Plüderhausen Der Werdegang von Thomas Hornauer

Thomas Hornauer gewährt Einblick in den ersten Teilbereich seiner Edelstein - Ausstellung. Foto: Steinemann

Thomas Hornauer ist ein Exzentriker, wie es keinen zweiten weit und breit gibt. Hornauer, 56 Jahre alt, brachte es von einem alten Firmengebäude mit Backsteinfassade in Plüderhausen aus als Geschäftsführer der Telekontor GmbH & Co KG durch das Betreiben zahlreicher 0190-Hotlines zum Multimillionär. Es handelte sich oft um Stöhnnummern („Ruf mich an!“), die nächtens im Sportfernsehen liefen. 2003 übernahm er den baden-württembergischen Sender B.TV. Die Landesanstalt für Kommunikation entzog ihm die Lizenz wieder, weil sie an Hornauers persönlicher Zuverlässigkeit zweifelte. Die SPD im Landtag hatte zuvor Journalisten nach Stuttgart gerufen. Gezeigt wurde ein Video-Clip mit Hornauer als Regisseur eines Telefonsex-Clips. In Österreich durfte Hornauer weiterfunken. Jetzt hieß der Kanal Telemedial, wieder ging es um Astro- und Chatlines. Ein Gebräu aus Esoterik und Raunen aus dem Weltall, zu sehen als Streaming-Angebot online. Medienbeobachter bezeichneten diesen Sender als das Bizarrste, was es im Fernsehen zu sehen gab. 2015 eröffnete er eine Edelstein-Ausstellung mit Riesen-Klunker in Plüderhausen, oft noch aufgeladen mit dem Christenkreuz als Symbol für etwas ganz Großes. Er rief dazu das „Heilige Deutsche Königreich“ aus. Eine, wie er mal verlauten ließ, „Mentaldemokratie gegen die Volksverblödung“. Gerne trat er für solche Statements im Königsgewand auf und setzte sich in einen vergoldeten Stuhl. Er selber fühlt sich selbstverständlich völlig verkannt als „Spinner“, „Großmaul“ und „Scharlatan“. Alles Bezeichnungen, die Beobachter für ihn fanden. Einem Stuttgarter Journalisten gegenüber sprach er jüngst: „Ich tu seit zwölf Jahren nichts anderes, als mich von der gesellschaftlichen Domestizierung zu befreien. Das kostet Kraft ohne Ende.“

Dem Bürgermeister in Plüderhausen, dem Gemeinderat - zur Hoch-Zeit des Hornauer-Imperiums, als er von Ludwigsburg aus B.TV führte, erschien er auf einmal wichtig. Man stritt im Rat, ob er seinen Prachtbau oben am Waldrand immer mehr ausdehnen darf, etwa mit einer Brücke im Garten. Man befasste sich damit, ob dem zweitwichtigsten Gewerbesteuerzahler nicht ein Hubschrauberlandeplatz genehmigt werden muss. Hornauer weiß und wusste, Leute für sich einzunehmen. Dann lud er sie in die VIP-Lounge zum VfB. Das war vor seinem Absturz ins Total-Esoterische. Seine Karriere rauf und runter an sich ist sagenhaft. Gelernt hatte er, Sohn von Welzheimer Wirtsleuten, bei Bauknecht einst Handformer. Das erste fette Geld verdiente er sich mit dem Bedrucken von T-Shirts.

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