Plüderhausen Ärger um Aufführungen im Bürgerhaus Walkersbach

, aktualisiert am 10.01.2020 - 09:53 Uhr
Steht wieder einmal im Zentrum eines Streits: Das Bürgerhaus im Plüderhäuser Ortsteil Walkersbach. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Plüderhausen-Walkersbach.
„Wer andern einen Garten gräbt“ heißt das aktuelle Stück des Walkersbacher Bauerntheaters. Es handelt von den Kostenexplosionen bei der Gartenschau. Zwanzigmal wurde es bereits im Bürgerhaus des Plüderhäuser Teilorts aufgeführt. Vier Auftritte stehen in dieser Saison noch an. Doch dass diese noch stattfinden, stand einen Tag vor Heiligabend auf der Kippe.

Da hat Nick Schuppert, seit 14 Jahren Vorsitzender des Vereins, nämlich einen Brief vom Landratsamt erhalten. Das Bürgerhaus sei baurechtlich gar kein Veranstaltungsort, hieß es in der Verfügung. Die anstehenden Aufführungen des Vereins seien unter diesen Umständen also nicht zulässig. Denn spätestens um 22 Uhr müsse es um das Bürgerhaus still sein. Die Aufführungen dauern aber momentan bis 23 Uhr. Darf es, wenn das Bürgerhaus gar kein Veranstaltungsort ist, dort künftig überhaupt noch Theateraufführungen geben? „Ich weiß nicht, ob es weitergeht“, sagt Schuppert, der in Walkersbach auch Ortswart ist. Ob er in zwei Jahren wieder mit einem Stück im Bürgerhaus aufwarten kann, ist für ihn im Moment unklar.

Vier Aufführungen finden noch unter verschärften Auflagen statt

Sicher ist zumindest, dass die vier noch anstehenden Aufführungen stattfinden können. Denn die Gemeinde hat gegen die Verfügung des Landratsamtes umgehend Widerspruch eingelegt. „Das hat eine aufschiebende Wirkung“, sagt Bürgermeister Andreas Schaffer. Das Verfahren ist momentan also in der Schwebe. Außerdem haben sich Gemeinde und Theaterverein darauf geeinigt, die ohnehin strengen Auflagen noch einmal zu verschärfen. Die Aufführungen an diesem Wochenende beginnen früher, die Pausen sind kürzer, so dass ab 22 Uhr keine Geräusche mehr rund um das Bürgerhaus zu vernehmen sind.

Was Schuppert am meisten ärgert: Seiner Ansicht nach hat der Theaterverein „anstandslos“ alle Auflagen, die mit der Gemeinde vereinbart wurden, eingehalten. In der Sonnenhalde durften keine Besucher parken. Die Plätze wurden stattdessen von den Schauspielern belegt. Wer in den Pausen ins Freie wollte, konnte das nur in Richtung Tal. Und zwei Ordner haben dafür gesorgt, dass die Gäste nach dem Besuch des Bürgerhauses möglichst ruhig und geordnet den Heimweg antreten.

Letzteres ist auf eine Verschärfung der Auflagen im Laufe der Saison zurückzuführen. Zu der kam es im Herbst, nachdem das Landratsamt eine Lärmmessung durchgeführt hat – und nach 22 Uhr Werte von weit mehr als die zugelassenen 60 Dezibel (was dem Geräusch einer Nähmaschine entspricht) feststellen musste. Der Lärm sei, so berichten es Schuppert wie Schaffer, aber gar nicht von Theaterbesuchern gekommen. Verantwortlich sei vielmehr vor allem ein Mann, der bereits in der Vergangenheit aufgefallen sei, indem er die Sonnenhalde hinauf- und hinabfährt, dabei bisweilen auch vor dem Haus eines Anwohners hupt.

Konflikt mit langer Vorgeschichte

Besagter Anwohner hatte sich in der Vergangenheit immer wieder über Lärm im Umfeld des Bürgerhauses beklagt, Anzeigen erstattet, die Polizei gerufen. Die Aufführung des Bauerntheaters vor zwei Jahren wollte er gerichtlich verbieten lassen, da er sich in dem Stück unvorteilhaft parodiert sah. Umgekehrt wurde das Haus des Nachbarn mehrfach angegriffen. Von wem, das konnte bis heute nicht ermittelt werden.

Der Konflikt hat also eine lange Vorgeschichte – und der Autofahrer, der die Sonnenhalde befuhr, offenbar keine Ahnung davon, dass an dem Abend das Landratsamt für eine Messung im Ort war. Schuppert hält die Lärmwerte daher auch nicht für repräsentativ. „Das hatte mit dem Theater nichts zu tun“, meint er. Die Lärmmessung ist zuverlässig, sagt hingegen das Landratsamt. Eine Stunde lang sei dafür ein Fachmann vor Ort gewesen.

Schuppert hingegen betont, er habe alles in seiner Macht Stehende getan, um auch alle Vorgaben einzuhalten, persönlich vor und nach den Stücken seine Besucher darum gebeten, keinen Lärm zu verursachen, möglichst auf dem Weg zum Parkplatz nur zu flüstern. 60 Dezibel seien schließlich schnell erreicht.

Immer habe er es aber nicht verhindern können, dass laute Geräusche entstanden. Etwa an den beiden Theaterabenden mit Frost. Da seien Motoren gelaufen, hätten Scheiben vom Eis befreit werden müssen. „Aber ich kann ja meine Gäste auch nicht mit gefrorener Scheibe losfahren lassen.“

Dass es jetzt, so kurz vor Weihnachten, hieße, das Bürgerhaus sei baurechtlich gar kein Veranstaltungsort, „da bin ich wirklich sprachlos“, sagt Schuppert. Seit den fünfziger Jahren fänden dort bereits Theateraufführungen statt, seit bald 40 Jahren organisiert durch seinen Verein.

Walkersbacher sollen Dialog mit dem Nachbarn suchen, sagt Schaffer

Auch Bürgermeister Schaffer hält die Verfügung des Landratsamtes für „unverhältnismäßig hart“. Die vier Aufführungen, die noch an diesem und dem kommenden Wochenende anstehen, hätte man seiner Ansicht nach durchaus noch durchgehen lassen können. Die Gemeinde will nun selbst die baurechtliche Sachlage prüfen. Und dann, wenn notwendig, das Bürgerhaus offiziell zum Veranstaltungsort machen. Erst kürzlich hat der Gemeinderat ja eine Nutzungsordnung für das Bürgerhaus verabschiedet – in einer etwas abgemilderten Form als von der Gemeinde vorgeschlagen. In dieser Hinsicht ist Plüderhausen also vorbereitet. Allerdings gibt Schaffer zu bedenken: „Ich glaube nicht, dass die Anforderungen des Landratsamts dann so weich ausfallen wie bei der Nutzungsordnung.“

Aus seiner Sicht wäre es außerdem „höchste Zeit, dass die Walkersbacher den direkten Dialog mit dem Nachbarn suchen“. Anders lasse sich dieser Konflikt nicht mehr lösen, findet Schaffer.


Das sagt das Landratsamt

Eine baurechtliche Überprüfung von Veranstaltungsorten sei in einem solchen Verfahren nicht ungewöhnlich, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit.

Mit der Verfügung habe man sich aber bewusst für ein Mittel entschieden, gegen das Widerspruch eingelegt werden kann.

Der Verwaltungsakt sei keine Anordnung einer sofortigen Vollziehung, stellt Pressesprecherin Martina Keck klar.

„Im Moment ist alles in der Schwebe“. Wie künftig mit Veranstaltungen im Bürgerhaus umgegangen wird, sei noch unklar.

„Wir haben jahrelang versucht, in dem Konflikt zu vermitteln“, betont Keck. Doch als Behörde sei man auch gezwungen, geltendes Recht durchzusetzen.


Unsere bisherige Berichterstattung zum Thema:

25.01.2018: Theater ums Bürgerhaus

20.02.2018: Konflikt ums Bürgerhaus kühlt nicht ab

06.04.2018: Hausdruchsuchungen wegen gestohlener Überwachungskamera

15.08.2018: Mehr Parkplätze am Bürgerhaus Walkersbach

21.02.2019: Konflikt ums Bürgerhaus: Musikverein sagt drei Feste ab

23.02.2019: SPD-Rat gegen neue Nutzungsordnung

11.04.2019: Walkersbacher Vereine wollen Klarheit

21.09.2019: Entscheidung über Bürgerhaus vertagt

12.12.2019: Streit ums Walkersbacher Bürgerhaus endlich vorbei?

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