Plüderhausen Gabriele Kuby: Homosexualität ist eine Sünde

Gabriele Kuby, Soziologin und Publizistin. Foto: dpa

Plüderhausen. Heftiges Aufsehen erregt schon im Vorfeld der Auftritt von Gabriele Kuby am Samstag in Plüderhausen. Die katholische Publizistin gilt als verehrte Galionsfigur der konservativen – Kritiker sagen: fundamentalistischen – Christen-Szene. Kuby wurde vor allem bekannt für ihre harsche Ablehnung der Homosexualität.

Die katholische Publizistin Gabriele Kuby, Jahrgang 1944, ist eine eloquente und äußerst meinungsstarke Frau – legendär ist ihr Auftritt in der Talkshow von Markus Lanz. Sie saß dort direkt neben dem homosexuellen Katholiken David Berger, und der lauschte mit recht entgeistertem Gesichtsausdruck folgendem Dialog. Frage Lanz: „Ist Schwulsein eine Sünde?“ Antwort Kuby: „Ja natürlich ist es 'ne Sünde.“

Später ruderte sie teilweise zurück mit der Begründung, Lanz habe ihr da was „in den Mund gelegt“: Sünde sei nur das „Ausüben der homosexuellen Sexualität“. Mit anderen Worten: Ein Schwuler, der keusch lebt, sündigt nicht. Im Übrigen sei „jede Form von Sexualität außerhalb der Ehe“ nun einmal „Unzucht“.

In Interviews hat Kuby angedeutet, dass sie Homosexualität für heilbar hält – es gebe in manchen Fällen „einen therapeutischen Weg“, um die „Blockierung der heterosexuellen Anziehung aufzulösen“. Zwar könne „niemand seine Hautfarbe ändern“ – der „Umgang mit der Sexualität“ aber sei eine „moralische Frage“, für deren Beantwortung der Mensch „Selbstbeherrschung und die Unterscheidung zwischen Gut und Böse lernen muss“.

Kuby sagt (alle folgenden Zitate stammen von ihrer Homepage www.gabriele-kuby.de): Die Deutschen seien ein „aussterbendes Volk“, weil sie Sexualität und Fruchtbarkeit „systematisch entkoppelt“ hätten. Die Publizistin scheint darüber hinaus von einer Art weltweiter Verschwörung auszugehen, sie selbst nennt es eine „globale Top-Down-Revolution“, eine „kulturrevolutionäre Strategie der Homo-Lobby“: Es gehe dabei um die „Aufhebung aller sexuellen Normen“, was die Familie zerstöre, massenhaft „Angst“ und „Depression“ bewirke und letztlich dazu führe, dass Kinder und Jugendliche verhaltensauffällig würden, „schlagen, lügen, betrügen und stehlen“. „Soziales Chaos“ sei die Folge einer „staatlichen Sexualisierungspolitik“, die sich zwar auf den Geist der Aufklärung und Vernunft berufe – aber diese Vernunft sei die „Hure der Begierde“.

Die „homosexuelle Agenda“, die das Ziel verfolge, die „heterosexuelle Prägung“ unserer Kinder „aufzulösen“, werde „von den mächtigsten Institutionen dieser Erde mit aller Macht vorangetrieben“. Kuby prangert in diesem Zusammenhang nicht nur die Vereinten Nationen und die Europäische Union an und auch nicht nur die Familienberatungsstelle Pro Familia („ein staatlich subventioniertes Abtreibungsunternehmen“) – beteiligt am Zersetzungsprogramm sieht Kuby auch ausdrücklich: die Arbeiterwohlfahrt. Das Deutsche Rote Kreuz. Die evangelische Diakonie. Die katholische Caritas. Und den Sozialdienst katholischer Frauen.

Denn all diese Einrichtungen unterhöhlen laut Kuby mit „sexualpädagogischen“ Angeboten „die personalen Voraussetzungen des Glaubens“. Ein Aufsatz von Kuby trägt den Titel „Wenn Kirchen und Gottesgelehrte den Plan Gottes durchkreuzen“.

Gegen diesen „Angriff auf das Wertefundament“ der „europäischen Hochkultur“ wünscht sich die Publizistin „Widerstandsgruppen von Eltern und Verbänden“ und christliche „Kaderschmieden“.

„Rems-Murr nazifrei“ kritisiert „homophobe Propaganda“

Endlich eine, die wortmächtig gegen den totalitären Gesinnungs-Mainstream der linken Medien aufbegehrt – so sehen es nicht wenige. Regelmäßig erntet Kuby allerdings auch Widerspruch. Eine Rezensentin der konservativen „Frankfurter Allgemeinen“ schrieb nach dem Lesen eines Kuby-Buches, sie „schaudere“ angesichts dieses „Konglomerats von falschen Voraussetzungen, Fehlschlüssen und Ressentiments. Vor der homophoben Polemik prallt man zurück.“ Etwas weniger freundlich drückte sich mal die linke Tageszeitung taz aus: Kubys Ansichten seien „saudumm“.

Die Initiative „Rems-Murr nazifrei“ bezeichnet in einem offenen Brief Kubys Plüderhäuser Auftritt am Samstag als „homophobe, ewig gestrige Propagandaveranstaltung“ von „christlichen Fundamentalisten“. Kuby betreibe die „Diskriminierung anderer Lebensformen“ und verwende „dabei oft Ideologieelemente aus der extremen Rechten“ – insbesondere, wenn sie warne, „die Deutschen“ seien ein „sterbendes Volk“. „Rems-Murr nazifrei“ fühlt sich hier an die „völkische Denkweise des sogenannten Volkstodes“ erinnert. Diese Lehre besage, dass „das deutsche Volk durch Migranten und nicht-heterosexuelle Menschen gefährdet“ werde, „da Homosexuelle keine Kinder bekommen können und MigrantInnen viele Kinder bekämen“.

Zusammengefasst: Gabriele Kuby elektrisiert sowohl Verehrer als auch Ächter – mit einer gut gefüllten Halle am Samstag in Plüderhausen ist zu rechnen.

Vortrag
Gabriele Kuby hält in Plüderhausen auf Einladung der freikirchlichen Gemeinde „Christliches Zentrum Life“ am Samstag, 14 Uhr, in der Wilhelm-Bahmüller-Straße 12 eine Lesung und um 19.30 Uhr in der Staufenhalle einen Vortrag zum Thema „Gender“.

Böser Harry Potter
Gabriele Kuby ist die Tochter eines berühmten Journalisten: Erich Kuby (1910 bis 2005) galt als das „linke Gewissen“ der jungen Bundesrepublik, schrieb für Spiegel, Stern und Süddeutsche und hatte internationalen Erfolg mit seinem Roman „Rosemarie. Des deutschen Wunders liebstes Kind“ (auch bekannt und verfilmt unter dem Titel „Das Mädchen Rosemarie“). Erich Kuby thematisierte darin den ungeklärten Mord an der Frankfurter Edel-Prostituierten Rosemarie Nitribitt und beleuchtete ausgesprochen kritisch die sexuelle Doppelmoral der konservativen Wirtschaftswunderzeit.

Gabriele Kuby erregte beträchtliches Aufsehen mit ihrer radikalen Kritik an den Romanen um Harry Potter: Die Buchreihe sei ein „globales Langzeitprojekt zur Veränderung der Kultur“, zersetze die „Unterscheidungsfähigkeit des Lesers zwischen Gut und Böse“ mit Hilfe von „emotionaler Manipulation“, verführe die „junge Generation zur Magie“, zerstöre systematisch den „Glauben an einen liebenden Gott“ und „widerspricht dem Geist unserer Verfassung“. Kuby findet: „Jeder, dem an Meinungsvielfalt gelegen ist, sollte sich gegen die Massenverblendung und Meinungsdiktatur“ durch dieses „gigantische Multimedia-Unternehmen“ unterm Harry-Potter-Logo „zur Wehr setzen“.

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