Neufundländer-Treffen in Welzheim Menschenretter auf vier Pfoten

Welzheim. Jede Menge tierischer Wasserretter am Aichstrutsee. Neufundländerfreunde aus ganz Europa kamen am Wochenende nach Welzheim, um zu zeigen, was ihre großen, felligen Vierbeiner alles können. Am Übungstag kann keiner im Aichstrutsee untergehen. Es stehen einfach zu viele Wasserretter auf vier Pfoten am Ufer. 80 Stück, um genau zu sein.

Wo ist Dieter Leins, der Vorsitzende der Neufundänderfreunde Remstalgruppe? Im Wasser natürlich. Er lässt sich gerade von einem Neufundländer retten und ans Ufer ziehen. Am Pfingstsonntag ist Wasserarbeit angesagt. „Sie brauchen keine Angst haben, dass die Hunde das Wasser verschmutzen“, spricht Dieter Leins ins Mikrofon, denn mit der Remstalgruppe, die ihren Sitz in Welzheim hat, kommen auch schon die ersten Badegäste, während sich die Gäste auf dem benachbarten Zeltplatz in der Sonne bräunen. Im Wasser gehen die Hunde nämlich nicht aufs Klo, das ist ein Naturinstinkt. Wobei dennoch normalerweise Hunde nicht in den See dürfen. Für die Übungsarbeit hat der Verein deshalb eine Ausnahmegenehmigung bei der Stadt Welzheim beantragt und auch bekommen.

Neufundländertreffen als Beitrag zur Völkerverständigung

Herbert Kretschmer aus Winterbach (inzwischen verstorben) und Hervé Floch, Genfer Neufundländerclub (ebenfalls inzwischen verstorben), hatten einst zu Beginn der 80er Jahre die Idee, mit ihren Neufundländerhunden friedliche, wettkampffreie Treffen zum Überwinden der Feindschaft zu veranstalten. Beide hatten unter den Folgen des Zweiten. Weltkriegs gelitten und wollten dies nie wieder erleben.

Die ersten Treffen fanden nur zwischen der Winterbacher Gruppe und der Genfergruppe statt. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Gruppen aus ganz Europa dazu. Zu den Kernländern der Begegnung zählen Italien, Frankreich, die Schweiz, Großbritannien (ohne Hunde) und Deutschland. Spanien, Russland, Belgien, Polen und einmal Japan (ohne Hund) nehmen abwechselnd teil.

2015 war das letzte Treffen in Welzheim, danach war es in Pisa, dann in Rolle (Genfer See), dann in Seyssel, als Ersatz für Paris. Die Pariser Gruppe trägt die Begegnung nur alle acht Jahre in Torcy aus. 2020 ist Pisa angesagt, dann wieder Rolle und das 40. Treffen findet 2022 in Paris statt.

Die Teilnehmerzahl ist wechselhaft. „Wir hatten in Paris schon über 200 Neufundländer“, berichtet Dieter Leins aus Plüderhausen, der früher Schuleiter der Hofgarten-Grundschule in Welzheim war.

Immer weniger Familien wollen große Hunde halten

In Welzheim sind es in der Regel zwischen 80 und 120 Hunden. Die Zahl ist rückläufig, weil es immer weniger Familien gibt, die einen großen Hund möchten oder allgemein keine solche Aufgabe mehr übernehmen wollen. Eine große Schwierigkeit ist es für den Verein, einen Platz für die Wasserarbeit zu finden. Für fast alle Seen gilt ein Hundebadeverbot, und der Neckar ist zu verschmutzt und deshalb auch für Hunde nicht geeignet.

Begonnen hat das Treffen bereits am Samstagnachmittag. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Thomas Bernlöhr zeigen die Gäste mit ihren Hunden „Bodenarbeit“ - darunter Vorführungen, bei denen die Tiere Wagen ziehen. Das hat bei Neufundländern Tradition, denn in ihrer Heimat nahmen die Fischer die großen Hunde auf die Boote mit, beluden die mit Rädern versehenen Packboote und spannten die Tiere davor, um den Fang zur Verarbeitungshalle zu ziehen.

Mit fünf Monaten beginnt das Training

Üblicherweise beginnt das Training, sobald die Tiere fünf Monate alt sind, aber Menschen aus dem Wasser ziehen dürfen sie da noch nicht, denn ihr Milchgebiss ist zu scharf, und zu viel Gewicht könnte den Kiefer verformen. Danach aber sind sie als Rettungshunde unschlagbar, und trotz ihrer Größe und ihres beachtlichen Gewichtes (ein Rüde kann bis zu 75 Kilo wiegen) sehr verträgliche Zeitgenossen. Wenn sie aus dem Wasser kommen, heißt es Abstand halten, um trocken zu bleiben.

Und wie kam Dieter Leins auf den Hund? Weil die Familie früher eine Wohnung in einem Hochhaus bewohnte, war Hundehaltung nicht vorstellbar. Der Vater versprach aber seinem Sohn, dass ein Hund angeschafft wird, sobald das eigene Häusle steht. 1995 ist die Familie umgezogen, da wurde das Thema wieder aktuell. Regelmäßig machte die Familie Urlaub in Brest in der Bretagne am Atlantik. Dort lernte die Familie bei einer Vorführung mit Neufundländer-Hunden die Tiere kennen. „So ein Hund muss es sein“, sagte der Sohn und die Sache war entschieden. Und nicht nur der Sohn oder der Vater, nein, die ganze Familie hat den Vierbeiner ins Herz geschlossen und möchte ihn nicht mehr missen.

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