist ein fairer Deal.“ Anfangs, sagte er, habe sein Unternehmen nur 130 000 Euro zahlen wollen. Auch betonte er, dass sein Unternehmen auf offene Forderungen aus dem Wartungsvertrag in Höhe von 18 000, 19 000 Euro verzichtet habe. Den Stadträten im Betriebsausschuss war dies dennoch zu wenig. GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger fand beim Blick auf die Zahlen, dass die Stadt den tatsächlichen Restwert bekommen sollte – und der liegt wohl bei 210 000 Euro.

Auch CDU-Fraktionschef Ulrich Witzlinger sah dies so und merkte an, dass es üblich sei, sich beim Verhandeln langsam aufeinander zuzubewegen. Der Amtsrichter erinnerte daran, dass Weinstadt auch den Rechtsweg beschreiten kann: Bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung würde ein Gutachter nach seiner Auffassung sicher feststellen, welcher Schaden der Stadt entstanden sei – schließlich sei die Gas-Turbine seit Mitte Mai 2018 nicht mehr gelaufen. Fakt ist, dass die Turbine die versprochene elektrische Leistung von 95 bis 100 Kilowatt nur anfangs lieferte – danach ging es laut Klärwerkschef Ulrich Fabriz auf 46 Kilowatt runter.

Ohne Gegenstimme sprach sich der Betriebsausschuss dafür aus, dass Dürr sein Angebot verbessern soll. Zondler betonte, dass er das nicht selbst entscheiden kann. „Ich gebe Ihnen schriftlich Nachricht.“


Idee: Energie sparen

Das Gas aus dem Faulturm des Klärwerks sollte durch die Gas-Turbine noch effizienter zur Energiegewinnung genutzt werden – und nicht mehr verbrannt werden müssen.

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