Plüderhausen Betroffener kritisiert: Zu wenig Behinderten-Parkplätze

Michael Schmidt kauft inzwischen öfter auswärts ein, weil er in Plüderhausen keinen ortskernnahen Parkplatz findet. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Plüderhausen. Hat Plüderhausen ausreichend Behindertenparkplätze? Michael Schmidt, selbst gehbehindert, findet: Nein. Seitdem Parkplätze beim Schreibwarengeschäft weggefallen sind, kauft er häufiger auswärts. Und dass jetzt statt unten am grünen Anger oben beim Seniorenheim ein Platz eingerichtet werden soll, damit ist der 74-Jährige überhaupt nicht einverstanden.

Wenn Michael Schmidt in seinem Heimatort einkaufen geht, kann er zu Fuß keine weiten Wege zurücklegen. Der Plüderhäuser geht auf Krücken. Denn vor zwei Jahren wurde ihm oberhalb des Knies ein Bein abgenommen. Entsprechend beschwerlich ist für ihn die Strecke zwischen Auto und Geschäft. Besonders ungünstig ist das bei Fußgängerampeln. Wenn diese von Grün auf Rot schalten, ist der Rentner gerade mal auf der Hälfte des Weges angelangt. Kurzum: Jeder Meter, den er mehr laufen muss, ist für ihn eine Herausforderung.

Wütendes Schreiben an Verwaltung und Gemeinderat

Seit Blumenkästen für die Gartenschau Parkplätze beim Schreibwarengeschäft in der Ortsmitte ersetzt haben, kommt es häufiger vor, dass er länger laufen muss. Einen „Schildbürgerstreich“ nennt Schmidt das. Seitdem weicht er öfter aufs benachbarte Lorch oder Urbach aus. Dort finde er Behindertenparkplätze in direkter Nähe zu den Geschäften. Anders in Plüderhausen: Dort sei der einzige ortsmittenahe Platz beim Rathaus. Weder auf dem Marktplatz noch vor der Kreissparkasse, noch vor dem Pflegeheim, dem Friedhof, am Bahnhof oder auf der Hauptstraße gebe es einen Behindertenparkplatz, beklagt Schmidt. Er tat das auch schriftlich kund: in einem wütenden Schreiben an Verwaltung und Gemeinderat Anfang des Jahres.

Die hat inzwischen auch reagiert und die Einrichtung eines Behindertenparkplatzes am grünen Anger auf die Tagesordnung des Gemeinderates gesetzt. Die Entscheidung fiel schließlich auf einen Platz oberhalb der Grünfläche am Pflegeheim, wie von der Verwaltung vorgeschlagen. Der SPD-Antrag, ihn unten an der Hauptstraße zu platzieren, fand keine Mehrheit.

Dort hätte man ansonsten einen Parkplatz verloren, sagt Bürgermeister Andreas Schaffer. Und oben seien die Parkplätze ohnehin breiter. Auch die Idee, am grünen Anger Rabatte zu entfernen, um den untersten Parkplatz einfach zu erweitern, konnte nicht überzeugen. „Es kostet zu viel Geld, da noch mal einzugreifen“, so Schaffer.

Die Behindertenparkplätze stehen zu 90 Prozent leer

Mit dem Behindertenparkplatz, der am grünen Anger kommen soll, habe die Gemeinde genügend Plätze zu Verfügung gestellt. Momentan gibt es einen am Rathaus, zwei auf dem Parkplatz Obere Kirchgasse und einen beim Praxiszentrum in der Hauptstraße. Und zur Wahrheit gehöre auch: „Die stehen zu 90 Prozent leer.“

„Der Behindertenparkplatz hätte schon bei der Planung berücksichtigt werden müssen“, findet Klaus Harald Kelemen (SPD), der bedauert, dass sich seine Fraktion nicht habe durchsetzen können. „Das war ein schlechter Beschluss.“ Auch wenn es unten an der Hauptstraße schwieriger gewesen wäre: Ein Behindertenparkplatz gehört für ihn grundsätzlich so nah wie möglich ans Zentrum.

„Da muss man vielleicht noch mal darüber nachdenken“, sagt Ulrich Scheurer (CDU) über den geplanten Standort. Nachdem ihm Schmidt während des Wahlkampfs noch einmal seine Argumente vorbrachte, musste Scheurer feststellen: „Das leuchtet mir ein.“ Insgesamt gebe es in Plüderhausen zu wenige Behindertenparkplätze. „Ich fände es gut, wenn es mehr werden.“

Schmidt muss lange Wege un Kauf nehmen

„Peinlich“, nennt es Erich Wägner (GLU), dass der Gemeinderat bei der Planung des grünen Angers einen solchen Platz einfach vergessen hat. „Es ist richtig, dass wir da nachjustiert haben.“ Wägner findet auch den Standort oben am Pflegeheim gut – genau wegen der Nähe zu selbigem. Und der Kosten, die ein Umbau direkt an der Hauptstraße verursacht hätte. Das Angebot an Parkplätzen insgesamt hält Wägner mittlerweile für ausreichend.

„Nicht glücklich“ über den Beschluss ist Claudia Jensen (FW-FD). „Ich bin der Meinung, dass er dort nicht hingehört.“ Schon alleine, weil an dieser Stelle häufiger etwas entladen werde. Zugestimmt hat sie trotzdem. Damit überhaupt ein Behindertenparkplatz an dieser Stelle entsteht.

Auch Michael Schmidt ist mit der vom Gemeinderat gefundenen Lösung nicht wirklich glücklich. Die Argumentation kann er nicht verstehen: „Es ist anscheinend genügend Geld da für einen Hochzeitsturm, aber für Behindertenparkplätze, da hat man nicht mal ein paar Mark.“

Schmidt muss also wohl oder übel auch in Zukunft längere Wege in Kauf nehmen, wenn er in Plüderhausen einkaufen will.


Einst gern gelaufen

Prinzipiell hat Michael Schmidt kein Problem mit dem Laufen. Früher hat er das leidenschaftlich gern getan, war in jüngeren Jahren sogar im Vorstand des Albvereins. Seit ihm wegen Durchblutungsstörungen ein Fuß entfernt werden musste, ist es damit allerdings vorbei. Schmidt ist sicher: Wenn es Gemeinderäte gäbe, die sich in einer ähnlichen Situation befänden, würde es in Plüderhausen bestimmt hundert Behindertenparkplätze geben.

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