Nach Tod des Küchenchefs Grunbacher "Traube" wird neu aufgestellt

Natalie, Sandra und Tim Arbogast in den erst in diesem Sommer renovierten Räumlichkeiten der Traube. Foto: Schneider / ZVW

Remshalden. Mitte September verstarb Gunter, genannt Abo, Arbogast, der Chef der Grunbacher „Traube“, völlig unerwartet. Seine Familie um Sandra Arbogast richtet jetzt den Blick nach vorne: Sie will die „Traube“ mit ihrer bald 110-jährigen Tradition am Leben erhalten. Essen à la carte gibt es nicht mehr, aber bekannte und beliebte Termine bleiben, und den „Genussraum“ kann man für Veranstaltungen mieten.

Alle, die davon hörten, waren erst einmal fassungslos. Gunter Arbogast, den fast alle Abo nannten, stand mit 50 Jahren mitten im Leben und brannte für seinen Beruf und die „Traube“, wo er seit fast 25 Jahren in der Küche stand. Am 17. September, seinem freien Tag, tat er das, was er neben dem Kochen liebte: Er war mit Hündin Casey in der Natur, war mit dem Rad unterwegs und fuhr schließlich zum Angeln. „Da ist er aus dem Auto ausgestiegen und umgefallen“, sagt Sandra Arbogast. Sie ist sicher: Wenn er es sich hätte wünschen können, dann wäre sein letzter Tag genau so abgelaufen. „Aber eben 20 Jahre später.“

Sandra Arbogast sitzt einige Wochen nach diesem einschneidenden Tag mit Sohn Tim an einem Tisch in der Ecke der „Traube“. Helles Kiefern-Altholz dominiert die Stube in einem alpenländischen Stil. „Wir haben den Raum gerade frisch renoviert“, sagt sie. Es war eine Investition, die sie lange vorhatten, kurz nach der Umsetzung starb Abo Arbogast.

Nach dem ersten Schock und der tiefsten Trauer ging es bald um die Frage: Was wird jetzt aus der „Traube“? Klar war Sandra Arbogast eines: „Ich könnte das Lokal nicht verpachten, dafür hängt viel zu viel Herzblut drin.“ Es ist mehr als ein Arbeitsort, sie, ihre Kinder und ihre Eltern wohnen auch im Haus.

Von der einfachen Weinstube zu gehobener gutbürgerlicher Küche

Sandra Arbogast war 23, als sie und Abo in den 1908 begründeten Familienbetrieb „Traube“ einstiegen, und ihr Vater, Rolf Hottmann, ihr das Gebäude überschrieb. Abo Arbogast, der aus der Gegend von Kehl stammt, war damals 25. Sie hatten eigentlich nicht geplant, so früh nach Hause zu kommen und den Laden zu übernehmen.

Kennengelernt haben sie sich in der „Traube“ Tonbach in Baiersbronn, wo sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau machte und er als Koch arbeitete. Später wurde er Küchenchef im „Landgasthof Schober“, einem Teil der „Schweizer Stuben“ in Wertheim im Main-Tauber-Kreis, sie arbeitete dort an der Rezeption – als der Ruf aus Grunbach kam. Ihr Vater berichtete vom Verkauf des Nachbarhauses und meinte: Wenn ihr mal heimkommen wollt, dann solltet ihr jetzt das Haus kaufen.

Der Ruf strahlt über Grunbach hinaus

Trotz aller Pläne und ihrer Jugend kamen sie und kauften tatsächlich das Nachbarhaus. Wenig später, 1995, übernahmen sie die „Traube“ voll, und zusammen bauten sie ihren heutigen Ruf auf, der über Grunbach hinausstrahlt. In der frühen Geschichte des Lokals als Weinstube gab es dort eine einfache und größtenteils kalte Küche. Sandra Arbogasts Vorfahren waren in erster Linie Wengerter. Ihr Vater Rolf Hottmann war gelernter Metzger. Er machte mit Frau Erne Hottmann ab 1965 ein gutbürgerliches Restaurant aus der „Traube“.

Die Arbogasts führten das so weiter. Doch zu Rostbraten, Schnitzel und Metzelsuppe brachten sie behutsam neue Elemente ein. Besonders stolz sei Abo auf den „Bib Gourmand“ des Gourmetführers „Michelin“ gewesen, sagt Sandra Arbogast. Dieses Prädikat steht dafür, dass das Verhältnis von Preis und Leistung stimmig ist. Abo Arbogast setzte dabei auf regionale Produkte und hatte die Ambition, alles frisch zuzubereiten, egal wie viel Aufwand das bedeutete.

Als Nachfolger jemand für die Küche zu finden und einzustellen, der das Niveau der „Traube“ weiterführt und dazu noch als sichere, langfristige Lösung – das erschien Sandra Arbogast als sehr schwierig. Deswegen entschied sie sich für einen anderen Weg. Das heißt konkret: Essen à la carte zu regelmäßigen Öffnungszeiten wird es in der „Traube“ nicht mehr geben. Aus dem Restaurant und der Weinstube wird ein „Genussraum und Weinstube“. Dafür hat sich Sandra Arbogast den Koch Matthias Walter als Partner ins Boot geholt.

Der 30-Jährige betreibt in Bad Überkingen eine Kochschule mit Cateringservice unter dem Namen „Sehen – Staunen – Schmecken“. Seine Wurzeln liegen im Remstal: Walters Mutter stammt aus der Familie Schlegel, die lange Zeit den „Ochsen“ in Stetten hatte. Gelernt hat er bei Rolf Straubinger im Gourmet-Restaurant „Burg Staufeneck“.

Die Kinder sind beteiligt, gehen aber eigene Wege

Matthias Walter übernimmt viele der bereits terminierten Veranstaltungen wie Geburtstage und Konfirmationen. Mit ihm bleiben außerdem einige der traditionellen Höhepunkte im Kalender der „Traube“ erhalten, teilweise leicht verändert. Aus dem traditionellen Gänsemenü beim Martini-Essen wird etwa ein Entenmenü.

Dazu gibt es an drei Adventssonntagen ein Adventsmenü, ein Weihnachtsmenü und weitere Termine, die Stammgäste der Traube schon kennen. So bestreitet der bisherige, langjährige Koch Reinhard Schröm zum Beispiel das traditionelle Metzelsuppen-Essen. Als neues Element bietet Sandra Arbogast ein Genuss-Frühstück an. Außerdem kann die Traube für alle denkbaren Anlässe von der Firmenfeier bis zur Beerdigung gemietet werden, mit Matthias Walter als Koch oder mit Catering von der Metzgerei Winter aus Schorndorf. Sandra Arbogast stellt ihren Service zur Verfügung.

Natalie und Tim Arbogast sind über eine neu gegründete GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) beteiligt, allerdings nur rechtlich und mit ihren Namen. Beide helfen immer in der „Traube“ mit, gehen aber ihre eigenen Wege: Der 18-jährige Tim ist in einem dualen Studium für Gastronomie- und Hotelmanagement in der Ausbildung im „Le Meridien“ in Stuttgart. Natalie, 21, studiert International Business (Internationale Betriebswirtschaftslehre).

Sandra Arbogast blickt mit viel Zuversicht in die Zukunft mit der neu aufgestellten „Traube“. Und sie ist sicher, dass der von Matthias Walter in einer Pressemitteilung formulierte Satz für Abo Arbogast zutrifft: „Er wird sicherlich mit einem bejahenden Kopfnicken auf die Vorhaben seiner Frau Sandra herabschauen.“


Termine

  • Am 11. November gibt es zum Martini-Essen mittags und abends ein Entenmenü, außerdem noch mal am 30. November abends.
  • Ein Adventsmenü gibt es mittags an den Adventssonntagen, am 2., 16. und 23. Dezember.
  • Am zweiten Advent, am 9. Dezember, gibt es von 9 bis 13 Uhr ein Traube-Genussfrühstück, das Sandra Arbogast gestaltet.
  • Am zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es mittags ein Weihnachtsmenü.
  • Das traditionelle „Krähenessen“ mit Kronfleisch aus dem Kessel und Holzofenbrot findet abends am Freitag, 11. Januar, statt.
  • Für alle diese Termine ist eine Vorbestellung nötig. Weitere Informationen auf www.traube-grunbach.de.
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