Pendler aus Endersbach Von der S-Bahn überzeugt

Jens Kaubisch (45) aus Endersbach. Foto: Palmizi / ZVW

Weinstadt-Endersbach. Ein Mensch, zwei Koffer, vier belegte Sitzplätze: Das beobachtet Jens Kaubisch in der S-Bahn öfter – und jedes Mal ärgert es den Pendler aus Endersbach aufs Neue. Der 45-Jährige fährt regelmäßig nach Stuttgart, wo er für die Deutsche Bahn arbeitet. Nach seiner Einschätzung ist die S-Bahn pünktlicher als gedacht.

Er ist Bahnkunde und Bahnmitarbeiter zugleich: Jens Kaubisch kennt beide Seiten – und naturgemäß fallen dann einseitige Urteile schwerer. Der 45-Jährige weiß, dass bei der Bahn nicht alles rund läuft – aber Pauschalurteile sind nicht seine Sache. Nehmen wir mal das Thema Durchsagen: Immer wieder beklagen sich Pendler darüber, dass sie viel zu lange im Ungewissen gelassen werden, wenn die S-Bahn mal wieder stehen bleibt. Jens Kaubisch fährt selbst regelmäßig von Endersbach nach Stuttgart. Er weiß, dass gerade in Waiblingen S-Bahnen öfter mal einen Eilzug durchlassen und deshalb warten müssen. Hier hat er es selbst schon erlebt, dass der Lokführer auf eine Durchsage verzichtet hat – aber eben nicht generell. „Das ist tagesformabhängig.“ Allgemein, findet Jens Kaubisch, ist die Bahn besser, als ihre Kritiker behaupten – und braucht den Vergleich mit Auto oder Rad nicht zu scheuen. Jens Kaubisch hat aber durchaus Verständnis für die Kundenseite – und auch deshalb engagiert er sich seit 2016 im Fahrgastbeirat des Landes Baden-Württemberg, den der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann im April 2012 gründete.

„Im Sommer ist es nicht so voll wie im Winter“

Der Bahnmitarbeiter weiß, dass es als Pendler mitten im Berufsverkehr in der S-Bahn schwierig ist, einen Sitzplatz zu ergattern, wenn man nicht gerade an einer der ersten Haltestellen einsteigt. Wenn er in Endersbach um 6.17 Uhr die S 2 Richtung Stuttgart nimmt, dann hat Jens Kaubisch laut eigenem Bekunden nie ein Problem – „aber so um 7 Uhr wird es schwieriger“. Das heißt freilich nicht, dass es aussichtslos ist – „und im Sommer ist es nicht so voll wie im Winter“. Für Jens Kaubisch ist die S-Bahn immer die erste Wahl. Mit dem Rad zur Arbeit zu fahren ist ihm zu aufwendig. Und das Auto kommt auch nicht infrage, denn Jens Kaubisch besitzt keines. Falls er mal privat mit einem Wagen unterwegs sein will, nutzt er Carsharing bei Stadtmobil, einem Anbieter, der auch in Weinstadt mit einigen Fahrzeugen präsent ist. „Den Führerschein habe ich auch erst 2013 gemacht.“ Dazu kommt ein finanzieller Vorteil beim S-Bahn-Fahren: Als Mitarbeiter der Deutschen Bahn muss Jens Kaubisch keinen Cent für seine Fahrt zum Arbeitsplatz in Stuttgart zahlen.

Den 45-Jährigen stören egoistische Fahrgäste

Wenn den 45-Jährigen eines stört, dann sind es egoistische Fahrgäste, die auf dem Weg zum Flughafen mit ihren Koffern mehrere Sitzplätze blockieren und vor allem in der Urlaubssaison im Sommer anzutreffen sind. Dabei gehört Jens Kaubisch nicht zu denen, die in so einem Fall einfach nur meckern. „Ich helfe den Leuten und hebe alles in die Gepäckablage oben rein.“ Wenn er einen Verbesserungsvorschlag machen dürfte, würde er in Stuttgart jede Linie farblich einheitlich markieren – und zwar am Bahnsteig, an der Anzeigetafel und im Zug selbst. Gerade auswärtigen Fahrgästen würde so das Leben leichter gemacht werden. „In München funktioniert das zum Beispiel.“

Bei Streckensperrungen hat Jens Kaubisch die Erfahrung gemacht, dass geplante Sperrungen deutlich reibungsloser ablaufen als solche, die sich durch plötzlich auftretende Störungen ergeben. Dass sich die S-Bahn ständig nur verspätet, kann er indes nicht bestätigen – nicht mal in der kritischen Phase im Berufsverkehr. „Ich bin schon nachmittags um 5 Uhr auf die Minute pünktlich S-Bahn gefahren.“


Für gute Löhne

Dass Landkreise und Bundesländer bei der Ausschreibung von Bus- und Bahnlinien verstärkt Aufträge an Firmen vergeben, die ihre Angestellten unter Tarif bezahlen, stört Jens Kaubisch sehr. Er ist davon zwar nicht selbst betroffen, hat aber als aktives Mitglied der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die im Deutschen Gewerkschaftsbund organisiert ist, eine klare Meinung. „Mir persönlich geht das mit den Ausschreibungen an die Nieren.“ Gerade bei den Bussen sei bei den Kosten alles auf Kante genäht.

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