Neuer VfB-Sportchef Thomas Hitzlsperger "Schaue ich aus wie ein Feuerwehrmann?"

In blauer Jeans, blauem Pulli und blauen Turnschuhen strahlte Thomas Hitzlsperger Vorfreude und vorsichtigen Optimismus aus. Foto: Galm / ZVW

Stuttgart. Thomas Hitzlsperger soll den VfB Stuttgart also aus der Krise führen. Der frühere VfB-Profi und deutsche Meister von 2007 folgt auf den umstrittenen Sportvorstand Michael Reschke und Präsident Wolfgang Dietrich setzt auf die Verbindung zwischen seinem neuen Sportchef und Trainer Markus Weinzierl. Ein Jobgarantie für den Coach gibt es deshalb aber nicht.

Der gebürtige Münchner erhält einen Vertrag bis zum 30.06 2022. Sein Amt als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) übernimmt bis auf Weiteres Markus Rüdt. Auch seine Tätigkeit als Fußball-Experte für die ARD wird „The Hammer“, wie der ehemalige Mittelfeldspieler aufgrund seiner Schussgewalt von den englischen Fans getauft wurde, wohl nicht weiter ausüben. In der kommenden Woche steht ein Gespräch mit ARD-Sportchef Axel Balkausky an. „Selbstverständlich war das eine gute Erfahrung für mich. Ich wusste heute auch schon, welche Fragen Sie mir stellen“, sagte er mit einem Augenzwinkern bei seiner offiziellen Vorstellung am Dienstag.

"Wir sprechen im wahrsten Sinne des Wortes die gleiche Sprache“

Schnellstmöglich möchte Hitzlsperger ein kompetentes Team um sich scharen, um Trainer Markus Weinzierl bestmöglich zu unterstützen. Seine neue Aufgabe geht er trotz der bedrohlichen Tabellensituation mit Vorfreude an: „Wenn ich nicht mit Optimismus hier sitzen würde, wäre ich fehl am Platz“, sagte der 36-Jährige, der sich nach zwei Jahren im Nachwuchsbereich der Schwaben gut gerüstet sieht für die neue Aufgabe und künftig bei Spielen unten auf der Stuttgarter Trainerbank sitzen wird.

Am Mittwoch wird er die ersten Gespräche mit der Mannschaft führen. Der Ex-Profi will „in die Mannschaft reinhören“ und „für den Trainer da sein.“ Problemfelder – und davon offenbarte das Team in den vergangenen Wochen einige – will der 52-malige Nationalspieler direkt ansprechen. „So wie sich die Mannschaft am Sonntag in Düsseldorf präsentiert hat, können wir nicht weitermachen.“

Zu Trainer Markus Weinzierl besteht schon aus seiner Zeit als NLZ-Direktor ein gutes Verhältnis. „Der Draht zu Markus ist wirklich sehr, sehr gut. Wir sprechen im wahrsten Sinne des Wortes die gleiche Sprache“, meinte der gebürtige Münchner Hitzlsperger über den gebürtigen Straubinger Weinzierl.

Keine Jobgarantie für Markus Weinzierl

Das bisherige Wirken des Trainer wollte der neue Sportchef nicht bewerten: „Das Wichtigste ist, ihn jetzt im täglichen Arbeiten mit der Mannschaft kennenzulernen, um überhaupt ein Urteil fällen zu können.“ Eine Jobgarantie - etwa bis zum Saisonende - wollte er Weinzierl nicht aussprechen. „Ich kann gar keinen Zeitpunkt nennen. Ich werde alles tun, solange, wie ich spüre, dass es sinnvoll ist und das geht hoffentlich eine ganz lange Zeit.“ Das Unternehmen „Klassenverbleib“ sei keineswegs ein hoffnungsloses Unterfangen. „Wir haben gute Möglichkeiten, müssen aber anfangen, sie sehr schnell auszuschöpfen. Darauf konzentriere ich mich.“

Hitzlsperger weiß, dass er schnell liefern muss. Der VfB liegt derzeit mit nur 15 Punkten nach 21 Spielen auf dem Abstiegs-Relegationsrang. Der Vorsprung auf den Vorletzten, Hannover 96, beträgt einen Punkt. Der FC Augsburg als 15. liegt drei Zähler vor den Schwaben. Seine neue Aufgabe will er dennoch mit Optimismus und einem gesunden Selbstbewusstsein anpacken: „Wenn ich immer nur den Anspruch habe, eine ruhige Kugel zu schieben, dann würde ich es mir leicht machen – aber das will ich nicht. Ich habe genügend Erfahrungen gesammelt, um den nächsten Schritt zu gehen.“

Mit Hitzlsperger habe man „keinen klassischen Feuerwehrmann geholt, der den Verein auch langfristig entwickeln kann“, so Präsident Wolfgang Dietrich – und Hitzlsperger ergänzte mit einem breiten Grinsen: „Oder schaue ich aus wie ein Feuerwehrmann?“

Eine Nacht Bedenkzeit

Schon in den letzten Wochen habe man im Präsidium Gespräche über einen Wechsel von Michael Reschke zu Thomas Hitzlsperger geführt. „Bei der Aufsichtsratssitzung am Montagabend wurden mir dann ganz konkret die Fragen gestellt, ob ich mir das zutraue“, sagte Hitzlsperger, „und nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, war klar, dass ich mich der Herausforderung stelle.“ Das Ende der Zusammenarbeit mit Reschke habe der Aufsichtsrat einstimmig beschlossen, erklärte Dietrich. Diese Variante sei kein "plötzlicher Sinneswandel", sondern auch mit Reschke schon seit längerem besprochen worden.

Nach rund einer halben Stunde war Hitzlspergers erster Auftritt als neuer Sportchef der Schwaben beendet. Und während der Präsident auf direktem Weg aus dem PK-Raum marschierte, rückte Hitzlsperger noch die Stühle auf dem Podium zurecht. Der neue Sportvorstand will für Ordnung sorgen.


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