Pflegesituation in Kernen Das Haus Edelberg steht auf der Kippe

In Kernen bleibt die Pflegesituation ungewiss – wie in vielen anderen Orten auch. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Kernen. Die Frage, wie die Pflegesituation in Kernen zukünftig aussehen kann, hat rund 350 Besucher ins Bürgerhaus gelockt. Am Dienstagabend warfen die Bürger unter anderem die Frage nach einem neuen Betreiber des Seniorenzentrums Haus Edelberg in den Raum. Vorwürfe gegen die Gemeinde, in den vergangenen Jahren nicht auf die sich verschärfende Pflegesituation reagiert zu haben, wurden laut.

Das Haus Edelberg steht auf der Kippe. Bereits vor zehn Jahren war die Landesheimbauverordnung in Kraft getreten, mit einer Umsetzungsfrist bis zum 1. September dieses Jahres. Die Verordnung sieht vor, dass es in Pflegeheimen keine Doppelzimmer, sondern nur noch Einzelzimmer gibt. Somit fallen Pflegeplätze weg. Noch immer gibt es 44 Doppelzimmer im Haus Edelberg.

Vorwurf an die Gemeinde: Zehn Jahre lang nichts getan

Einer der 150 Wohnungseigentümer im Seniorenzentrum wirft der Gemeinde deshalb vor, zehn Jahre lang nichts unternommen zu haben. „Den Vorwurf, dass wir nichts gemacht hätten, finde ich unverfroren“, sagt dagegen Bürgermeister Stefan Altenberger. Schließlich stehe die Gemeinde bereits seit einigen Jahren in Verhandlungen mit der Diakonie um ein neues Pflegeheim. So einfach sei das nicht, unterstützt ihn ein ehemaliger Diakonie-Mitarbeiter.

Auch er habe in der Pflege gearbeitet, als das Gesetz in Kraft getreten war. Erst im Jahr 2015 sind sogenannte ermessenslenkende Richtlinien, also Kriterien zur Anwendung des Gesetzes, von der Landesregierung erarbeitet worden. „Vorher gab es keine Antworten“, berichtet er. Weil die Gemeinde die Bürger damals ermutigt habe, Zimmer im Pflegeheim zu kaufen, fordert er nun, dass ein Kümmerer eingesetzt wird.

Wolfgang Riethmüller, Sprecher des Verwaltungsbeirats der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) des Hauses Edelberg, versteht den Frust seines Mitstreiters: „Wir haben investiert, für unsere älteren Mitbürger und für uns.“ Doch wenn es weniger Plätze gibt, werden die Miete und somit die Erträge der Wohnungseigentümer weniger. Die Betreiberfirma Orpea plant, ein weiteres Heim neben das Haus Edelberg zu bauen. „Wir wollen in Kernen bleiben“, versichert Ian Biglands, der bei Orpea für die Immobilien zuständig ist.

Das will auch Wolfgang Riethmüller: „Ich hoffe, dass wir alle dem Konzept zustimmen, ein großes Heim in zwei Einheiten zu haben“, sagt er. Der Mietvertrag mit dem französischen Pflegekonzern läuft noch bis September 2020, bis dahin hat das Heim eine Fristverlängerung bekommen.

„Betreutes Wohnen und Pflegeheime passen sehr gut zusammen“

Damit die Landesheimbauverordnung eingehalten wird, plant Orpea, in den kommenden drei Jahren – wenn der Vertrag verlängert wird – 24 Plätze pro Jahr abzubauen. Die Verordnung sieht neben der Einzelzimmer-Pflicht außerdem vor, dass die Heime nicht mehr als 100 Plätze anbieten und sie wohnortnah vergeben werden. Momentan hat das Haus Edelberg 160 Pflegeplätze. In den kommenden Jahren müsse ein Aufnahmestopp verhängt werden. Da könne das neue Heim mit 75 Plätzen ansetzen, sagt Biglands. Orpea plane eine Einrichtung mit neuen Konzepten für die Zukunft, sagt er.

In Kombination mit dem Haus Edelberg spricht er von einem „Campus-Pflegeheimkonzept“. Geplant seien Wohngruppen, unter anderem eine für Menschen mit Demenz, eine Dachterrasse, ein ambulanter Dienst und 25 Wohnungen für betreutes Wohnen. „Betreutes Wohnen und Pflegeheime passen sehr gut zusammen“, sagt Biglands.

Die Frage nach einem anderen Betreiber kommt auf – bei Bürgern und Gemeinderäten. Michael Burger von der Offenen Grünen Liste schlägt das Wohlfahrtswerk vor, das das Haus am Kappelberg betreibt. Es seien Gespräche geführt worden, die aber zu nichts geführt hätten, berichtet Bürgermeister Stefan Altenberger. Das momentane Problem würde dadurch ohnehin nicht gelöst werden, denn der neue Heimbetreiber würde keine Fristverlängerung genehmigt bekommen. Er müsste das Haus Edelberg schließen, die Bewohner müssten ausziehen. Dann müsste er es umbauen und wieder eröffnen, so der Bürgermeister.

Damit es nicht nur in Rommelshausen ein Pflegeheim gibt, sondern auch in Stetten, steht schon seit einigen Jahren die Überlegung im Raum, auf der Ponywiese an der Frauenländerstraße ein Haus zu bauen. Die Fläche gehört der Diakonie Stetten. „Die Diakonie könnte von heute auf morgen dort bauen“, sagt Altenberger. Bevor die Verhandlungen über die Hangweide abgeschlossen waren, habe sie nicht über Möglichkeiten auf der Ponywiese sprechen wollen.

Stattdessen habe die Diakonie der Gemeinde angeboten, in Altanlagen betreutes Wohnen anzubieten oder die Räume zur Verfügung zu stellen. „Das reicht uns nicht“, sagt Altenberger. Nun, da die Verhandlungen über die Hangweide abgeschlossen sind, wird die Pflege in Stetten wieder Thema: Im September ist ein Termin angesetzt.


Das sagt die Diakonie Stetten

Die Diakonie Stetten stelle sich bei diesem Thema nicht quer, teilte der Pressesprecher der Diakonie Stetten auf Nachfrage mit. Sie sei bereit, sich an Überlegungen zur Ponywiese oder zur Verbesserung der Situation für pflegebedürftige Senioren zu beteiligen. Beim Bau oder mit dem Betrieb eines Pflegeheims befürchtet die Diakonie aber, Pflegeplätze aufgrund von benachbarter Einrichtungen nicht belegen zu können. Außerdem sei Pflegefachpersonal schwer zu finden.

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