Pfleiderer-Areal Schorndorf Um die Zahl der Wohnungen wird noch gerungen

So sehen der Projektentwickler Bonava und Architekt Jochen Geiss das künftige Wohnen auf dem Pfleiderer-Areal. Foto: Visualisierung: Bonava

Schorndorf. Mit dem Vorhaben, auf dem von ihr als Bismarck-Quartier titulierten Pfleiderer-Areal 140 Wohnungen zu realisieren, ist der Bauträger Bonava ins Bebauungsplanverfahren „Otter- und Vettergesäss“ gestartet. Nicht zuletzt Bedenken der Anwohner und Einwände des Gestaltungsbeirats haben zu einer Reduzierung um zehn Wohnungen geführt. Im Technischen Ausschuss hat sich jetzt angedeutet, dass das einer Mehrheit im Gemeinderat, der am 6. Februar über die Auslegung des Bebauungsplans entscheidet, womöglich noch nicht genug sein könnte.

Es geht um die Frage, wie dicht die auf diesem rund 8100 Quadratmeter großen und nördlich der Bahnlinie an der Olga- und Bismarckstraße gelegenen Areal gewollte und sich nicht zuletzt auch in der Gebäudehöhe auswirkende Nachverdichtung tatsächlich sein soll. CDU-Stadtrat Manfred Bantel macht sich bei der Vorberatung im Technischen Ausschuss zum Anführer derer, die beim Maß der baulichen Nutzung weitere Abstriche machen wollen. Er machte seine Kritik an einer seiner Meinung nach zu hohen Geschossflächenzahl von 1,4 fest. Diese gibt an, wie viel Quadratmeter Geschossfläche je Quadratmeter Grundstücksfläche zulässig sind.

Unter Berufung auf die Baunutzungsverordnung forderte er für dieses allgemeine Wohngebiet, in das das seitherige eingeschränkte Gewerbegebiet umgewandelt werden soll, eine Reduzierung der Geschossflächenzahl auf 1,2. Am Schluss gingen die Meinungen darüber auseinander, was das faktisch bedeutet. Denn während der Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Baurecht, Manfred Beier, die Differenz von 1,4 auf 1,2 auf 1200 Quadratmeter Wohnfläche bezifferte und bei dieser Berechnung von Stadtbau-Geschäftsführer Martin Schmidt unterstützt wurde („Das ist ganz normaler Dreisatz“), lief die Berechnung von Bantel auf ein Minus von lediglich 300 bis 400 Quadratmeter hinaus.

Klaus Dobler positioniert sich gegen seine(n) Fraktionskollegen

Was nicht nur Manfred Bantels Fraktionskollegen Matthias Härer ins Schleudern brachte. „Ich könnte mit einer Begrenzung auf 1,2 leben, wenn es um fünf Wohnungen ginge, aber wenn zehn bis 15 Wohnungen wegfallen, sieht’s anders aus“, sagte Härer. Dessen Fraktion befindet sich aber allem Anschein nach auch in einem grundsätzlichen Dilemma.

Denn: CDU-Fraktionschef Hermann Beutel sprach einerseits von einer gelungenen Planung, die mit ihrer – nicht zuletzt den Einwendungen des Gestaltungsbeirats geschuldeten – offenen und von allen Seiten her durchlässigen Konzeption auch den Anwohnern ein Stück Lebensqualität biete, und andererseits gleichwohl seine Sympathie für eine weitere Reduzierung der Wohnungszahl bekundete. Andererseits machte Klaus Dobler keinen Hehl daraus, dass er den Vorstoß seines Fraktionskollegen nicht für unterstützenswert hält. Er halte es „für befremdlich, das ganze Planwerk noch einmal aufschnüren zu wollen“, weil es nämlich tatsächlich auf jede einzelne Wohnung ankomme, sagte der CDU-Stadtrat ganz im Sinne von Manfred Beier, der zuvor schon gemahnt hatte: „Überlegen Sie genau, was Sie tun!“

SPD noch unentschlossen, Grüne gegen einen „Präzedenzfall“

Bezogen war dies sowohl auf die in Richtung Abspecken gehende Haltung der Grünen als auch auf die noch ziemlich wachsweiche Erklärung von SPD-Stadtrat Marcel Kühnert. Der sprach mit Blick auf die Entscheidung über die bauliche Dichte von einer fraktionsintern noch abzustimmenden „politischen Entscheidung“ und gab salomonisch zu bedenken: „Wir bauen nicht nur für die Anwohner, die dort schon wohnen, sondern auch für die, die dort noch nicht wohnen.“

„Wir wollen aber das Optimale herausholen“, begründete Grünen-Fraktionschefin Andrea Sieber, weshalb sie trotz der Überzeugung, dass die Planung nach dreimaliger Beratung im Gestaltungsbeirat auf einem guten Weg ist, für eine Reduzierung der Geschossflächenzahl auf 1,2 ist: „Das würde Vertrauen schaffen.“ Siebers Fraktionskollege Andreas Schneider warnte im Hinblick darauf, dass sich in diesem Viertel in den nächsten zehn bis 15 Jahren noch viel ändern werde – für die Internationale Bauausstellung 2027 in der Region ist ein Modellprojekt „Vorstadt“ geplant –, davor, „einen Präzedenzfall in Bezug auf Höhe und Dichte zu schaffen“, und zwar aus optischen und sozialen Gründen.

Klopfer mahnt die Verlässlichkeit des Gemeinderats an

„Ich sehe die bevorstehenden Kommunalwahlen und ich sehe schon, worauf das hinausläuft: auf einen Kompromiss, den ich ausdrücklich nicht befürworte“, sagte – durchaus etwas provozierend – Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Für ihn hat die Haltung des Gemeinderats zu diesem Bebauungsplan auch „etwas mit Verlässlichkeit zu tun“. Ganz davon abgesehen, dass sich eine Reduzierung der Gesamtwohnungszahl auch auf die Umsetzung des Wohnraumversorgungskonzeptes auswirken würde:  Demzufolge sollen mindestens 20 Prozent der Wohnungen als geförderter Wohnraum vermietet beziehungsweise - durch eine 30-prozentige Reduzierung des Bodenwertanteils - als preislich vergünstigte Eigentumswohnungen auf den Markt kommen .

„Natürlich entscheidet sich die Wohnraumversorgung in Schorndorf nicht an 300 oder 400 Quadratmeter mehr, aber wir sind gut beraten, ein hochprofessioneller Partner zu sein“, sagte Klopfer und appellierte an die Räte: „Wenn ein Weg besprochen und beschritten ist, sollte man ihn auch konsequent zu Ende gehen.“

Nickel weiß, was er tun würde, wenn er Bauträger wäre

Zuvor hatte bereits FDP/FW-Fraktionschef Gerhard Nickel dem Oberbürgermeister aus dem Herzen gesprochen, indem er die Planung als „genau das, was wir wollen und brauchen“, bezeichnet hatte. Außerdem hatte er bekundet, er habe „das Gefühl, dass manche Diskussion in der Gesellschaft im Gemeinderat noch gar nicht angekommen ist“ – in diesem Fall die Diskussion darüber, wie möglichst schnell möglichst viel neuer Wohnraum geschaffen werden kann. Und das auf einer Industriebrache, „die hässlich isch wie d’ Sau“.

Die dem Gemeinderat jetzt vorliegende Planung sehe ganz anders aus als das, was zunächst vorgelegt worden sei, meinte Nickel, der nur andeutete, welche Konsequenzen er aus dieser Ausschussdiskussion ziehen würde, wenn er Bauträger wäre.

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