Plüderhausen Blasmusikfestival: Auftakt der Festtage

Plüderhausen. Endlich einmal verspricht die Reklame nicht zu viel. Als „generationenübergreifendes Happening“ der Blasmusik dürfe man das nun fünfte Festival der Kapellen zum Auftakt der Plüderhäuser Festtage verstehen. Das mit dem „generationübergreifend“ stimmt in der Tat frappierend, bei „Happening“, nun ja, da streiten die Geschmäcker.

So ist’s halt mit Superlativen. Einst war ein Happening ein kreatives Chaos von Künstlern, die man in bürgerlichen Kreisen gerne als durchgeknallt bezeichnet hat. Längst aber will auch Humpta-Täterä ebenfalls zum Kunstereignis taugen, oder sich wenigsten einen coolen Namen borgen.

Das mit dem Borgen ist so eine Sache. Natürlich wurde von den sieben Kapellen gestern Abend „Blasmusik vom Feinsten“ geboten, man lädt ja auch keine Nichtskönner ein. Manchmal aber wünscht man sich, sie würden wirklich beim Tuten und Blasen bleiben, und damit beim üblichen Kanon für Kapellen. Intonieren doch die Haubersbronner gewiss schräg „Tage wie diese“, die Rotz-Hymne der Toten Hosen, Punkrocker der ersten Stunde. Unlängst musste deren Drummer Wölli sich den Folgen der ungesunden Lebensweise beugen. Hörte er aber jetzt, dass eine Blaskapelle das trotzige „Tage wie diese“ im Programm führt, es würde ihn gleich nochmals dahinraffen.

Dann: Der Musikverein Leinzell bekommt den stärksten Applaus der ersten Hälfte, weil er in seinen Reihen Dudelsackspieler aufbietet. Schön keltisch-exotisch. Gut, sind ja auch Blasmusiker. Dann aber kommt es zu einem Eric-Clapton-Block mit drei Songs, und der wird im Programmheft dann überschrieben mit „The Cream of Clapton“. Man fragt sich, soll es ein Witz sein, oder haben hier die Generationenübergriffigen im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte gehandelt. Cream hieß die Supergruppe, mit der Clapton zum Gitarrengott ausgerufen wurde. Und nun setzt man ihm einfach ein Cream-Sahnehäubchen auf.

Egal, wahrscheinlich ist es dieser unbefangene Umgang mit fast allem, was die Blasmusik so daueraktuell macht gerade für junge Leute.

Auf der Bierbank ziemlich genau inmitten der beiden Bühnen sitzt Harald Eisele mit seiner Frau Margit. Eisele ist der Vollprofi. Er, der Winterbacher, hat 22 Jahre lang das Dinkelacker-Zelt auf dem Wasen zum Abheben gebracht. Wenn er sich umschaut, dann kann er überzeugt sein, nicht umsonst gelebt und Musik gemacht zu haben: „Es sind die Jungen, die die Blasmusik aufrecht erhalten. Und die spielen nicht bloß Modernes, die wollen auch das Alte.“ Überhaupt sieht er ein Erstarken derer, die mit vollem Brass spielen: „Die Leute, die Tanzmusik gemacht haben, machen jetzt Blasmusik.“

Zu früherer Zeit sei’s auch ganz undenkbar gewesen, dass ein Sender wie der SWR so breit Blasmusik ins Programm nimmt und selber als Veranstalter auftritt. So mit seinem „Blech-Duell“. Aber auch seit Jahren in Plüderhausen, Moderator Michael Branik kommt schließlich aus dem öffentlich-rechtlichen Stall.

„An Tagen wie diesen“ also ist alles erlaubt. Die Stimmung ist gut. Bestens gar. Es sungen die Jungen wie die Alten.

Dirigieren mit 25

Veranstalter Hartmut Bay ist ganz stolz drauf, dass seit Jahren ein Tisch immer sofort belegt ist. Eine junge Gang aus Weiler setzt sich vorne hin. Diemal folgte die Ehrerbietung. Bay hat sie aufs Plakat für 2016 gesetzt.

Man muss nur in die Dirigentenriege schauen. Gerade mal 25 ist Philipp Heidemann. Er lenkt die Haubersbronner Dorfmusikanten.

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