Neues zur Razzia im Rems-Murr-Kreis Ku-Klux-Klan-Gruppierung seit Jahren aktiv

Bei der Razzia vom 16. Januar sichergestellte Gegenstände. Foto: LKA Baden-Württemberg

Neuigkeiten zur Ku-Klux-Klan Razzia vom Januar, bei der auch eine Wohnung im Rems-Murr-Kreis durchsucht worden ist: Die „Nationalist Socialist Knights“ waren mindestens seit dem Sommer 2016 aktiv. Besonders gut organisiert war der Klan unter anderem in Baden-Württemberg.

Am 16. Januar wurden unter Leitung des baden-württembergischen LKA Razzien in acht Bundesländern durchgeführt. Die Ermittler fanden Hinweise auf eine Gruppe namens "Nationalist Socialist Knights of the Ku-Klux-Klan" (NSK KKK) und durchsuchten laut dem baden-württembergischen Innenministerium auch die Wohnung zweier Mitglieder im Rems-Murr-Kreis. Berichten zufolge soll es sich dabei um einen jungen Mann und eine junge Frau aus Fellbach handeln.

Aus einem Schreiben der Bundesregierung geht nun hervor: Der deutsche Ableger der rassistischen Kapuzenmänner aus den USA existierte bereits „mindestens seit dem Sommer 2016“. Das Dokument, das unserer Redaktion bereits vorliegt, ist eine Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Darin heißt es weiter: "Nach Kenntnis der Bundesregierung existierten in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg regionale Organisationsstrukturen der NSK KKK."

Gewaltfantasien und jede Menge Waffen

Wie gefährlich ist oder war die Gruppierung, die sich selbst als nationalsozialistischen Klan-Ableger bezeichnet? Das LKA sagt hierzu: „Teile der Gruppierung zeigen zumindest verbale Gewaltbereitschaft, planen sich zu bewaffnen und hegen Gewaltfantasien.“ Bei der Razzia im Januar wurden über 100 Waffen sichergestellt – Schreckschuss- und Druckluftwaffen, Schwerter und Macheten, sogar Wurfsterne. Die Bundesregierung hält dennoch eine "valide Aussage zum Gefährdungspotenzial" für "nicht möglich." Ob es zu Straftaten komme, hänge bei Ku-Klux-Klan-Mitgliedern vom Radikalisierungsgrad des Einzelnen ab.


Hier geht es zum Artikel: Der Ku-Klux-Klan in Fellbach?


Auch zur Vernetzung der NSK KKK zu etablierten Parteien finden sich zumindest Anhaltspunkte in dem Dokument. So soll ein Mitglied in der NPD aktiv gewesen sein, und ein weiteres im September an der rechtsextremistischen Demonstration der Republikaner in Köthen (Sachsen-Anhalt) teilgenommen haben.

Gibt es die Gruppierung noch?

Ein Verdächtiger aus Sachsen-Anhalt gab drei Tage nach der Razzia per Facebook die angebliche Auflösung der NSK KKK bekannt. Wahrscheinlich, um bei einem bevorstehenden Verfahren eine mildere Strafe zu erhalten. Wie ernst diese Erklärung zu nehmen ist, bleibt daher ebenso unklar wie die Frage, ob der Mann dabei im Auftrag der Mitglieder, oder auf eigene Faust handelte. Offiziell heißt es: "Die der Bundesregierung vorliegenden Informationen indizieren, dass die NSK KKK derzeit nicht mehr aktiv sind."

Die Webseite der NSK KKK ist allerdings noch online. "Die NSK sind pro NS", also für den Nationalsozialismus, wird dort unmissverständlich klar gemacht. Ansonsten: Bei Hetzern nichts Neues. Beiträge, die triefen vorm Hass gegen alles Fremde, der angeblich innigen Liebe fürs Vaterland und der eigenen "Ra$$e". Dazu Bilder mit Texten, die sich auch bei der Rhetorik Donald Trumps bedienen: "Make the German Empire great again" oder "Germany first" steht darauf zu lesen.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart, die im Fall der NSK KKK ermittelt, schweigt auch zu den neusten Entwicklungen. „Aufgrund der laufenden Ermittlungen erteilen wir über die veröffentlichte Pressemitteilung [vom Januar, Anm. d. Red.] hinaus derzeit keine Auskünfte“, teilte eine Pressesprecherin auf Nachfrage mit.


Wie viele Mitglieder hat(ten) die NSK KKK?

Die Razzia vom 16. Januar richtete sich laut LKA gegen 17 Beschuldigte im Alter von 17 bis 59 Jahren. Laut Bundesregierung hatten die NSK KKK "zuletzt [...] etwa vierzig Mitglieder".

Auf die Spur der mutmaßlichen Mitglieder des Klan-Ablegers kamen die Ermittler durch die Auswertung von Chatprotokollen eines beschlagnahmten Mobiltelefons.

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