Plüderhausen Große Ideen für Plüderhausen

Bürgermeister Andreas Schaffer führte die Studenten am Beginn der Woche zu den Plüderhäuser Problemzonen. Foto: Palmizi / ZVW

Plüderhausen. Vier Tage lang war eine Studentengruppe in Plüderhausen kreativ tätig. Die angehenden Landschaftarchitekten machten sich Gedanken über die Ortsmitte, ihren Bezug zur Rems und darüber, wie sich der Bahnhof zu einem einladenderen Ort machen lässt. Noch sind ihre Entwürfe in einem frühen Stadium, aber Bürgermeister Schaffer sieht durchaus Anstöße, die die Gemeinde aufgreifen könnte.

Der Plüderhäuser Feuerwehrsaal war diese Woche das kreative Zentrum des Orts. 16 junge Köpfe, Landschaftsarchitektur-Studenten aus Nürtingen hatten dort ihr Lager aufgeschlagen und brüteten über stadt- und landschaftsplanerischen Entwürfen. Die Aufgabe, die die Gemeinde zusammen mit ihrem Professor Hubert Möhrle gestellt hatte: Ideen zu entwickeln für die Ortsmitte, das Remsufer und den Bahnhof, im Hinblick auf die Gartenschau 2019, aber auch darüber hinaus für ein lebenswerteres Plüderhausen.

Was da im Feuerwehrsaal an Stellwänden und auf Tischen zu sehen war, das waren durchaus große Entwürfe. Die Gruppe von Elena Nimmreiter zum Beispiel machte sich Gedanken, wie man mehr aus dem Remsabschnitt am Alten Rathaus machen könnte. Ihre Idee: Die Remstraße muss an der Stelle verlegt werden, damit direkt am Wasser Platz ist für einen kleinen Park. Die Verwegenheit dieses Vorschlags zeigt: Die Studenten hatten für ihre Entwürfe alle Freiräume.

Studenten stehen kurz vor dem Abschluss ihres Studiums

„Es darf bewusst Visionen geben“, sagt Hubert Möhrle. Der Landschaftsarchitekt, dessen Büro unter anderem das neue Menschenaffenhaus in der Wilhelma geplant hat, hat viel Erfahrung in seinem Metier. Die Machbarkeit und finanzielle Aspekte seien für den Workshop mit den Studenten zunächst zweitrangig, sagt er. Wenn die Gemeinde sich entscheide, einzelne Ideen weiterzuverfolgen, müssten die selbstverständlich von einem Profi durchgeplant werden.

Das heißt aber nicht, dass die Studenten völlige Anfänger wären. Sie sind im achten Semester, das heißt, im letzten ihres Bachelorstudiums, und haben alle Praktika als Landschaftsarchitekten absolviert. Der Kontakt zwischen der Gemeinde und Professor Möhrle kam über die Remstal-Gartenschau GmbH zustande, deren Aufsichtsrat der Landschaftsarchitekt als Vorsitzender des Berufsverbands „BW Grün“ angehört, der Förderungsgesellschaft für die Landesgartenschauen. Die Gartenschau ist ein wichtiger Aspekt der Überlegungen der Studenten, sie sollten aber weiter denken. Hubert Möhrle kann sich vorstellen, dass daraus eine „Vision 2030“ für Plüderhausen entsteht, also ein Konzept, wie sich der Ort stadtplanerisch weiterentwickeln kann. „Man muss immer zunächst mal groß denken“, so Möhrle. Für alle Gemeinden wäre es seiner Ansicht nach wichtig, ein Konzept für die Entwicklung zu haben und alle Investitionen an dieser Leitplanung auszurichten. Und zu einer modernen Planung gehöre immer auch eine Bürgerbeteiligung. Insofern darf sich Plüderhausen ja mit dem Arbeitskreis Bürgerbeteiligung auf dem richtigen Weg sehen.

In der Gestaltung der öffentlichen Flächen sehen der Professor und die Studenten in der Gemeinde viel Luft nach oben. Im Fokus war dabei auch der Bahnhof. „Dessen Umfeld ist ziemlich desaströs“, so Hubert Möhrle. Dabei sei der Bahnhof ja das zentrale Eingangstor nach Plüderhausen, wenn Besucher zur Gartenschau kommen. Diese Erkenntnisse sind nun nichts Neues für die Plüderhäuser, aber bei den Ideen der Studenten sieht Bürgermeister Andreas Schaffer gerade an der Stelle „gute Anregungen“. Manche wollen zum Beispiel den Bahnhof „grün einpacken“.

Richtig konkrete Ergebnisse gibt es jetzt zunächst noch keine, die Woche in Plüderhausen war ein Workshop, der vor Ort die Grundlagen schaffen sollte, mit denen die Studenten in den nächsten Wochen weiterarbeiten. Ende April sollen die fertigen Entwürfe dann einer Jury aus Verwaltung, Gemeinderäten und Mitgliedern des Arbeitskreises Bürgerbeteiligung vorgestellt werden.

Was eventuell aufgegriffen wird, das wird wohl auch davon abhängen, was der Gemeinderat bereit ist, an finanziellen Mitteln lockerzumachen. Bürgermeister Schaffer geht auf jeden Fall davon aus, dass einige Punkte die Diskussion um bestimmte Themen vorantreiben werden. Konkret nennt er einen Entwurf für den freien Platz am Seniorenzentrum, der durch den Abriss der Bahmüller-Schmiede entstanden ist. Eine Studentengruppe hat dafür eine Art Plattform geplant, die das stark abschüssige Gelände so anhebt, dass die Altenheim-Bewohner ebenerdig zu einem Aufenthaltsbereich dort kommen. Das habe auch der Profi-Planer mit Wohlwollen betrachtet, der für die Gemeinde bereits ein Auge auf die Gestaltung des Badesees für die Gartenschau wirft, so berichtet Andreas Schaffer.

Gartenschau

Hubert Möhrle, der auch im Aufsichtsrat der Gartenschau-GmbH sitzt, sieht eine Landesgartenschau als große Chance, eine Gemeinde stadtplanerisch voranzubringen. Das sehe man in Schwäbisch Gmünd.

Besonders spannend, zugleich aber auch völliges Neuland, sei es, ein Konzept zu finden, das 16 Kommunen verbindet. Dieser rote Faden werde derzeit geknüpft: „Da weiß man in zwei, drei Monaten wesentlich mehr.

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