Plüderhäuser Festtage Auf Streife mit der Polizei

Nachts auf dem Festgelände: Die Polizeibeamten sorgen für Sicherheit. Foto: Büttner/ZVW

Plüderhausen. Körperverletzungen, Konflikte, ein aggressiver Betrunkener wurde in Gewahrsam genommen, dies und anderes hat die Polizei in der Nacht zum Sonntag bei den Plüderhäuser Festtagen erlebt. Aber es gab auch freundliche Worte, und die allermeisten Gäste sind nach dem Fest friedlich heimgegangen. Einige Eindrücke der Nacht.

Von weitem leuchtet das Riesenrad vor dem Nachthimmel. Mitternacht. In der Lerchenstraße eilen Jugendliche zum Bus, andere flanieren zu Fuß nach Hause. Hinter dem Kreisverkehr lockt Lichterpracht zum Festplatz. Lose liegen am Boden, da wird noch Zuckerwatte gekauft, dort wirbt die Geisterbahn um Kunden. Leuchtreklame zuckt.

Zu dritt unterwegs

Die einen genießen das Volksfesttreiben, andere schauen, dass die Gäste das möglichst sicher tun können. Einsatzleiter Wolfgang Schiller und zwei Kollegen sind einige der Polizeibeamten, die in dieser Nacht im Einsatz sind. Zu dritt gehen sie über den Vergnügungspark und durch nahe Straßen. Sonst sind die Polizisten zu zweit unterwegs. Die Dreierbesetzung ist nicht den Vorkommnissen auf der SchoWo geschuldet, sagt der Einsatzleiter, die gibt’s grundsätzlich bei Festen. Wie viele Beamte in dieser Nacht vor Ort sind, sagt Wolfgang Schiller nicht, er darf’s nicht, erklärt er. Mehr als im vergangenen Jahr sind es nicht, so viel ist zu erfahren. Es habe keine Hinweise zu Gefährdungen gegeben.

Ruhestörung schnell geklärt

Vom Festgelände streben die Beamten zum Bahnhof. An der Bushaltestelle in der Ahornstraße sitzen Jugendliche und hören Musik. Freundliche Bitte, leiser zu drehen, Nachbarn könnten sich gestört fühlen. Die Jugendlichen machen’s gleich, einige bedanken sich, Verabschiedung, alles gut. Die Polizisten gehen nicht nur übers Festgelände. Sie achten auch darauf, wie die Gäste nach Hause kommen, und auf Sachbeschädigungen wie an Jägerzaun oder Außenspiegel, gibt Wolfgang Schiller Beispiele.

Wenige Vorfälle am Samstagabend

Der Samstagabend ist bis dahin recht ruhig verlaufen, eine Körperverletzung wurde bekannt, eine Brille bei einem Fahrgeschäft beschädigt, ein Joint geraucht, ein Handy war ein Thema, und: „einen alkoholisierten jungen Mann konnte man in seinem Zustand nicht mehr gehen lassen“, zählt der Einsatzleiter auf. Am Bahnhof gibt’s nichts Besonderes zu sehen. Zurück zum Festgelände, Passanten grüßen unterwegs.

Per Funk stehen die Teams in Verbindung. Eine Ruhestörung meldet die Zentrale, außerhalb des Festgeländes. Die Kollegen kümmern sich. „Wo geht’s zum Bahnhof?“ Freundlich wird der Weg erklärt.

Nach Mitternacht: So wenige Auseinandersetzungen wie möglich

Halb eins. Der Vergnügungspark leert sich allmählich. Ein Pärchen knutscht, ein gewonnener Teddybär wird heimgetragen, eine junge Frau geht lächelnd mit einer Rose in der Hand davon. So viele Geschichten schwingen mit. Die Beamten sehen all das auch, aber ihr Fokus ist ein anderer. „So wenig Auseinandersetzungen wie möglich. Konflikte frühzeitig erkennen, vielleicht kann man eingreifen und das frühzeitig regeln“, erklärt Wolfgang Schiller.

Die "dunklen Stellen"

„Gehen wir mal in die dunklen Ecken“, weist er seine Kollegen an. Kaum aus dem Vergnügungspark abgebogen, kommen junge Mädchen auf sie zu. Sie sind ins Gesicht geschlagen worden, erzählen zwei von ihnen. Die Personalien werden aufgeschrieben, die beiden Mädchen zum DRK-Zelt geschickt. Mit Zeuginnen machen sich die Beamten auf, um die Beschuldigte zu finden.

Schimpfende Jugendliche

„Fuck you“, tönt es laut herüber. Vor den Toiletten stehen mehrere Leute. Ein junger Mann mit Migrationshintergrund kann kaum noch stehen, schimpft laut, die Polizisten kommen dazu. Weder ihnen noch einem Begleiter gelingt es, den Wütenden zu beruhigen. Was ihn so in Rage bringt, lässt sich nicht feststellen. „Bitte setzen Sie sich hin“, versuchen es die Beamten. Und mit: „Stop please“. Auch mit Gestik ist nichts zu machen, wütend stampft der Mann mit dem Fuß, schwankt erheblich, gibt sich aggressiv. Verstärkung trifft ein, auch der aufgebrachte junge Mann hat Begleiter, die mit der Polizei diskutieren. Jetzt liegt der Konflikt in der Luft. Was nun? Die Polizisten nehmen den Mann in Gewahrsam, der versucht, sie zu bespucken. Er bekommt Handschließen und wird nach Schorndorf gefahren. Ein Richter wird entscheiden, wie die Nacht für ihn weiter verläuft.

Schuld, wie so oft: der Alkohol

Ein Konflikt im Festgelände wird über Funk gemeldet. „Sie merken’s halt jetzt, der Alkohol“, sagt Wolfgang Schiller. Der Sprechfunk meldet sich erneut. Diejenige, die die Mädchen geschlagen haben soll, ist gefunden. Noch eine Meldung: „Die Kollegen haben das im Griff.“ Schiller: „Jetzt überlagert es sich gerade.“

Im Zelt ist erstmal der Sicherheitsdienst gefragt

Kurz nach ein Uhr. Der Einsatzleiter und ein Kollege beobachten den Festplatz. Das Riesenrad steht still, das Karussell auch, bald schließt der Autoscooter. Es wird merklich leerer. Aufs Geschehen im Festzelt konzentrieren sich die Beamten nicht. Es gibt ein Sicherheitskonzept für die Festtage, sagt der Einsatzleiter. Im und am Zelt hat der Veranstalter das Hausrecht und kann Gäste, „die nicht guttun“, rauswerfen. Kommt der Sicherheitsdienst nicht weiter, kann er die Polizei rufen. Sie kümmert sich vor allem um den öffentlichen Raum.

Ruhe am Festplatz

Ein Zenit so einer Nacht ist die „Abreisephase“, weiß Wolfgang Schiller: Das Gros der Gäste geht heim, mancher spürt nun erst den Alkohol, Streithähne trennen sich nicht. Derzeit aber ist’s ruhig am Festplatz. „Schönen Abend noch, und gute Schicht“, wünscht ein junger Mann den Beamten.


Keine Krawalle, aber Konflikte

Bei einem Fest mit Tausenden Leuten kommt es zu Konflikten, weiß Wolfgang Schiller und weist auf die enthemmende Wirkung des Alkohols hin. „Das, was wir heute erlebt haben, ist Standard“, sagt er, „Aggressivität, Rohheit, Widerstand gegen die Polizei, wenn eine Maßnahme nicht akzeptiert wird.“ Vorfälle gab’s also, einige weitere sollten sich im Verlauf der Nacht noch ereignen, keineswegs aber Krawalle oder Ausschreitungen.


Am Montagnachmittag (24.7) gibt die Polizei schließlich den Ausgang der Streitigkeiten des Samstagabends bekannt. Am Rande des Festgeländes am Heusee hatte eine 21-Jährige auf zwei andere junge Frauen mit Fäusten eingeschlagen. Als die Beschuldigte gefunden und die Polizei die Personalien aufnehmen wollte, verweigerte einer ihrer Begleiter vehement die Ausgabe seines Ausweises. Der 20-Jährige musste festgehalten und durchsucht werden. Er konnte sich losreißen und versetzte einem der Polizeibeamten mit dem Ellenbogen einen Schlag ins Gesicht. Der junge Mann wurde zu Boden gebracht und mit Handschließen fixiert. Dabei beleidigte er auch noch die Beamten. Schließlich wurde er zum Polizeirevier gebracht und dort von seinem Vater abgeholt.

Zu einem ähnlichen Zeitpunkt, gegen 0.33 Uhr, wurden die Beamten auf einen aggressiven Mann vor dem Festzelt aufmerksam. Offenbar hatte er zuvor im Zelt Streit gehabt, war dann von seinen Bekannten aus dem Zelt gebracht worden, hatte sich losgerissen und wollte wieder rein. Als die Polizisten ihn beruhigen wollten, beleidigte und bespuckte er diese. Die Polizisten schritten darauf ein, er wurde festgehalten und zu Boden gebracht. Der alkoholisierte 33-Jährige wehrte sich vehement mit erheblichen Kraftaufwand und trat nach den Polizisten. Er musste dann die Nacht auf dem Polizeirevier verbringen. 

Keiner der Polizisten wurde aber verletzt. Auf die Beschuldigten kommen nun die Strafanzeigen wegen versuchter Körperverletzung, Widerstand gegen Polizeibeamte und Beleidigung zu.

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