Plüderhausen Bahnhof soll barrierefrei werden

Ein barrierefreier Bahnhof wird in Plüderhausen schon lange gewünscht – bis jetzt vergeblich. Foto: Schneider/ZVW

Plüderhausen. Im Bahnhofsumfeld hat sich in letzter Zeit einiges getan – bald soll eine Rossmann-Filiale eröffnen, der Discounter Lidl hat seinen Laden am Bahnhof modernisiert, ein Bistro hat die alte Bahnhofskneipe ersetzt (hier geht es zum Artikel). Eine schon lange notwendige Änderung fehlt aber weiterhin: Der Bahnhof ist noch immer nicht barrierefrei zugänglich. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern.

Das Problem sind hauptsächlich die Treppen. Nur über sie ist der Zugang zu den Bahnsteigen oder die Überquerung von der einen Seite des Bahnhofs zur anderen möglich. Rampen oder Aufzüge gibt es nicht. Der Wunsch nach einem barrierefreien Bahnhof wird in der Bevölkerung laut der Gemeindeverwaltung immer intensiver geäußert. Die Gemeinde bemüht sich nach eigenen Angaben schon seit Jahrzehnten um einen barrierefreien Zugang zum Mittelbahnsteig, kam aber bis jetzt nie mit der Deutschen Bahn auf einen gemeinsamen Nenner, was die Kostenfrage angeht. Jetzt sieht sie keinen anderen Weg mehr, als die Mittel für den Bahnhof aus dem eigenen Haushalt zu nehmen.

Deutsche Bahn: Kommunen sollen sich an Kosten beteiligen

„Aus unserer Sicht ist die Deutsche Bahn zuständig“, sagt Bürgermeister Andreas Schaffer. „Aber bei der Bahn ist der Usus seit vielen Jahren, dass die Kommunen mitfinanzieren – schon bei der Planung.“ Andreas Schaffer sei von Seiten der Bahn mitgeteilt worden, dass so mehr Bahnhöfe umgebaut werden könnten.

Für Unmut sorgt bei der Verwaltung und im Gemeinderat auch die unterschiedliche Behandlung bei finanziellen Zuschüssen im Vergleich mit S-Bahnhöfen in der Region. Der Verband Region Stuttgart finanziert den Umbau vieler S-Bahnhöfe im Sinne der besseren Mobilität mit. „Die Mittel dafür kommen zum Teil auch aus Plüderhausen“, sagt Schaffer. Durch die Verkehrsumlage beteilige sich die Gemeinde genauso an der Finanzierung des Verbands wie andere (S-Bahn-)Kommunen, werde aber im Gegenzug nicht finanziell unterstützt.

"Es ist eine Freichehit, dass wir selber zahlen müssen"

„Es wird wohl darauf rauslaufen, dass die Gemeinde Geld in die Hand nimmt“, sagte FW-FD-Fraktionsvorsitzende Claudia Jensen in der vergangenen Gemeinderatssitzung. Wies aber im gleichen Atemzug darauf hin, dass alle möglichen Lösungen für den Plüderhäuser Bahnhof – so zum Beispiel auch ein „vielleicht preiswerterer“ Steg statt einer Unterführung – geprüft werden sollten. „Es ist eine Frechheit, dass wir selber zahlen müssen, aber wir kommen nicht drumrum“, meinte CDU-Ratsmitglied Reiner Schiek. Sein Fraktionsvorsitzender Ulrich Scheurer nannte die Bahn gar einen „Schlamperladen“. Trotz der Verärgerungen gab der Gemeinderat aber den klaren Auftrag an die Gemeindeverwaltung, die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn aufzunehmen.

Laut Andreas Schaffer hat die Bahn zugesichert, der Gemeinde noch diesen Monat eine Planungsvereinbarung zu schicken, die im März dem Gemeinderat vorgestellt werden soll. Selbst wenn der bei dem Entwurf voll mitziehe, sei die Umsetzung eines barrierefreien Bahnhofs in Plüderhausen aber frühestens in vier bis fünf Jahren möglich.


Aus der Stellungnahme der Deutschen Bahn

"Selbstverständlich sieht sich die Deutsche Bahn auch für Plüderhausen in der Verantwortung. Finanziert werden Modernisierungen und Umbauten im Rahmen des Bahnhofsmodernisierungsprogramms Baden-Württemberg."

"Die Auswahl der Bahnhöfe erfolgte unter Berücksichtigung des Bedarfs und verschiedener Bewertungsfaktoren."

"Aufgrund der im Vergleich zu anderen Bahnhöfen relativ geringen Reisendenzahlen gehört Plüderhausen nicht zu den priorisierten Bahnhöfen des Finanzierungsprogramms, da andere Verkehrsstationen einen vordringlicheren Bedarf aufweisen."

"Als Ergänzung zum Bahnhofsmodernisierungsprogramm (BMP) bietet das Land nach wie vor eine Förderung derartiger Maßnahmen zur Herstellung der Barrierefreiheit nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) an. Dadurch haben auch diejenigen Stationen, die im BMP nicht zum Zuge kommen, die Möglichkeit, Zuwendungen für einen barrierefreien Um- oder Ausbau zu erhalten."

"Im November vergangenen Jahres wurde mit der Gemeinde Plüderhausen vereinbart, dass die Planungsleistungen zur Stufenfreiheit von Plüderhausen von Seiten der Gemeinde angestoßen werden."

"Der Vertrag hierzu befindet sich momentan bei der Deutschen Bahn in Prüfung. Sobald dieser gezeichnet ist, kann die Gemeinde Plüderhausen Ingenieurbüros beauftragen."

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