Plüderhausen Arbeitskreis "Menschen für Menschen" unterstützt Schule in Äthiopien

Plüderhausen/Halu. Der spinnt, sagte zwar keiner, aber vor vier Jahren „saßen im Arbeitskreis alle still da“, als Fritz Donner das nächste Projekt vorstellte. Hatte man doch bisher zu tun, jeweils 1500 Euro für Trinkwasserbrunnen für „Menschen für Menschen“ in Äthiopien zusammenzubringen. Eine Schule für das Hundertfache? Es hat geklappt. Die Ehepaare Donner und Letsch waren nun bei der Schuleinweihung. Dort gerieten sie in „emotionalen Ausnahmezustand“.

Kaum waren die Plüderhäuser Fritz und Herta Donner, Thomas und Marianne Letsch und Aktive von „Menschen für Menschen“ aus dem Jeep gestiegen, wurden sie von Hundertschaften freudiger Kinder, Eltern und Lehrer mit Gesang und Tanz umringt und hineingeführt, durften am Eingang ein Band durchschneiden. Auch hochbetagte Dorfälteste waren etliche Kilometer hergelaufen, um bei der offiziellen Schuleröffnung in Halu, das im Südwesten Äthiopiens liegt, dabei zu sein. Gleichzeitig wurde auch das 50-jährige Schuljubiläum gefeiert, und eigens waren dafür in Handarbeit Unterstände für wohl 1000 Besucher gebaut worden und ein baldachinartiger Sonnenschutz für „Speaker“ wie Fritz Donner, der gute Wünsche für die Schule aus Plüderhausen überbrachte. Der Ausdruck der Herzlichkeit, die Freude der Afrikaner, die sie nicht nur während der Einweihung erlebten, berührten die eher an (auch menschliche) Kältegrade gewöhnten Schwaben tief. Ohne Tränen ging es nicht. „Wir waren emotional extrem belastet!“ Auch Donners Lunge wurde belastet durch Luftballonpräsente, hatten die Kleinen doch zu wenig Kraft zum Aufblasen ...

Laut & Vorträge

Der zehnköpfige Arbeitskreis unterstützt die von Schauspieler Karl-Heinz Böhm gegründete Hilfsorganisation seit 12 Jahren. Er kann mit dem 17. „Menschen für Menschen“-Benefizlauf am 28. April in Plüderhausen Sponsorengeld zu erjoggen und das große Ziel erreichen: 165 000 Euro für die Schule.

Entstanden ist der AK aus der Friedensgruppe und dem Internationalen Fest. Fritz Donner unterstützt Böhms Hilfsorganisation bereits seit über 30 Jahren. Vorträge von Fritz Donner und Thomas Letsch über die Schuleinweihung gibt’s am 27. April im Theater hinterm Scheuerntor und am 4. Mai im evangelischen Gemeindehaus Wittumhof (je 20 Uhr).

„Menschen für Menschen“ setzt in Äthiopien auf Hilfe vor allem für Frauen, auf deren Schultern das Überleben der Familien lastet. So werden ihnen einfache Betonöfen günstig verkauft, die nur 50 Prozent des Holzes benötigen und vor Brandverletzungen schützen. Frauen erhalten auch Kleinkredite. Beim Schulbau in Halu wurde darauf geachtet, dass am Ort gebrannte Ziegel verwendet wurden.

Auftrieb respektive die Zuversicht, sich am 165 000-Euro-Batzen für die Schule nicht zu verschlucken, gab den wackeren Spendensammlern vor drei Jahren ein Benefizkonzert mit dem Sänger und Komponisten Reinhard Mey („Über den Wolken“) im Münchner Kronebau. Es bescherte allein 31 000 Euro. 2011 haben drei Benefizläufe an Schulen in Plüderhausen, Urbach und Rudersberg und der eigene Lauf mit Kuchenverkauf am Boppenrain das Spendenkonto gefüllt. Allein der Rudersberger Lauf spülte 17 000 Euro in die Kasse. Calo Rapallos Rockkonzert ließ die Kasse klingeln und auch eine ansehnliche 20 000-Euro-Spende von Martin Seidenfuß, dem Chef der in Adelberg sitzenden Firma Erni.

Hilfe zur Selbsthilfe für Leute, die fast ausschließlich von Handarbeit leben

Den etwa 500 Kindern in Halu stehen nun dank dem Klinkenputzen, Kuchenbacken, Benefizläufen und -konzerten und Flohmarktaktivitäten im Schwabenland zwei Schulgebäude mit acht Klassenräumen und kleine Lehrerwohnungen zur Verfügung. Die Klassenstärken liegen in Halu bei 50, 60 Kindern. Das alte Schulgebäude war total marode, weshalb die Dorfältesten der Gegend sich an die in Äthiopien – quer durch die Volksgruppen und Religionen – hoch angesehene Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“ gewandt hatten. Die Regierung hatte dafür kein Geld, unterstützt aber die Projekte von „Menschen für Menschen“, die keine Almosen verteilen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe geben. Bildung und Gesundheitsvorsorge – etwa Familienplanung, Aufklärung, Verbot der Mädchenbeschneidung, Schutz vor HIV – sind in dem rohstoffarmen Agrarland Äthiopien extrem wichtig, in dem vier von fünf Menschen von der Landwirtschaft leben, dessen Holzvorräte zur Neige gehen. Einen Mittelstand gibt es nicht – höchstens in der Hauptstadt können sich Menschen Handwerker leisten.

Deshalb sehen es Donners und Letschs mit gemischten Gefühlen, wenn Deutschland in Äthiopien in 14 Hochschulen mit 35 000 Studenten investiert. Dabei sei abzusehen, dass gut Ausgebildete nur im Ausland eine Arbeit finden werden. „Der Mittelbau fehlt!“ Befremdet hat sie der Anblick von Rosenfarmen mit „gigantischem Wasserverbrauch“ für „unsere Muttertagsrosen“ und von 40-Tonnern mit UNO-Beamten (mit Krawatte), die „durch die Pampa fahren“ und Getreide verteilen. Entmutigt wird, wer dem Land mit großer Mühe Ernten abringt.

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