Plüderhausen Im Notfall fährt das Boot auf der Schiene

Plüderhausen.
Hinten fährt der Interregio ein, vorn wird ein Boot auf die Schiene gesetzt: Ja, sieht man denn richtig? Doch. Die Plüderhäuser Feuerwehr hat ein neues, sehr vielseitiges Rettungsgerät bekommen. Am Gleis und im Badesee präsentiert sich der Neuzugang als pfiffig durchdacht und leicht handhabbar, gerade richtig, falls seine Dienste bei Badeunfällen, Hochwasser oder Zugturbulenzen benötigt werden.

Ein Zug kommt nicht weiter, die Klimaanlage fällt aus, bald herrschen im Inneren tropische Temperaturen. Die Reisenden sollen evakuiert werden. Doch wie gelangt die ältere, gehbehinderte Dame über das Gleisbett sicher in den Bahnhof? Hilfe bietet in einem solchen Fall das neue Rettungsboot, über das die Feuerwehr Plüderhausen seit kurzem verfügt. Denn das kann, versieht man es mit Spurkranzrädern für die Schienen, auf dem Gleis an den Zug herangefahren werden. Und mit wenigen Handgriffen lässt sich aus Holzdielen eine Treppe einrichten, über die die Passagiere sicher ins Boot gelangen könnten.

Boot kann zu Hilfe eilen, falls wer nicht schwimmen kann

So könnte ein möglicher Einsatz des neuen Rettungsboots aussehen. Aber natürlich ist es auch für Notfälle wie Hochwasser oder die Rettung am Badesee vorgesehen. Hier zeigt sich der Neuzugang sehr vielseitig. Er kann zu Hilfe eilen, falls wer nicht schwimmen kann, insbesondere an den Tagen, an denen die DLRG-Helfer nicht vor Ort sind. Falls die gesuchte Person nicht mehr zu sehen, eventuell schon unter Wasser geraten ist, hat der sechs PS starke Motor einen Schutz, damit durch die Schraube niemand verletzt werden kann.

Im Winter, wenn der See gefroren ist und sich beispielsweise jemand zu weit aufs noch unsichere Eis gewagt hat, kann die Feuerwehr das Boot über das Eis schieben. Es hat nämlich Räder. Bricht das Eis unter ihnen, können sich die Feuerwehrleute ins Boot retten, und es schwimmt eben. Dank einem rund 200 Meter langen Seil lässt sich das Boot wieder an Land ziehen. „Man kann sich sicher fortbewegen“, fasst Kommandant Marc Angelmahr zusammen.

Im Notfall reicht ein Helfer, um das Boot zu Wasser zu lassen

Bei Hochwasser ist die Feuerwehr mit dem Boot ebenso mobil, um zum Beispiel Menschen aus ihren wasserumfluteten Häusern zu evakuieren.

Im Fall des Falles müssen auch Feuerwehrleute alles stehen und liegenlassen, um zum Einsatzort zu eilen, nicht alle arbeiten am Ort. Da ist es von Vorteil, dass das Alu-Boot verhältnismäßig wenig Gewicht auf die Waage bringt und von wenigen Helfern, im Extremfall auch nur von einem, zu Wasser gelassen werden kann, erklärt der Kommandant.

Bei größeren Einsätzen nimmt das Boot aber zwölf Personen auf und schwimmt noch. Luftkammern halten es stabil, es kippt zudem nicht. Weil es keinen besonderen Tiefgang hat, kann es ohne Vorrichtungen und auch an nicht dafür vorgesehenen Stellen ins Wasser gebracht werden. Schwimmwesten gibt’s für alle Fälle an Bord, Stechpaddel ebenso.

Das neue Rettungsboot hat 14 000 Euro gekostet. Mit dem Preis blieb die Feuerwehr leicht unter dem Haushaltsansatz. Glücklich fügte sich, dass es sich um ein Vorführboot der Firma handelt.

Auch bisher schon verfügte die Feuerwehr über ein Rettungsboot. Dabei handelte es sich aber um ein Schlauchboot, das 25 Jahre alt war. Damit es im Notfall gleich einsatzfähig war, stand es voll aufgepumpt in den Garagen des Feuerwehrhauses bereit. Allerdings ging immer wieder Luft schleichend verloren. Bereits vor einigen Jahren gab es die Diskussion, dass die Feuerwehr ein neues Boot brauchte, weiß Marc Angelmahr.

Viel Geld hatte die Gemeinde nicht. So wurde ein privates Boot gebraucht abgekauft, mit dem man einige Jahre zurechtkam. Das neue Rettungsboot wird nicht nur die Feuerwehr nutzen, es kommt auch dem Bauhof zupass. Dessen Mitarbeiter müssen auf den Badesee hinaus, um zum Beispiel die Absperrleinen des Nichtschwimmerbereichs zu spannen oder um im Herbst die Badeinseln einzuholen. Bisher fuhren sie mit dem Schlauchboot hinaus, künftig werden sie’s mit dem Nachfolger leichter haben.

Infos zum Rettungsboot bei Leitstelle hinterlegt

  • Eine „Schiffstaufe“ gab es zwar noch nicht, erzählt Feuerwehrkommandant Marc Angelmahr. Aber am Tag der Abholung haben die Floriansjünger mit einem Glas Sekt auf ihren Neuzugang angestoßen.
  • Das Rettungsboot wurde von Feuerwehrleuten persönlich in Remagen abgeholt, wo sich die Besucher auch ein Bild von der Firma, die es produziert hat, gemacht haben.
  • Ein Vierteljahr etwa hat’s gedauert, um Varianten für das Rettungsboot zu sichten und zu vergleichen, weiß Marc Angelmahr. Von Vorteil war auch, dass beim ausgewählten Boot ein Satz Spurkranzräder für den Schieneneinsatz mit im Preis enthalten war.
  • Die Plüderhäuser Feuerwehr hat dem Kreisbrandmeister gemeldet, dass sie über das neue Rettungsboot verfügt, hat dessen Vorteile geschildert und Bilder beigefügt. So ist’s auch bei der Leitstelle hinterlegt, damit im Notfall bekannt ist, wo auf das Hilfsmittel zugegriffen werden kann.
  • Die Plüderhäuser Feuerwehr erwartet Ende des Jahres noch ein neues sogenanntes Kleineinsatzfahrzeug. Es soll zum Beispiel für kleinere Einsätze, bei Hochwasser, zum Transport für Gerätschaften und Personen sowie als Zugfahrzeug für das Rettungsboot genutzt werden. Bisher gab es auch schon ein Kleineinsatzfahrzeug. Es kam gebraucht zur Feuerwehr und muss nun altershalber ersetzt werden. Es kam nicht mehr durch den TÜV.
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