Plüderhäuser Badesee Blaualgen-Belastung nimmt sichtlich ab

Am Mittwoch sind im Plüderhäuser Badesee noch einmal Proben genommen worden. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Plüderhausen. Das Wasser wird wieder klarer. Diese erfreuliche Feststellung können all diejenigen machen, die dieser Tage trotz herbstlicher Temperaturen dem Plüderhäuser Badesee einen Besuch abstatten. Zwar besteht das offizielle Badeverbot des Gesundheitsamtes wegen hoher Blaualgen-Belastung noch, allerdings wurden am Mittwoch neue Proben genommen. Mitarbeiter der Gemeinde hoffen, dass das für kommende Woche angekündigte Ergebnis Entwarnung bringt – immerhin haben sie einiges dafür getan.

„Die letzten Wochen waren eine harte Zeit“, sagt Martin Dannenhauer. Der Badeaufseher ist seit zehn Jahren fast täglich am See und sei regelrecht „mit ihm verheiratet“. Jeden Morgen kümmert er sich zunächst darum, dass alles sauber ist, räumt Abfälle weg, befreit den Strand von Scherben und Zigarettenkippen. Mitte August kam dann eine weitere Aufgabe hinzu: Mit der Schaufel den Uferbereich von seinem giftgrünen Teppich aus vom Wind in eine Ecke getriebenen Blaualgen befreien. Zwei Stunden sei er jeden Morgen beschäftigt gewesen.

Im See ist es diesen Sommer zu einer Blaualgenblüte gekommen. Da die Konzentration des von den Blaualgen produzierten Giftstoffs Microcystin im Wasser den Grenzwert weit überschritten hatte, musste das Gesundheitsamt Waiblingen am 23. August ein Badeverbot verhängen. Seitdem versucht die Gemeinde Plüderhausen, den Ursachen des Naturphänomens auf den Grund zu gehen und gegenzusteuern. Schnell war Dannenhauer klar: Der vergangenes Jahr umgebaute Nichtschwimmerbereich könnte die Blaualgenblüte begünstigt haben. Denn die großen Steine behindern die Wasserzirkulation im See. „Ein Anruf bei meinem Chef (Anm. d. Red.: Bauamtsleiter Ludwig Kern), und eine halbe Stunde später war der Bagger da“, betont der Badeaufseher die schnelle Reaktionsbereitschaft der Gemeinde. „Wir haben einen großen Stein neben der Rutsche entfernt und an der Nordseite des Sees eine Mulde ausgehoben“, erklärt Ludwig Kern die mit Experten des Gesundheitsamts abgesprochenen Maßnahmen. Jetzt sei zwischen dem Ufer und der Steinreihe mehr Platz, und die Wasserzirkulation zwischen Nichtschwimmer- und Schwimmerbereich könne wieder besser funktionieren. Ob das eine erneute Blaualgenblüte im nächsten Jahr verhindern wird, könne keiner sagen. „Das mögen kleine Bausteine sein, aber eine Garantie gibt es keine“, so Kern.

Blaualgen gedeihen in warmen, stehendem Wasser besonders gut

Schließlich spielen auch unveränderliche Faktoren wie zum Beispiel das Wetter eine Rolle. Die Blaualgen, bei denen es sich irreführenderweise nicht um Algen, sondern um Bakterien handelt, gedeihen in warmem, stehendem Wasser besonders gut. Wenig Niederschläge und hohe Temperaturen wie in den vergangenen beiden Sommern erhöhen dementsprechend das Risiko einer Blaualgenblüte. Der Wasserspiegel des Plüderhäuser Badesees sei etwa einen halben Meter tiefer gegenüber dem gewohnten Wasserspiegel, berichtet Kern. Und je flacher ein Gewässer, desto anfälliger ist es. Und – „ein Kinderbereich muss eben flach sein“, gibt der Bauamtsleiter zu bedenken. Und dass der Wind oft aus östlicher Richtung kommt und damit die Blaualgen an der Wasseroberfläche vom Schwimmer- in den Nichtschwimmerbereich bläst, lässt sich auch nicht vermeiden.

Ob diesen Sommer mehr Nährstoffe für die Blaualgen, zum Beispiel durch landwirtschaftliche Düngemittel, in den See gelangt sind, ist bisher nicht bekannt. Ein solcher Zusammenhang müsse laut Kern aber auch nicht gegeben sein. Möglicherweise hätten sich dieses Jahr einfach Stoffe aus dem Unterboden gelöst, die sich bisher nicht gelöst hatten.

Mittlerweile haben sich die blaugrünen Schlieren im Wasser zurückgezogen. „Die Sichttiefe liegt wieder bei 40 bis 50 Zentimeter“, freut sich Ludwig Kern. Liegt der Wert des potenziell gesundheitsschädlichen Microcystins in den Wasserproben vom vergangenen Mittwoch unter dem Grenzwert von 100 Mikrogramm pro Liter – Höchstwert im August waren 171 Mikrogramm pro Liter – könnte das Badeverbot aufgehoben werden und den Temperaturen trotzende Schwimmer könnten wieder bedenkenlos baden gehen. Denn abgesehen von der Blaualgen-Belastung sei die Wasserqualität am Plüderhäuser See super. Martin Dannenhauer schwärmt: „Das ist ein Gourmet-See.“


Auswirkungen

Das von den Blaualgen produzierte Microcystin kann bei Kontakt oder Verschlucken Haut- und Schleimhautreizungen, Bindehautentzündungen, Ohrenschmerzen, Durchfall, Fieber, Atemwegserkrankungen und allergische Reaktionen verursachen.

Der Giftstoff ist auch für Tiere gefährlich, die das belastete Wasser trinken oder darin baden.

Wenn die Microcystin-Konzentration im Wasser wieder einen unbedenklichen Wert erreicht hat, können die Blaualgen weiterhin ein Problem für die Lebewesen im Wasser bleiben. Bei schnell sinkenden Temperaturen sterben sowohl die Cyanobakterien (Blaualgen) als auch echte Algen ab. Der im Zuge der Abbauprozesse entstehende Sauerstoffmangel im See kann zu einem Fischsterben führen.

Dazu heißt es allerdings von Seiten des Gesundheitsamtes: „Aktuell gibt es keine Anzeichen für ein Fischsterben im Plüderhausener Badesee oder anderen Gewässern des Rems-Murr-Kreises.“

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