Plan im Gemeinderat beschlossen So soll die alte B14 in Winnenden umgebaut werden

Baumlos, grau und kahl: So, wie die Ring- und Waiblinger Straße jetzt aussieht, wird sie nicht bleiben. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Winnenden. Die Waiblinger Straße muss anders werden. Seit zehn Jahren gilt dieses Ziel, und jetzt weiß die Stadt, was sie will. Verkehrsplaner Karajan hat diese Woche einen detaillierten Plan vorgelegt für den ganzen Straßenzug von der Rewe-Kreuzung bis zur Leutenbacher Straße. Den hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen – wohl wissend, dass noch wichtige Fragen geklärt werden müssen.

Fußgänger dürfen sich freuen. Für sie wird der ganze Straßenzug gemütlicher. Mehr Platz auf den Bürgersteigen bekommen sie und mehr Grün, weil über mehr als einen Kilometer hinweg an beiden Straßenrändern Bäume gepflanzt werden sollen. Die Euphorie hat allerdings Grenzen: Die Hoffnung, dass deutlich weniger Autos durch die Stadt führen, wird nicht erfüllt. Im Lauf der Gemeinderatsdebatte stellte sich nach mehreren direkten Nachfragen von FDP-Stadtrat Robin Benz heraus, dass es niemand schafft, die Autos ganz von der alten B-14-Ortsdurchfahrt abzudrängen, weil dies die Ausweichstraßen einfach nicht verkraften würden. Planer Jürgen Karajan erklärte definitiv, dass die Kapazität der Karl-Krämer-Straße und der Hufeisen-Kreuzung dafür nicht ausreichen. Die Fußgänger werden also weiterhin Ampeln brauchen, um sicher über die Fahrbahnen zu kommen, und sie werden zusätzlich Mittelinseln bekommen, sofern sie noch nicht vorhanden sind.

Für Radler Schutzstreifen auf beiden Straßenseiten

Radler bekommen eine Verbesserung: Von der Leutenbacher Straße bis zum Rewe werden für sie Schutzstreifen eingerichtet, womit eine ganz neue Radwegverbindung quer durch die Stadt entsteht. Einzige Unterbrechung wird am Kronenplatz sein, weil dort Autos sowieso langsamer fahren sollen und mehr Fußgänger queren werden.

Autofahrer werden merken, dass Tempo nicht auf diese Strecke passt

Für Autofahrer wird die neue Straßengestaltung attraktiv, wenn sie ein gemütliches Tempo mögen. Ansonsten gilt für sie, dass sie am besten über die Karl-Krämer-Straße oder noch besser gleich über die B 14 oder die Südumgehung die Stadt weiträumig umfahren. Auf der ganzen Strecke werden Autofahrer merken, dass Tempo nicht passt. Ihre Fahrbahn wird enger. Zwei Blitzer werden aufgestellt. Stadtrat Hans Ilg (FWV) empfahl gleich in der Sitzung, die Blitzer kurz hintereinander aufzustellen, ähnlich wie in Stuttgart an der B 14, so dass sie auch wirken und die Autos wirklich langsamer fahren.

Stadträte überlegen: Tempo 30 für die Waiblinger Straße festlegen?

Noch nicht einig sind sich die Stadträte, wie schnell eigentlich auf den Strecken außerhalb des Kronenplatzes gefahren werden soll: 50 Stundenkilometer? 40? Oder 30? Die ALi-Fraktion hat Tempo 30 beantragt. Gemeinderäte diskutierten das sehr offen. 50 Stundenkilometer schlägt Verkehrsplaner Jürgen Karajan vor. OB Holzwarth sicherte zu, dass die Vorschläge Tempo 30 und Tempo 40 geprüft und dann erneut im Gemeinderat diskutiert werden.

Die neue Form der Straßen und Gehwege wird sehr teuer

Sorgen machen einigen Gemeinderäten die Gesamtkosten der Umgestaltung. 8,2 Millionen Euro hat das Büro Karajan ausgerechnet. CDU-Stadtrat Thomas Traub sagt: „Die Kosten sind der Wermutstropfen.“ Vielleicht könne man in Abschnitten bauen, vielleicht müsse man nicht alles verwirklichen. Stadtrat und CDU-Landtagsabgeordneter Siegfried Lorek kündigt an, dass es Zuschussmöglichkeiten beim Land gebe. Dem will OB Holzwarth nachgehen. Bauamtsleiter Klaus Hägele hat jedenfalls Zuschüsse beantragt nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Mit einem Bescheid aus Stuttgart rechnet er Ende 2020. Dann könnte der Umbau beginnen. Planer Karajan kalkuliert drei Jahre Bauzeit – es könnte bis 2024 dauern, bis Fußgänger an der ehemaligen B 14 gemütlich flanieren.


Details zum Straßenumbau

  • Die Bushaltestelle an der Traube wird verlegt in die Bahnhofstraße gegenüber der bestehenden Haltestelle, so dass Busse in beide Richtungen von der gleichen Stelle aus fahren
  • Der ganze Streckenabschnitt, der saniert werden soll, ist 1,15 Kilometer lang
  • Für Parkplatzsucher in der Nähe der Unteren Marktstraße wird etwas getan: 14 Längsparkplätze sollen an der Ringstraße eingerichtet werden, und zwar auf der Seite des Mehrgenerationenhauses „Nahdran“, das gerade gebaut wird
  • Bevor Straße und Gehwege einen neuen Belag bekommen, werden alle Leitungen im Untergrund erneuert und neue hinzugefügt. Der Kanal wird vergrößert. Die Telekom will ihre vorhandenen Kupferleitungen beibehalten und zusätzlich eine leistungsfähige Glasfaserleitung verlegen. Da die Stadt den Straßenumbau möchte, muss sie das Umlegen der Leitungen bezahlen, aber die Telekom soll laut Bauamtsleiter Klaus Hägele auch einen Teil der Kosten übernehmen, weil neue Leitungen in ihrem Interesse sind.
  • Die Straßenlampen werden neu aufgestellt und mit LED-Leuchtmitteln bestückt
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