Plüderhausen Gemeinderat beschließt Gartenschau-Projekte

Plüderhausen. Ein schönerer Spielplatz auf dem Marktplatz und einen Treffpunkt für Generationen, eine Bühne an der Rems, eine Promenade am Fluss und weitere Verschönerungen erhält Plüderhausen im Zuge der Remstal-Gartenschau. Mit diesen weitreichenden Maßnahmen hat sich der Gemeinderat mehrheitlich einverstanden erklärt, einige Räte taten’s nicht ohne Bauchweh wegen der Kosten.

Einer der Bürgervertreter, den die Kostenfrage umtrieb, war Klaus Harald Kelemen. „Wir machen hier sehr viele Dinge, die ich sehr gut finde“, sagte der SPD-Rat zu den Planungen für die Gartenschau, über die in der Sitzung zu entscheiden war (siehe unten). Kelemen sprach von den gesamten Gartenschau-Investitionen und nannte eine hohe Zahl. „Davon war beim Beschluss der Teilnahme nicht die Rede.“ Die Zahlen hätten von Anfang an im Raum gestanden, wandte der Bürgermeister ein. Kelemen fuhr fort: „Es treibt mich die Sorge um“.

Kelemen: „Unsere Gartenschau ist zu einseitig ausgerichtet“

Er verwies auf Wohnbau in Schorndorf, darauf, dass man die Innenstadt attraktiv für Geschäfte erhalten sollte sowie auf Angebote für Kinder und Jugendliche. „Unsere Gartenschau ist zu einseitig ausgerichtet“, fand der SPD-Rat. Die Leute wollten den Steg hinter den Hütten nicht, sagte er zur Wegführung eines Teils der geplanten Promenade an der Rems. Er riet zu überlegen, an einzelnen Gewerken oder der Platzsituation weniger zu machen. Außerdem sei der Bereich ums Alte Rathaus nicht schlüssig.

Alle Gartenschau-Maßnahmen belaufen sich auf 2,1 Millionen Euro

Er habe „immer mehr Probleme mit der Art und Weise, wie Sie hier argumentieren“, sagte der Bürgermeister. „Sie machen unseren Ort schlecht.“ Andreas Schaffer ging auf die Vorhaben zur Gartenschau in Schorndorf ein und sagte zu den von Kelemen genannten Kosten: „Die Zahlen stimmen aus unserer Sicht nicht.“ Alle Gartenschau-Maßnahmen belaufen sich auf 2,1 Millionen Euro, sagte der Bürgermeister. Schaffer meinte weiter zu Angeboten für Jugendliche: „Im Jugendhaus erleben wir gerade eine dynamische Entwicklung“. Der Weg der künftigen Remspromenade hinter den Hütten entlang sei im Arbeitskreis Bürgerbeteiligung geboren worden. „Der Weg kommt sehr gut an“, betonte Schaffer, hatte aber Verständnis für die Nachbarn. „Man muss sich mit ihnen zusammensetzen.“

Schiek: „Das Geld können wir ausgeben, aber auf keinen Fall mehr“

Erich Wägner hielt fest: „Wir wollen heute nicht noch mal diese Grundsatzdiskussion.“ Natürlich sei man dazu aufgerufen, mit Steuergeldern sparsam umzugehen, vor allem aber sinnvoll umzugehen, so der GLU-Rat. „Wenn das nicht sinnvoll ist, dann weiß ich auch nicht“, meinte Wägner zu den Gartenschau-Investitionen.

„Es ist eine Investition in unseren Ort. Wir müssen etwas machen, wir können etwas machen. Machen wir es auch“, befand Reiner Schiek. Er sorgte sich indes, dass Kosten nicht enthalten sein könnten, und erinnerte an die Verschuldung der Gemeinde und die Haushaltslage. „Das Geld können wir ausgeben, aber auf keinen Fall mehr“, hielt Schiek fest und regte eine getrennte Abstimmung zu den Maßnahmen am Alten Rathaus und am Marktplatz an.

Die Gartenschau sei ein Initial

„Ich möchte noch mal werben für das Projekt, unseren Ortskern aufzuwerten“, so Dr. Thomas Häussermann (FW-FD). Die Gartenschau sei ein Initial. „Das wird überwiegend positiv gesehen. Die Leute freuen sich darauf, dass endlich etwas passiert.“ Der FW-FD-Rat hieß die Planungen gut, das Alte Rathaus sei ein architektonisches Juwel, „für mich ist dieser Plan stimmig“.

Thomas Reißig (SPD) hatte Verständnis für „Bauchschmerzen“, fand aber: „Wenn wir das nicht machen, sind wir doof.“ Die Summe sei riesig. Aber: „Diese Sache jetzt hier zu stoppen, wäre ein Riesenfehler.“

Markus Proschka (CDU) erinnerte daran, dass die Gemeinde auch weiterhin noch andere Aufgaben habe. Er sei skeptisch gewesen bei der Gartenschau, wolle aber im Ortskern etwas machen, sagte Proschka unter anderem.

„Wir investieren jetzt in den Ortskern“

Susanne Pfeiffer schloss sich ihrem Vorredner an. „Das Projekt sollte fast gar nicht mehr unter Gartenschau laufen. Das ist eine Ortskernsanierung.“ Es gebe Zuschüsse aus dem „Gartenschau-Topf“. „Wir investieren jetzt in den Ortskern“, unterstrich die CDU-Rätin. Dafür werde sie stimmen, vielleicht werde sie aber bei anderen Punkten nicht mehr zustimmen.

„Es ist schon auch die Gartenschau“, meinte Andreas Schaffer und verwies auf die Fördermittel für das Remstal. „Das ist eine Wahnsinns-Wertschöpfung. Da müssen wir ein Stück mitgehen.“

Betha König (GLU) würdigte die Bürgerbeteiligung zur Gartenschau. „Es waren so super Ideen dabei.“ Kritische Stimmen seien auch legitim. Aber: „Überwiegend kriege ich immer positive Reaktionen.“

Thomas Schwenger (FW-FD) riet, die Ausschreibung zu machen und dann bei den Angeboten zu schauen, was man sich leistet. „Es gibt auch Projekte nach der Gartenschau“, so Schwenger. Er zeigte sich aber zuversichtlich: „Wir schaffen das.“

Kelemen beantragte, die Kosten auf eine Million Euro zu deckeln

Michael Gomolzig (CDU) meinte: „Als wir bei der Gartenschau überzeugt werden sollten, war es die Gartenschau der Bürger, Vereine, Wirte. Mittlerweile ist aus der Euphorie ein ganz schönes Geschäft geworden.“ Er sehe „die gute Absicht“, so Gomolzig. Doch: „Es kostet alles Geld. Man hört auch kritische Stimmen.“ Auch der CDU-Rat erinnerte an die Gemeindefinanzen. „Hier will niemand Stimmung machen“, versicherte Klaus Harald Kelemen. Er sei für Plüderhausen und die Gartenschau. Aus kaufmännischen Gründen habe er Probleme mit der Summe, zu der es zu beschließen galt. Er beantragte, die Kosten für die Neugestaltung der Ortsmitte auf eine Million Euro zu deckeln.

13 Räte votierten für die Maßnahmen, drei waren dagegen

„Wir wollen alle dasselbe Ziel erreichen“, meinte Claudia Jensen (FW-FD). „Es ist auch unsere Aufgabe, den Gemeindehaushalt anzuschauen.“ Sie kündigte ihre Zustimmung an. „Aber bitte vergesst nicht, dass es nach 2019 in Plüderhausen ganz normal weitergeht.“

Die Räte lehnten schließlich die Anträge, über die Maßnahmen an Rems und Marktplatz getrennt abzustimmen und die Kosten der Maßnahmen auf eine Million Euro zu deckeln, mehrheitlich ab. Für die vorgeschlagene Aufwertung der Ortsmitte im Bereich Brückenstraße, Marktplatz und Rems votierten letztlich 13 Räte, drei waren dagegen, einer enthielt sich.

Vom Spielplatz bis zur Promenade: Die Planung

Die Kostenschätzung für die beschlossenen Maßnahmen zur Aufwertung der Ortsmitte im Bereich Brückenstraße, Marktplatz und Rems belaufen sich auf 1,14 Millionen Euro. Dafür bekommt die Gemeinde Zuschüsse von 240 000 Euro.

Im Einzelnen soll der Spielplatz auf dem Parkdeck am Marktplatz aufgewertet werden und verschiedenen Altersgruppen Spielmöglichkeiten bieten. Es sollen eine Pergola-Konstruktion und Sonnenschutzsegel entstehen. Hochbeete sollen den Bereich auflockern und optisch mit der geplanten Straßengestaltung der Straße „Am Marktplatz“ verknüpfen. Eine Boule-Anlage und Schachtische sprechen eher die Älteren an. Insgesamt soll der Bereich künftig allen Generationen ein Treffpunkt sein.

Der Marktplatz soll seine Grundstruktur behalten. Die Kugel-Robinien werden ausgetauscht, sie haben Schäden. Für sie sollen Eisenholz-Bäume gepflanzt werden.

Um den Bereich an der Rems mit Mittlerer Brücke, der Remsstraße bis zum Alten Rathaus, Brückenstraße und Straße „Am Marktplatz“ optisch zu verbinden, sollen die Fahrbahnflächen gelblich beschichtet werden. Das Areal des „Alten Rathauses“ soll etwas abweichend farblich gestaltet und hervorgehoben werden.

Die Achse vom Marktplatz zur Mittleren Brücke soll betont werden durch die Fortführung des „Grünen Bands“ aus Säulenhainbuchen. Auch bepflanzte Hochbeete mit Sitzgelegenheiten sind im Straßenraum gestaltend geplant.

Als dauerhaftes Bauwerk in der Remsböschung ist eine Bühne unterhalb der Einmündung des Mühlkanals gegenüber dem Schlossweg geplant, und zwar im Bereich der Bühne von „Rems in Flammen“. Sie ist gedacht für Musikdarbietungen, bei denen es laut werden kann. „Eine dauerhafte Bühne am Schlossweg ist aufgrund der Hochwassergefahrenkarten wasserrechtlich problematisch“, hält die Gemeinde in den Sitzungsunterlagen fest. Es sollen Möglichkeiten besonders für Darbietungen ohne Beschallungsanlage am Schlossweg erarbeitet werden.

Zwischen „Altem Rathaus“, Mittlerer Brücke und Rems ist’s schön. Die „natürliche Aufenthaltsqualität“ soll weiter gestärkt werden, so die Unterlagen. Mit einer Promenade auf der Remsböschung soll der Fluss besser erlebbar werden. Das historische „Alte Rathaus“ soll ein Schwerpunkt im Gesamtbild werden. Der öffentliche Bücherschrank rückt 20 Meter weiter in einen gestalteten Gartenbereich. In den Plänen sind auch eine Skulpturenwiese, ein Bauern- und ein Remsgarten zu finden.

Der Wasserspielplatz soll gestalterisch hervorgehoben werden.

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