Paketflut zu Weihnachten Wie umweltverträglich ist Online-Shoppen?

Schnell und bequem - aber auch umweltverträglich? Online-Shopping wird auf jeden Fall immer beliebter Foto: Pixabay

Der Einkauf im Netz ist so beliebt wie nie. Nicht nur zur Weihnachtszeit, aber da ganz besonders. Die Paketzusteller rechnen dieses Jahr mit Rekordmengen an Sendungen. Was macht das mit der Öko-Bilanz? Wie umweltfreundlich oder -schädlich ist das virtuelle Weihnachtsshoppen?

Großzügige Retouremöglichkeiten, geschenkte Versandkosten, Ratenzahlungen, Rabattschlachten - wer online kein Schnäppchen macht, ist selber schuld. Nicht nur, aber gerade zur Weihnachtszeit ist der Einkaufsbummel auf der heimischen Couch oft verlockender als die Geschenkejagd in den lichterkettengeschmückten, aber hoffnungslos zugeparkten Innenstädten.

Und die Paketzusteller machen sich schon bereit. Weihnachten herrscht Hochkonjunktur und dieses Jahr werden Rekordzahlen erwartet. Allein Marktführer DHL rechnet mit über 11 Millionen Paketsendungen pro Tag. Um diesen Massen Herr zu werden, müssen die Zusteller selber zu Masse greifen. Aushilfskräfte müssen anpacken, zusätzliche Fahrzeuge im Einsatz sein. Allein die Post wird nach Angaben der Deutschen Presseagentur mehr als 12000 weitere Fahrzeuge bereitstellen, Hermes nochmal 4000, von DPD sollen auch mehr als 2000 zusätzliche Transporter über die Straßen rollen.

Je mehr Pakete, desto mehr Transporte

Je mehr Pakete, desto mehr gelbe, blaue oder braune Transporter sind unterwegs. Nicht nur zu Weihnachten. 2017 wurden rund 3,4 Milliarden Sendungen durch Kurier-, Express und Paketdienste transportiert. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Die Post rechnet bis 2020 jährlich mit einem Anstieg der Paketmengen von fünf bis sieben Prozent. Denn Online-Shopping boomt. 47 Millionen Deutsche kauften 2017 im Netz ein. Diese Zahl soll geschätzt bis zum Jahr 2022 auf 54,25 Millionen steigen.

Gut oder schlecht für die Umwelt?

Angesichts dieser Massen stellen sich viele die Frage, ob das Einkaufen via Internet eher gut oder schlecht für die Umwelt ist. Online-Händler verweisen gerne auf Studien, die dem virtuellen Shopping Umweltvorteile bescheinigen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) hält dagegen, dass pauschale Aussagen schwer zu treffen seien, zu viele Faktoren prägen den individuellen ökologischen Fußabdruck. Wer öfter mit dem eigenen Auto für einzelne Besorgungen in die Stadt fährt, könnte die Umwelt tatsächlich durch eine Online-Bestellung entlasten. Anders sieht es aus, wenn man zum Einkaufen Bus oder Bahn nutzt. Und wer zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, lässt Paketzusteller in der Öko-Bilanz alt aussehen.

Auch das Fahrzeug, mit dem man unterwegs ist, wie oft man zum Shoppen fährt, ob man Einkäufe bündelt oder nicht, die Einwohnerdichte des Ortes bis hin zur Online-Kauflaune der Nachbarschaft sollten berücksichtigt werden. Der Stinkediesel sollte möglichst wenig bewegt werden, das Elektroauto dürfte öfter ran. In einem bestellfreudigen Mehrfamilienhaus kommt der Paketzusteller ohnehin zu Besuch. Muss der Transporter durch die menschenleere Heide brausen, um ein einzelnes Paket auszuliefern, wird der Energieaufwand um ein Vielfaches größer. 

Tipps für den klimafreundlichen Online-Einkauf

Für alle Online-Shopper, die jetzt ein schlechtes Gewissen plagen sollte, gibt der BUND ein paar Tipps für den nächsten Shopping-Trip:

Oberste Priorität: Umsichtig Einkäufe planen und bündeln, nicht jedes Geschenk einzeln bestellen, sondern lieber die Sammelbestellung für Onkel Rudi und Tante Gerda mit aufgeben. Das spart nicht nur Transportwege, sondern oft auch Verpackungsmüll. Generell gilt: Nichts online kaufen, was man in der Nähe bekommen kann. 

So schön es auch ist, sich die Klamotten schicken zu lassen, dann im Schlafzimmer anzuprobieren anstatt in den brutal ausgeleuchteten Umkleidekabinen der Bekleidungsgeschäfte, und bei Nichtgefallen einfach wieder zurück zu schicken - Retouren bitte möglichst vermeiden. Im Online-Handel gehen bei Kleidungskäufen rund 40 Prozent aller Bestellungen wieder zurück. Zum Vergleich: der stationäre Handel hat eine Rücklaufquote von nur acht Prozent. Dann doch lieber vor Ort Schuhe und Kleidung anprobieren. Und wer erst die Läden in der Stadt ab für den Preisvergleich abklappert, um das gewünschte Produkt dann online zu bestellen, belastet nicht nur doppelt die Umwelt, sondern auch die Einzelhändler. Die sehen dann zwar jede Menge Kunden im Laden, die sie eventuell sogar beraten haben, aber leider nicht die Früchte ihrer Mühe.

Um erneute Anfahrten oder gar die Abholungen in der Filiale zu vermeinden, lieber daheim sein, wenn der Paketbote kommt. Man kann sich auch mit Nachbarn absprechen, die das Paket in Empfang nehmen können. Wichtig ist, der Ablieferort sollte vermerkt sein, wo der Paketzusteller es sehen kann. Viele Zusteller bieten auch an, online einen solchen zu vereinbaren. Ob dieser dann auch vom Lieferanten eingehalten wird, ist natürlich eine andere Frage.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Ein Vorteil des Online-Shoppings aber ist zweifellos: Man kann sich neue Freunde machen.

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