Planung von Bahn-Baustellen Woher kommen die Busse für den Ersatzverkehr?

Symbolbild. Foto: Pixabay.com / CC0 Public Domain

Waiblingen. Die Buben wollten früher alle Lokführer werden. Heute fahndet die Bahn nach Interessierten mit Plakaten an allen Bahnhöfen. Und auch der Busfahrer ist längst eine gesuchte Person, schließlich bauen die Kommunen Verbindungen und Fahrpläne immer weiter aus. Woher nimmt also die Bahn AG jetzt für den Schienenersatzverkehr zwischen Grunbach und Waiblingen die Busse und die Busfahrer?

Siegmund Freitag ist der Mann bei der Bahn in der Region, der hier ins Spiel kommt. Ja, bestätigt er, das sei schon eine „besondere Betriebssituation“, wenn von früh morgens bis spät in der Nacht der Straßenverkehr auffangen muss, was sonst der Schienenverkehr erledigt. Eine „riesige Organisation“ steckt dahinter, sagt er, die nicht einfach von einer Person geleistet werden kann. Da gibt es zwar noch die Bahngesellschaft Regio-Bus, die Bahn betreibt eigene Buslinien. Aber für solche Fälle wie jetzt kann das Unternehmen nicht einfach auf ein Depot mit eigenen Bussen und Fahrern zurückgreifen. Also schreibt die Bahn diese Leistung aus. Holt sich Angebote von Busunternehmen. Auch da muss der günstigste Bieter genommen werden.

Im November mit der Planung begonnen

Früh muss die Meldung von der Gleiserneuerung auf Freitags Schreibtisch liegen. Im November haben er und seine Kollegen begonnen mit der Planung. Zunächst klingt die Zahl der eingesetzten Fahrzeuge, 25 bis 30, gar nicht so viel. Aber diese müssen ja im Schichtbetrieb gelenkt werden. Es braucht viel mehr Fahrer.

Eigentlich sollte die Meldung sechs bis acht Monate vorher bei den Ersatzverkehrsplanern angekommen sein. Denn es gibt im hochverdichteten Raum Mittlerer Neckar weiteres zu bedenken. Volksfest, Frühlingsfest, Großveranstaltungen in Neckarpark – sofort steigt der Bedarf sprunghaft. Gut, zunächst: Das Frühlingsfest spielt jetzt nicht mit rein. Aber schon diesen Samstag kommt es zur Probe auf die Leistungsfähigkeit: Heimspiel des VfB gegen Leverkusen. Auf den Spielplan der Bundesliga, sagt Freitag, „haben wir natürlich keinen Einfluss“.

Expressbusse fahren auf der B 29 nach Waiblingen

Die Fans werden zum Beispiel mit dem Regionalzug anrollen und in Schorndorf in die Expressbusse steigen, die auf der B 29 nach Waiblingen fahren. Der VfBler, der mit der S-Bahn unterwegs ist bis Grunbach, sollte erst recht nicht seinen eigenen Fahrplan „auf Kante nähen“, appelliert Koordinator Freitag. Er sollte sich einfach früher auf den Weg machen.

Nicht alle, die aussteigen, können sofort in Bussen untergebracht werden

Denn: Der Schienenersatzverkehr ist langsamer und wird zudem ein Umlaufbetrieb sein. An den Bahnhöfen können meist gar nicht mehr als vier Busse auf eine S-Bahn warten. Es fehle der Platz. Die Busse fahren in Grunbach los, sobald sie gefüllt sind, fahren alle Bahnhöfe an bis nach Waiblingen und nehmen die aus Stuttgart Kommenden wieder mit. Klar, dass der Anschluss in Waiblingen nur die nächste oder gar übernächste S-Bahn sein kann. Gerade morgens im Berufsverkehr, aber auch wohl beim Run auf das VfB-Spiel können nicht alle Aussteigenden sofort in Bussen untergebracht werden.

Freitag rechnet mit fünf bis sechs Bussen, die es im Berufsverkehr durchschnittlich braucht, um eine lange S-Bahn zu ersetzen. Es sind, wieder über den Daumen gepeilt, acht Busse im Umlauf. Und dabei kann es sein, dass am VfB-Samstag den Busfahrern der Straßenverkehr einen Strich durch die Rechnung macht. Staus, zähflüssiger Verkehr auf den Ortsdurchfahren, weil viele Fans auch das Auto nehmen.

Bahn will Internetseite aktuell halten

Wo es auf der Straße eng werden kann, das weiß Freitag jetzt schon ziemlich genau. In Beutelsbach sind zu allem Glück in dieser Woche auch noch Straßenbauer am Werk. Also haben die Bahnplaner mit den Busunternehmen einen Art Bypass ausgeguckt. Aber es kann Verzögerungen geben. Die Bahn will ihre Internetseite aktuell halten. Es lohne sich also, immer wieder aufs Handy zu schauen.

Die Expressbusse von Schorndorf nach Waiblingen, gedacht vor allem für die Regionalzugkunden, haben es da leichter. Sie benützen die B 29. Nur: Wer sagt, dass diese früh morgens etwa von Montag bis Freitag frei ist? Vor allem, wenn jetzt doch mehr Menschen das Auto nehmen wegen den angekündigten Gleisarbeiten.

"Große Herausforderung", Fahrer zu finden

Busse und Fahrer kommen zum Beispiel von Dannenmann, Schlienz und weiteren. Natürlich sei’s auch für diese Firmen eine „große Herausforderung“, gerade am Wochenende Fahrer zu finden. Zum VfB-Spiel gibt es wenigstens genug Fahrzeuge, weil samstags die Schulbusse nicht fahren.

Zur Ausgangsfrage: Es sind sage und schreibe 180 Busfahrer vonnöten pro Tag. 15 Busunternehmen machen den Dienst.

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