Plüderhausen Gefährlich: Brennende Solarmodule

Am Sonntag ist in Plüderhausen eine Fotovoltaikanlage in Brand geraten. Der Alarm kam sehr schnell. Die Feuerwehr konnte deshalb verhindern, dass sich das Feuer stark ausbreitet. Die Brandursache ist noch unklar. Foto: Habermann / ZVW

Waiblingen/Plüderhausen. Brennt eine Fotovoltaikanlage, ist besondere Vorsicht geboten. Es fließt Strom, die Module können bersten und giftige Stoffe freisetzen. Der jüngste Brand einer solchen Anlage am Sonntag in Plüderhausen ging noch mal glimpflich ab.

Der Brand im Dürerweg in Plüderhausen ist recht schnell entdeckt worden, weshalb die Feuerwehr das Feuer schnell eindämmen konnte, berichtet Dominik Ströhlein. Der stellvertretende Kommandant der Feuerwehr Plüderhausen hat den Einsatz am Sonntag geleitet. Dank des sehr schnellen Alarms seien am Brandort lediglich die üblichen Gase entstanden. Beim Brand einer Fotovoltaikanlage müssen die Feuerwehrleute mit zusätzlichen giftigen Gasen rechnen, bedingt durch die Materialien, die in einer solchen Anlage verbaut sind. Vorsicht ist zudem geboten, weil Solarmodule bersten und nach unten stürzen können.

Noch viel größeres Unbehagen löst die hohe elektrische Spannung in Verbindung mit Löschwasser aus. Die Spannung kann an solch einer Anlage leicht bis zu 900 Volt erreichen, und man kann sie nicht einfach abschalten. Abstand halten, das ist die wichtigste Regel, die Feuerwehrleute in diesen Fällen einhalten müssen. Setzen sie beim Löschen einen Sprühstrahl ein, reicht ein etwas geringerer Abstand als beim Vollstrahl. Es ist lebensgefährlich, sollte ein Feuerwehrmann einen Wasserstrahl aus zu geringer Entfernung direkt auf Solarmodule richten. Im schlimmsten Fall schließt sich ein Stromkreis und der Feuerwehrmann, vielleicht selbst nass vom Löschen, wird unter Strom gesetzt.

Selbst Mondlicht kann zu hoher Spannung führen

Nachts, wenn die Sonne nicht scheint, sinkt die Gefahr nicht. Selbst künstliche Beleuchtung der Solarmodule oder Mondlicht können lebensgefährliche Spannungen erzeugen, heißt es in einem Infoblatt der Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg. Zudem können Lichtbögen entstehen, etwa wenn jemand Anlagenteile nicht richtig trennt. Innen im Haus ist, sofern eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach installiert ist, mit weiteren Gefahren zu rechnen. Stromführende Bauteile der Fotovoltaikanlage und Ansammlungen von Löschwasser vertragen sich nicht. Stromschlag droht. Bewohner, Rettungskräfte und Feuerwehrleute müssen also viel vorsichtiger vorgehen, wenn sich auf dem Dach eine Fotovoltaikanlage befindet, als ohnehin bei einem Brand angezeigt ist. „Elektrofachkraft hinzuziehen“ – das steht als weitere Handlungsanweisung in den Regelwerken der Feuerwehrleute.

Im Internet kursieren Meldungen, wonach Feuerwehren schon Häuser mit Fotovoltaikanlage kontrolliert haben abbrennen lassen, statt das Feuer zu löschen, weil das Löschen zu gefährlich war. Solche Nachrichten geistern herum, bestätigt Jürgen Bruckner von der Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz am Landratsamt. Mag sein, dass es solche Fälle gegeben habe, als Fotovoltaikanlagen neu aufkamen, mutmaßt Bruckner. Mittlerweile seien die Feuerwehren längst mit der Thematik vertraut und könnten damit umgehen, sprich: Ein brennendes Haus mit Fotovoltaikanlage wird „ganz normal“ gelöscht. Die besonderen Gefahren bei solchen Bränden lernen die Feuerwehrleute in der Ausbildung kennen. Im Rems-Murr-Kreis sind solche Brände bisher „sehr selten“ vorgekommen, sagt Jürgen Bruckner. Oft seien dann auch gar nicht die Fotovoltaikanlagen die Auslöser des Brandes. Im Plüderhäuser Fall ist noch unklar, weshalb die Fotovoltaikanlage in Brand geraten ist. Die Polizei ermittelt. Von mehreren Zehntausend Euro Sachschaden war bereits am Montag die Rede.

Unabhängig von der Brandursache bezahlt die Gebäudebrandversicherung den Schaden, beruhigt Sylvia Knittel, Pressesprecherin bei der Sparkassenversicherung. Allerdings ist die Fotovoltaikanlage nicht automatisch mitversichert; für diese Anlagen bieten die Versicherungen Extrapolicen an. Die Gebäudebrandversicherung deckt rein den Schaden am Gebäude ab.

Natürlich möchte ein Hausbesitzer im Brandfall sein Eigentum retten. Wichtiger ist sein Leben. Deshalb empfiehlt die Feuerwehr natürlich, sich im Brandfall schnell in Sicherheit zu bringen und so fix wie möglich die Feuerwehr zu rufen. Dominik Ströhlein hält Mithilfe in ganz anderer Form für sinnvoll: Erwartet jemand die Feuerwehr gut sichtbar an der Straße und geleitet sie schnell zum Brandort, ist allen geholfen.

Mehr Brände sind zu erwarten

Es sind am Markt verschiedene technische Lösungen erhältlich, mit deren Hilfe man im Brandfall eine Fotovoltaik(PV)-Anlage spannungsfrei schalten und damit die Gefahren mindern kann.

Zur Frage, ob Fotovoltaikanlagen das Brandrisiko erhöhen, gibt es widersprüchliche Aussagen. In einem Leitfaden zur Bewertung des Brandrisikos in Fotovoltaik-Anlagen vom März 2015 heißt es als Fazit von Brandfallanalysen: „Es ist absehbar, dass in den kommenden Jahren ein deutlicher Anstieg von Bränden durch PV-Anlagen zu erwarten ist. Mit zunehmender Alterung der Materialien werden Isolationsfehler, Kontaktprobleme und Übergangswiderstände zunehmen. Unter ungünstigen Bedingungen können diese Fehler einen Brand auslösen.“ Herausgeber des Leitfadens sind der TÜV Rheinland, das Bundesumweltministerium und das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme.

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