Neujahrsansprache in Waiblingen OB Hesky blickt auf 2018 zurück - und nach vorne

Der Oberbürgermeister beim Neujahrsempfang in Waiblingen. Foto: Habermann/ZVW

Waiblingen. Den Wunsch nach Begegnungen und nach Zusammenhalt in der Stadt hat Oberbürgermeister Andreas Hesky in seiner Neujahrsansprache in den Fokus gestellt. Der Spruch „Gemeinsam sind wir stärker“ sei keine Floskel, sondern habe Inhalt und Wert, sagte der Stadtchef mit Blick auf die derzeitige US-Politik und den drohenden Brexit. Für 2019 schwor der Oberbürgermeister die Waiblinger auf die anstehenden Kommunalwahlen ein. Die Bürger rief er dazu auf, zur Wahl zu gehen oder sich als Kandidaten zur Verfügung zu stellen.

„Es bleibt spannend, wie es weitergeht“, konstatierte der Oberbürgermeister bei seiner Rede im Bürgerzentrum. Der Brexit werde sich nicht auf die Städtepartnerschaft mit Devizes auswirken, wohl aber wirtschaftliche Folgen haben. Viele Waiblinger Unternehmen leisteten ihren Beitrag zu Deutschland als Exportweltmeister. Diese Unternehmen könne es nicht kalt lassen, wenn sich der europäische Binnenmarkt verändere. Fragen zum Zusammenhalt und Miteinander hat Hesky aber auch in der örtlichen Gemeinschaft wahrgenommen. Die Herausforderungen der vergangenen Jahre hätten Kraft gekostet. Die Flüchtlingswelle sei zwar mit Bravour gemeistert worden, dennoch habe sich etwas verändert. Mittlerweile reagiere mancher mit spürbarer Ungeduld auf die Erkenntnis, dass Menschen verschieden sind und diese Verschiedenheit nicht ablegen. „Das ist auch nicht weiter schlimm“, betonte Hesky. Unannehmbar werde es dann, wenn Grundwerte und Grundrechte nicht geachtet würden. Es gehe ihm nicht um Pünktlichkeit, Fleiß, Kehrwoche und Mülltrennung, stellte Hesky klar, sondern um die Gleichheit von Frau und Mann, die Unversehrtheit von Körper und Seele, Schutz des Eigentums und gegenseitigen Respekt. Meinungsfreiheit, Demokratie und das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit seien unabdingbar, sagte der Stadtchef, wobei er aber auch gleichzeitig klarstellte, dass Waiblingen eine sichere Stadt sei.

Die ganz großen Überraschungen? Die habe es 2018 zumindest auf den ersten Blick nicht gegeben, sagte der OB bei seinem Rückblick aufs vergangene Jahr. Auch Katastrophen seien glücklicherweise nicht zu verzeichnen gewesen, wobei der Brand beim Müllentsorger Alba die Feuerwehr enorm beansprucht habe. Für Schlagzeilen habe die Entwicklung auf dem Hess-Areal gesorgt. „Der Automobilhersteller bringt einen Teil des Entwicklungsprozesses nach Waiblingen“, erinnerte der Stadtchef. Der Prototypenbau solle von Waiblingen aus maßgeblich mitgestaltet werden. 260 Arbeitsplätze seien keine Selbstverständlichkeit, gerade angesichts der Veränderungen in der Automobilbranche. Aber auch auf die weiteren Impulse, die vom Hess-Areal ausgehen werden, verwies Hesky: die geplante Wasserstofftankstelle und Mobilitätskonzepte, die helfen, die Verkehrsbelastung durch die Neuaufsiedlungen zu reduzieren.

Hesky bedauert das Aus für Windkraft auf der Buocher Höhe

Ohnehin ist die Mobilität für Hesky eine der größten Herausforderungen. Er freue sich über die Begeisterung für Elektromobilität, hätte sich diese allerdings auch beim Ausbau regenerativer Energien vor Ort und vor allem bei der Windenergie gewünscht, betonte der bekennende Windkraftfreund. Bei der Windenergie sei wie bei der Elektromobilität noch nicht alles bis ins letzte Detail geklärt. Diese Hürden nähmen manche zum Anlass, um sich gegen sie zu stellen, bedauerte er. Die Energiewende bleibe aber eine der Herausforderungen, die bewältigt werden müssen. Die Regionalversammlung des Verbands Region Stuttgart habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass einige Windvorranggebiete, darunter das auf der Buocher Höhe, nicht möglich seien. „Das war keine Entscheidung von Waiblingen oder von mir, weder als OB noch als Regionalrat“, betonte er.

Eine Herausforderung bleibt in Waiblingen auch der Wohnungsbau. Hesky verwies auf die Arbeiten in Berg-Bürg, auf die auf dem Krankenhaus-Areal und an der Schorndorfer Straße, wo überall auch bezahlbare Mietwohnungen gebaut würden. Beim Thema Verkehr fehlt aus Sicht des Stadtchefs die Anbindung an die Autobahn. Kritikern, die durch den Nordostring mehr Verkehr befürchten, hielt er entgegen, dass aufgrund der Fahrverbote in Stuttgart schon jetzt mehr Verkehr zu erwarten sei.

Stichwort Internationale Bauausstellung 2027:

Ein Waiblinger Beitrag zur Internationalen Bauausstellung könnte laut Hesky das Hochhaus auf der Korber Höhe werden, aber auch der Erweiterungsbau des Landratsamtes auf dem heutigen Parkdeck sei ein mögliches IBA-Projekt. Gebaut wird schon jetzt, nämlich für die Gartenschau, die das Jahr mit vielen Veranstaltungen wie die Opernwerkstatt im September prägen werde. Ein Thema wird die Neugestaltung der Neustädter Mitte sein, zu der sich die Neustädter eindrucksvoll bekannt hätten. Ein anderes die fortschreitende Digitalisierung in der Stadt. Anlässlich der anstehenden Kommunalwahlen rief Hesky dazu auf, zur Wahl zu gehen und sich auch als Kandidatin oder Kandidat zur Verfügung zu stellen.

Auch wenn sich die meisten über die großen Herausforderungen einig sind: Um Probleme wie den Wohnungsbau, eine bessere Mobilität und die Sicherung von Arbeitsplätzen meistern zu können, wird es nach Meinung Heskys 2019 nicht reichen, nach Mehrheiten und der nächsten Wahl zu schielen. Vielmehr werde man für seine Sache einstehen und für sie werben müssen. „Lassen Sie uns offen miteinander umgehen, die Aufgaben, die Themen ansprechen, Lösungsmöglichkeiten suchen und dann diejenigen den Menschen vermitteln, die machbar sind und unsere Stadt voranbringen“, warb der Oberbürgermeister. Dies solle weiter die Basis sein für alle Entscheidungen und Vorhaben im Jahr 2019.


Rahmenprogramm

Dass Kernen sich mit der Hangweide für die Internationale Bauausstellung 2027 (IBA) bewerben würde, ist kein Geheimnis. Beim Neujahrsempfang hat der Bürgermeister dem Schweizer IBA-Intendanten Andreas Hofer nun offiziell die Bewerbung übergeben. Hofer hatte dem Publikum vorgestellt, wie ein „Modellquartier mit Vorbildcharakter“ (Altenberger) aussehen könnte, und Optionen im Kampf gegen den Wohnungsdruck in Ballungsräumen aufgezeigt.

Für Lacher sorgte Ernst Mantel mit einer Kabarett-Einlage, der Musikverein Rommelshausen sorgte für die musikalische Umrahmung und auch die Sternsinger statteten dem Neujahrsempfang einen Besuch ab – und wurden von der Gemeinde mit einer Spende in Höhe von 1000 Euro überrascht. Außerdem gab der Gartenschau-Planer Wolf Grünenwald einen Ausblick.

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