Nahverkehr Region untersucht Ausbau der S 5

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Stuttgart - Der Bietigheimer Bahnhof ist bisher die Endstation für die S-Bahn-Linie 5. Doch eine Verlängerung der Schienenstrecke nach Vaihingen an der Enz steht längst auf der Wunschliste für den Nahverkehr. Die enorme Aufsiedlung im Norden der Region lässt auch den Ruf nach besseren Verbindungen für Pendler laut werden.

Seine Ersatzteile verschickt der Sportwagenbauer Porsche nicht etwa vom Stammsitz in Zuffenhausen aus in alle Welt. Auch das frühere Logistikzentrum in Ludwigsburg hat beim Expressversand von Rückspiegeln oder Scheibenbremsen längst ausgedient. Die Porsche-Post geht mittlerweile in Sachsenheim im Kreis Ludwigsburg ab - im zentralen Ersatzteillager auf dem ehemaligen Manövergelände im Eichwald warten 85.000 verschiedene Teile darauf, binnen 24 Stunden an Autohändler und Werkstätten auf allen fünf Kontinenten verfrachtet zu werden.

Die mehr als 100 Millionen Euro teure Bündelung von früher neun Standorten für den Versand unter einem neuen Dach hat sich nicht nur für die Autofirma gelohnt. Wenn man so will, profitieren auch einige Mitarbeiter des Logistikzentrums von dem Umzug an den Rand der Region - und zwar durch körperliche Fitness und deutlich strammer gewordene Waden.

Längst nicht alle der 390 Mitarbeiter des Ersatzteillagers kommen mit dem eigenen Auto zum Dienst. Wer als Porsche-Pendler lieber den öffentlichen Nahverkehr nutzen will, muss mit der S-Bahn nach Bietigheim fahren und in den Regionalexpress nach Sachsenheim umsteigen. Für die letzten Kilometer gibt es einen Bus - oder den Drahtesel. "Ich gehöre zu den paar Kollegen, die wirklich bei Wind und Wetter auf ihr Fahrrad steigen", erzählt Mitarbeiter Rainer Frank über den täglichen Weg zur Arbeit.

Eine Verbesserung würde aus Sicht der Mitarbeiter eine Verlängerung der S-Bahn von Bietigheim nach Vaihingen bringen. "Wenn jetzt Grüne und SPD die Mehrheit im Land haben, wird sich hoffentlich beim Ausbau von Bus und Bahn etwas tun", sagt der 51-jährige Porsche-Mann. Doch auf dem Wunschzettel für den Nahverkehr steht die Erweiterung nicht erst seit der Landtagswahl. Bereits vor zwei Jahren ließen die Verkehrsplaner im Regionalverband das Schienennetz rund um Stuttgart wissenschaftlich unter die Lupe nehmen. Eine von der Universität in Stuttgart angefertigte Studie zur Zukunft des Bahnverkehrs untersuchte verschiedenste Möglichkeiten für die Reaktivierung stillgelegter Strecken und den Bau neuer Querverbindungen.

Die Rathauschefs haben signalisiert, sich an den Untersuchungskosten zu beteiligen.

Mit die besten Noten erhielt neben der geplanten Verlängerung der S1 von Plochingen bis Süßen auch die Weiterführung der S5 von der jetzigen Endstation in Bietigheim bis nach Vaihingen an der Enz. Weil bereits jetzt zumindest Regionalzüge auf der knapp zehn Kilometer langen Strecke unterwegs sind, hält sich der technische Aufwand in Grenzen - im Gegensatz zu vielen anderen denkbaren Schienenverbindungen gibt es bereits ein verkehrstaugliches Gleis.

Wie hoch die tatsächlichen Kosten und die zu erwartenden Fahrgastzahlen sind, soll jetzt eine nähere Untersuchung der Strecke bis Vaihingen klären. Die Region hat 50.000 Euro für die Begutachtung einkalkuliert. Von den beteiligten Kommunen Bietigheim, Sachsenheim, Sersheim und Vaihingen könnte ein ebenso hoher Betrag kommen - nach einem Treffen haben die vier Rathauschefs signalisiert, sich an den Untersuchungskosten zu beteiligen.

Der Hintergrund: Mit großen Gewerbegebieten wie am Eichwald, im Perfekten Standort in Vaihingen oder in Bietigheim ist im Kreis Ludwigsburg nicht nur ein reger Zustrom von Berufspendlern zu verzeichnen. Mit den neuen Unternehmen wird der Norden der Region auch als Wohnbau-standort attraktiver - und ist mehr als bisher auf leistungsfähige Verkehrsachsen angewiesen. Allein die Stadt Vaihingen hat, vom Regionalverband wegen des Flächenverbrauchs scharf kritisiert, für die nächsten zehn Jahre einen Bedarf von 45 Hektar Bauland angemeldet. Und schon an den steigenden Grundstückspreisen lässt sich die wachsende Bedeutung des bisher stark ländlich geprägten Bereichs ablesen.

Auch der VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger erwartet deshalb im Raum Vaihingen in den kommenden Jahren deutlich steigende Fahrgastzahlen. Wie schnell eine Verlängerung der S-Bahn kommen könnte, steht freilich auf einem anderen Blatt. In ihrer Untersuchung ging die Uni Stuttgart schon wegen anderer Wunschprojekte von einem Zeithorizont ab 2025 aus.

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