Plüderhausen Dr. Häussermann hilft Menschen auf Philippinen

Plüderhausen. Tuberkulose, Unterernährung, Zahnprobleme: Wenn Dr. Thomas Häussermann seine Patienten in entlegenen Regionen der Philippinen untersucht, stößt er auf vielfältige Krankheiten. Der 69-jährige Mediziner aus Plüderhausen ist jüngst von einem Einsatz für die „German Doctors“ zurückgekehrt. In dem südostasiatischen Land hat er auch die Spuren des verheerenden Taifuns gesehen.

Zehn Tage nach dem Taifun hat sich Dr. Thomas Häussermann im Norden der Insel Cebu ein Bild von den schlimmen Schäden gemacht und sich umgesehen, ob zusätzliche ärztliche Hilfe vonnöten war. „Man muss sich vorstellen, was für Gewalten da geherrscht haben. Unglaublich.“ Seine Fotos zeigen umgestürzte Strommaste, entblätterte Bäume, Palmen, die wie abrasiert ihre kahlen Stümpfe zum Himmel reckten, abgedeckte Häuser, von manchen stand nur noch eine Außenmauer. Zwischen Schutt und Geröll hatten Anwohner Wäscheleinen gespannt. Hilfsorganisationen versorgten die Menschen mit Wasser und Lebensmitteln, medizinische Camps kümmerten sich um Kranke und Verletzte.

Im Ruhestand im Einsatz für die „German Doctors“

Dr. Thomas Häussermann musste nicht extra auf die Philippinen fliegen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Er war bereits im Land, als sich die Katastrophe ereignete. Der 69-jährige Mediziner aus Plüderhausen hatte Ende 2010 seine Praxis an seinen Sohn übergeben. Seither engagiert er sich in Auslandseinsätzen auf den Philippinen für die medizinische Hilfsorganisation „German Doctors“ und war auch für diese jüngst im Einsatz gewesen. Für die Arbeit gibt es kein Geld, den Flug zahlt Dr. Häussermann selbst, die Unterkünfte der Helfer sind überaus einfach.

Der Besuch des Mediziners ist ein Ereignis


Doch das ficht den Plüderhäuser Mediziner nicht an. Ziel der Arbeit der „Ärzte für die Dritte Welt“, so hieß die Organisation früher, ist eine „kontinuierliche Betreuung der Ärmsten der Welt“, erklärt Dr. Häussermann. Zum fünften Mal war er jüngst auf die Philippinen gereist. Die „German Doctors“ betreiben auf der Insel Mindanao drei Kliniken. Dr. Häussermann besuchte aber auch Menschen, die in abgelegenen Regionen leben, wie zum Beispiel verschiedene Ureinwohner. Dafür gilt es, lange und schlechte Wege zu bewältigen. Nicht selten sind die Helfer eine, eineinhalb Stunden unterwegs zu ihren Patienten und müssen deshalb zwischen fünf und sechs Uhr morgens aus den Federn. Eine Organisation vor Ort hilft bei der Bekanntmachung der Termine. Zwischen 60 und 100 Patienten erwarteten Dr. Häussermann für gewöhnlich, es waren aber auch schon 250. Teils hatte die Menschen noch nie ein Arzt besucht. Der Besuch eines Mediziners ist ein Ereignis. „Die Menschen freuen sich schon sehr, wenn wir kommen.“ Für den Arzt machen sich die Patienten fein. „Das beste Stück wird dann herausgesucht.“

„Unterernährung ist ein großes, großes Problem“


Die Behandlung von Tuberkulose ist ein Schwerpunkt der Ärzte, ebenso die Sorge für unterernährte Kinder, mit allen körperlichen und geistigen Folgen. Einheimische Familien haben durchaus zwischen acht bis zwölf Kinder und können sie teils nicht ernähren, weiß Dr. Häussermann. „Unterernährung ist ein großes, großes Problem.“ Die Tuberkulose, weit verbreitet, resultiert aus der Armut, aus Problemen mit Ernährung, Hygiene und beengten Wohnverhältnissen.

„Mit einfachen Mitteln kannst du dort unglaublich helfen“

Aufklärung tut also in vielerlei Hinsicht not. Deshalb ist bei jedem Vor-Ort-Besuch Zeit für Erläuterungen, auch zu Themen wie Impfungen, Krätzebehandlung oder Ernährung eingeplant.

So erzählen die Fotos von Dr. Häussermann von den Hilfseinsätzen zwar von ernsten Krankheiten und schwierigen Problemen. Sie zeigen aber auch eine andere, ursprüngliche Seite des Lebens, fröhliche, spielende Kinder, Besucher, die mit dem Wasserbüffel geritten kommen, wunderbare Naturstimmungen, Mütter, die bei der Behandlung der Kinder dankbar lächeln.

Der Einsatz für die Menschen gibt dem Helfer viel. „Als Arzt freust du dich. Mit einfachen Mitteln kannst du dort unglaublich helfen.“ Darum ist sich Dr. Häussermann sicher: Wenn’s die Gesundheit zulässt, soll es nicht sein letzter Einsatz auf den Philippinen gewesen sein.

Ärzte behandeln täglich 3000 arme Menschen

Die „German Doctors“ begannen vor 30 Jahren mit der medizinischen Grundversorgung von Menschen aus den Slums in Kalkutta und Manila. Mit den Jahren baute der eingetragene Verein in weiteren Ländern Projekte auf, um neben einer basismedizinischen Versorgung auch Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Aids und Malaria zu behandeln. Mit diesem Ziel werden deutsche Ärzte in die Armutsgebiete der Projektländer gesandt.

Jahr für Jahr reisen inzwischen rund 360 „German Doctors“ ohne Vergütung auf die Philippinen, nach Bangladesch, Kenia, Sierra Leone, Nikaragua und Indien. Täglich behandeln sie mehr als 3000 Menschen, kümmern sich mit einheimischen Mitarbeitern um Gesundheitsvorsorge, ausreichende Ernährung und die Ausbildung benachteiligter Menschen.

Wer die Arbeit der „German Doctors“ insbesondere bei der Betreuung der Taifunopfer unterstützen möchte, kann an folgende Bankverbindung spenden: EKK-Bank, Kontonummer: 4 88 888 0, Bankleitzahl 520 604 10.

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