NSU-Prozess Mysteriöser Nürnberger Anschlag

Beate Zschäpe betritt den Gerichtssaal in München am Dienstag (18. Juni). Foto: AP

Nürnberg - Der Rohrbomben-Anschlag von 1999 auf eine Nürnberger Kneipe soll Beate Zschäpe zur Last gelegt werden. Der Generalbundesanwalt hat gegen die mutmaßliche NSU-Terroristin Ende letzte Woche Ermittlungen eingeleitet. Es bestehe ein „Anfangsverdacht“ wegen versuchten Mordes, bestätigte Marcus Köhler, der Sprecher der Bundesanwaltschaft, am Dienstag.

Die als Taschenlampe getarnte Rohrbombe explodierte am 23. Juni 1999 in der damaligen Kneipe „Sunshine“ an der Scheuerl­straße. Eine Reinigungskraft hatte das mit Kunststoff ummantelte Rohr unter einem Waschbecken gefunden. Als der Putzmann die Taschenlampe einschaltete, löste er damit die Explosion aus. Der 18-Jährige kam mit leichten Verletzungen davon. Der damalige Pächter des „Sunshine“ war ein Türke.

Deutliche Parallelen bei den Sprengfallen

In der vergangenen Woche beschuldigte der vor dem Münchener Oberlandesgericht mit Zschäpe zusammen angeklagte Carsten S. die beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, bereits um die Jahrtausendwende herum einen Anschlag in Nürnberg begangen zu haben. Die Polizei hatte seinerzeit ebenso wenig wie das Bayerische Landeskriminalamt (BLKA) einen politischen Hintergrund erkannt.

Bei der jetzt ins Spiel gekommenen Nürnberger Rohrbombe sehen die Ermittler inzwischen sehr deutliche Parallelen zu der Sprengfalle in einem Kölner Lebensmittelgeschäft. Bei diesem Anschlag am 19. Januar 2001 war die Tochter des Ladeninhabers schwer verletzt worden. Auch diese Tat wird dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ um Böhnhardt und Mundlos zugeordnet.

Bei der Taschenlampen-Bombe in Nürnberg handelt es sich um ein 13,5 mal zwei Zentimeter großes Rohr, das mit Sprengstoff gefüllt war. Das BLKA hatte 1999 das Rohr als Korpus einer Stabtaschenlampe beschrieben. Bei der Explosion sei das Rohr nicht geplatzt, weil eines der beiden Enden offenbar unzureichend verschraubt gewesen sei, vermuteten Ermittler im Gespräch mit unserer Zeitung. Deshalb habe der Explosionsdruck über dieses Rohrende entweichen können.

Auch der Nürnberger Fall wurde dem Drogenmilieu zugeordnet

Teile dieser Bombe werden noch beim BLKA aufbewahrt. Sie sollen nun von Experten des Bundeskriminalamtes untersucht werden. Zudem sollen Experten die Überreste in ihrem Wiesbadener Speziallabor auf die genetische Spuren sowie die Fingerabdrücke von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe untersuchen.

Die Nürnberger Kriminalpolizei hatte nach dem Anschlag auf das Lokal in der Südstadt 1999 ermittelt. Weil sowohl der Besitzer des „Sunshine“ als auch sein Putzmann in der Vergangenheit durch Drogendelikte aufgefallen seien, ordneten die Ermittler den Anschlag seinerzeit dem Drogenmilieu zu. Ähnlich verfuhren die Fahnder auch bei ihren Recherchen zu neun der zehn Morde, die dem NSU zur Last gelegt werden.

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