Nach VfB-Niederlage in Berlin Ärger über das „klarste Handspiel der Saison“

Nach der 1:3-Niederlage in Berlin muss der VfB Stuttgart weiter um die Relegationschance zittern. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Berlin. Ein Mann, der gar nicht im Stadion war, sorgt am Samstagnachmittag für die größten Debatten im Berliner Olympiastadion. Alexander Esswein sprach vom „klarsten Handspiel der letzten Wochen und Monate - vielleicht sogar der gesamten Saison“, Dennis Aogo von einem „riesengroßen Rätsel.“ Nach der Niederlage in Berlin muss der VfB weiter um den Relegationsplatz zittern. 

Der Blackout des Videoschiedsrichters hat den ohnehin gebeutelten VfB Stuttgart im Saisonendspurt nochmals zusätzlich in die Bredouille gebracht. „Ich weiß nicht, was in dem Moment im Keller los war“, sagte Interimscoach Nico Willig, als er sich nach dem 1:3 (0:2) bei Hertha BSC das klare Handspiel vom Berliner Karim Rekik nochmals am Bildschirm angesehen hatte. Live hatte Willig wie Schiedsrichter Daniel Schlager den strafbaren Einsatz von Herthas Verteidiger auch nicht erkannt: „Aber dafür haben wir den Videoschiedsrichter, dass er in solchen Situationen online ist.“ Der erfahrene Günter Perl als Video Assistant Referee (VAR) war aber off - mit aus Stuttgarter Sicht weitreichenden Auswirkungen auf den Verlauf der Partie.

„Das klarsten Handspiel der letzten Wochen und Monate“

Denn nach der nächsten Niederlage zittert der VfB noch immer um die Chance, wenigstens in zwei Relegationsspielen den erneuten Absturz in die Zweitklassigkeit zu vermeiden. Die Niederlage am drittletzten Spieltag der Saison fiel deutlich und verdient aus. Doch der VAR, der 600 Kilometer entfernt des Olympiastadions saß, sorgte bei den Schwaben für das größere Entsetzen.

VfB-Profi Dennis Aogo sprach von einem „riesengroßen Rätsel“, sein Kollege Alexander Esswein vom „klarsten Handspiel der letzten Wochen und Monate - vielleicht sogar der gesamten Saison“. Anders als auf anderen Plätzen bei den Fällen Jérôme Boateng (Bayern/als strafbares Handspiel gewertet) und Mario Götze (Dortmund/kein Elfmeter) war Rekiks Handspiel keine Sache der Auslegung. DFB-Schiedsrichterboss Lutz-Michael Fröhlich als Live-Zuschauer wertete deshalb die Szene als wenig gelungenes Beispiel für den Videoschiedsrichter.

Projektleiter Drees: „Wir sind natürlich alle nicht so zufrieden“

Kritik gab’s auch am späten Abend vom Videobeweis-Chef Jochen Drees. Der Projektleiter des DFB räumte im „Aktuellen Sportstudio“ ein: „Nach dem heutigen Nachmittag waren wir natürlich alle nicht so zufrieden und sind da auch der Meinung, dass das ein strafbares Handspiel ist.“ Der Fehler sei erst in der Halbzeit aufgefallen, erklärte er und sprach von einem „menschlichen Fehler.“ Deutliche Worte fand auch Ex-Referee Thorsten Kinhöfer in seiner Kolumne für die Bild am Sonntag: „Bringen wir es auf den Punkt: Die Auslegung der Handregel ist mittlerweile völlig willkürlich. Der Videobeweis verliert total an Akzeptanz. Und das darf nicht sein!“, so der 50-Jährige, „ich bin nicht oft sprachlos. Aber gestern ist mir echt nichts mehr eingefallen.“

Projektleiter Drees will in Bezug auf den Videobeweis auch die Transparenz für die Fans erhöhen. So werde zum Beispiel daran gearbeitet, dass Fernsehzuschauer die Bilder gezeigt bekommen, die der Schiedsrichter sieht, wenn er sich eine Szene am Spielfeldrand noch einmal anschaut. Zudem sei denkbar, dass der Schiedsrichter in Zukunft wie in der amerikanischen Football-Liga NFL eine strittige Entscheidung im Stadion selbst verkündet.

Ist die Hoffnung auf einen längeren Aufschwung schon wieder dahin?

„Das haben nicht wir verbockt, das wurde an anderer Stelle verbockt“, bemerkte Stuttgarts Interimstrainer Nico Willig verärgert und ergänzte: „Hertha hat uns dann mit dem Doppelschlag vor der Pause richtig angeknockt. Da waren wir zu schläfrig, haben nicht gut verteidigt.“ In der Tat ist nicht die ungeahndete Handszene hauptverantwortlich dafür, dass nach dem 32. Bundesligaspieltag die Hoffnung auf einen längeren Aufschwung mit dem 1:0 gegen Mönchengladbach schon wieder dahin ist.

„Wir sind nicht richtig ins Spiel reingekommen, waren zu passiv und haben es nicht geschafft, im Spiel nach vorne das eine oder andere Signal zu setzen“, bekannte Torwart Ron-Robert Zieler. Der VfB bleibt fünf Zähler vor dem 1. FC Nürnberg und sechs vor Hannover 96 auf Relegationsrang 16. Die Signale setzten die Berliner, die zuvor sieben Mal nicht gewonnen und in fünf Spielen nur einmal getroffen hatten. „Vedad hat das sogenannte Dosenöffner-Tor erzielt“, kommentierte der zum Saisonende scheidende Hertha-Chefcoach Pal Dardai erleichtert die zweite entscheidende Situation der Partie.

Der Ex-Stuttgarter und jetzige Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic traf nach 358 torlosen Berliner Minuten (40.) zu seinem zehnten Saisontor. Ondrej Duda (45.+1) mit seinem elften Saisontreffer und Salomon Kalou (67.) legten nach. Mario Gomez' Tor (70.) war nur Ergebniskosmetik. „Wir haben 1:3 verloren. Aber es gab die Möglichkeit, auf die Siegerstraße zu kommen“, meinte Trainer Willig nochmals in Anspielung auf den verweigerten Elfmeter beim Stand von 0:0.

„Nichtsdestotrotz“ sei der Sieg für Hertha „zweifellos verdient“, räumte VfB-Hoffnungsträger Willig dann noch zum Abschied aus Berlin ein. „Wir müssen nun weiterarbeiten. Wir haben noch zwei sehr, sehr wichtige Spiele, um den Relegationsplatz zu erreichen.“


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