Plüderhausen Hier ist es niemals langweillig

Langweilig wird es im Waldheim keinem: Die Tage sind ausgefüllt mit Bastelaktionen, Spielen und Ausflügen. Foto: Gaby Schneider

Plüderhausen. Vor 20 Jahren pilgerten in den Sommerferien zum ersten Mal 26 Kinder zum CVJM-Heim Burghalde zwischen Plüderhausen und Waldhausen. Seitdem hat das Waldheim, wie die Ferienfreizeit heißt, nichts von seiner Attraktivität verloren. Im Gegenteil: Fast 100 Kinder sind in diesem Jahr dabei. Die heutigen Betreuer waren fast alle selbst einmal Waldheim-Kinder.

Video: Wir haben die Mitarbeiter befragt: Warum seid ihr dabei?

Steil geht es auf schmalen Wegen in den Wald hinauf zur Burghalde, dann scharf rechts und da liegt es, das Gelände des CVJM: eine große Wiese mit Fußballtoren, eine Holzhütte, am hinteren Ende ein Häuschen, davor ein großes Zelt. Es läuft Musik. Auf der Wiese tanzen einige Mädels dazu, eine Betreuerin im gelben Waldheim-T-Shirt macht Schritte und Bewegungen vor. Sie üben für das Abschlussfest, erklärt Silas Tückmantel.

Mit 16 zum ersten Mal als Betreuer dabei

Der 34-Jährige ist bei der Evangelischen Jugend der Plüderhäuser Kirchengemeinde für die Koordination der Jugendaktivitäten zuständig und Teil des Waldheim-Leitungsteams. Er kennt die Freizeit von CVJM und Evangelischer Jugend fast von Anfang an. Mit sechzehn Jahren war er zum ersten Mal als Betreuer dabei, hat 19 von jetzt insgesamt 20 Waldheimen in Plüderhausen mitgestaltet. Dabei ist Tückmantel beruflich von der Jugendarbeit eigentlich weit entfernt. Er ist Urkundsbeamter am Finanzgericht. Fürs Waldheim nimmt er Urlaub. Warum er seit 19 Jahren dabeigeblieben ist? „Weil es Spaß macht“, sagt er kurz und knapp.

Vor 20 Jahren ging es los

Ins Leben gerufen hat das Waldheim in Plüderhausen vor 20 Jahren Diakonin Magdalene Fuhr. Als Angebot für Kinder aus finanziell nicht so gut gestellten Familien sei es zu Beginn gedacht gewesen, um ihnen auch eine Urlaubswoche zu ermöglichen, erzählt CVJM-Vorsitzende Irene Hebsacker. Heute sieht es etwas anders aus, aber der ursprüngliche Gedanke ist noch lebendig. Dieses Jahr sind zum zweiten Mal fünf Flüchtlingskinder dabei.

Der Tag beginnt mit einer Spielszene aus dem Leben Martin Luthers

Fast 100 Kinder nehmen insgesamt bei der Jubiläums-Ausgabe des Waldheims teil, in zwei Schichten, jeweils für eine Woche. Jeden Morgen holt ein Bus sie ab und bringt sie an den Beginn des Feldweges, der zur Burghalde führt. Von dort gehen sie den Berg hoch zu Fuß zum CVJM-Heim. Zuerst gibt es dort immer einen Morgenkreis, bei dem gesungen und eine kurze Spielszene vorgeführt wird. „Uns geht es darum, dass das Wort Gottes auf alle mögliche kreative Art und Weise rüberkommt und die Kinder das Evangelium kennenlernen“, sagt Irene Hebsacker.

Dieses Jahr ist Martin Luther und das Reformationsjubiläum Thema beim Waldheim. Deswegen werden morgens Szenen aus Luthers Leben gespielt. Auch sonst ist das Programm ganz auf Luther getrimmt. So gibt es zum Beispiel ein Geländespiel mit dem Titel „Ablasshandel“, bei dem die Kinder im Wald versteckte Betreuer aufspüren mussten, um Goldmünzen zum Tausch für Ablassscheine zu bekommen.

Viel Aufwand, aber jede Menge Spaß in der Küche

Am Freitag, dem letzten Tag der Waldheim-Woche, sind alle mit den Vorbereitungen für das Abschlussfest beschäftigt. Im Burghalde-Haus bereitet eine Gruppe Mini-Pizzen vor, die die Kinder aus Teig formen und dann mit frisch geschnittenen Tomaten, Zucchini-Scheiben und Käse belegen.

Nebenan in der Küche sind drei junge Männer mit der Vorbereitung des Mittagsessens beschäftigt: Gaisburger Marsch. In einer Wanne ist ein riesiger Berg Spätzle aufgetürmt. Selbstgemacht und selbstgepresst, versteht sich. „Die Fleischbrühe haben wir schon gestern abgekocht“, sagt Benni, den die Aufschrift auf seinem T-Shirt als Küchenchef ausweist. Er schält gerade mit Moritz (Titel: „Bua für alle Fälle“) Kartoffeln. An der Spüle steht „Souschef“ Kurt, der schon öfter als Betreuer dabei war und jetzt nach einer Woche draußen, zum ersten Mal in der Küche mitschafft. „Es ist immer mit viel Aufwand verbunden“, sagt Chefkoch Benni, „weil wir den Anspruch haben, dass wir frisch kochen. Macht aber jede Menge Spaß.“

Viele der Mitarbeiter waren früher als Kind selbst dabei

29 Mitarbeiter im Alter von 14 bis 38 Jahren sind verteilt über die zwei Wochen beim Waldheim im Einsatz. Sie übernachten die ganze Woche über auf der Burghalde. Sehr viele von ihnen waren früher als Kind selbst in der Freizeit.

Am Anfang habe es durchaus Skeptiker gegeben, erinnert sich CVJM-Vorsitzende Irene Hebsacker, aber das habe sich sehr schnell ins Positive gedreht. Inzwischen habe das Waldheim eine „wahnsinnig hohe Akzeptanz“. Bei den Kindern sowieso. Die elfjährige Lisa ist schon zum vierten Mal da und sagt: „Die Woche geht immer ziemlich schnell vorbei. Es ist nie langweilig.“ Ein besseres Kompliment kann es für das Waldheim wohl kaum geben.


Im Ferienprogramm

Auch nächstes Jahr wird es in den Sommerferien auf der Burghalde wieder ein Waldheim geben. Teilnehmen können Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren.

Das Waldheim-Angebot ist Teil des Ferienprogrammhefts, das die Gemeinde Plüderhausen zusammenstellt. Mit dem Anmeldeabschnitt kann man sich für eine der beiden Wochen direkt bei der Evangelischen Jugend in der Hauptstraße 36 anmelden.

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