Plüderhausen Kommt der Radweg zum Badesee?

Plüderhausen. Lange haben die Pläne des Aalener Architekten Ulrich Haag nicht in der Schublade geruht. Der vor drei Jahren dort reingeschobene Remsradwegplan tauchte jetzt anlässlich der Interkommunalen Gartenschau wieder auf. Im Plüderhäuser Gemeinderat war die Begeisterung klein. Der Bau bedingt weitere, freilich fällige Investitionen.

Vor vier Jahren hatte es im Plüderhäuser Gemeinderat hitzige Diskussionen um die Radwegtrasse gegeben, weil die Radler im nicht eben üppigen Liegewiesenstreifen zwischen Rems und Badesee direkt vorbei an den erholungssuchenden Badefreunden Richtung Lorch geführt werden sollten. Gleichwohl fand diese Trasse eine Mehrheit. 2009 folgte die Finanzkrise. Das Vorhaben wurde beerdigt. Man verzichtete erneut auf zugesagte Zuschüsse der Region. Dennoch weinte keiner dem Projekt eine Träne nach. Die Radler fuhren weiter die Bahmüllerstraße, die an vielen Stellen den Charme eines besseren Feldwegs versprüht und nicht erst seit der Erschließung neuer Gewerbebauplätze eines Ausbaus bedarf.

Renaturierung des Remsufers und Kanalverlegung kosten gut Geld

Nun lobt der Verband Region Stuttgart 2013 erneut Zuschüsse aus, die das Plüderhäuser Rathaus gerne mitnehmen würde. Indes: Der erste Radwegbauabschnitt von der Mühle bis zum Remswehr bedingt auch eine Renaturierung des Remsufers und die längst beschlossene Verlegung des Mühlkanals. Dabei ist die Gemeinde finanziell am Zug und ohnehin im Verzug. Denn es wäre auch der eh fällige Landschaftsausgleich für die neuen Gewerbeflächen. Der alte Kanal, der dem Ausbau der Bahmüllerstraße im Wege wäre, kann aber erst weichen, wenn ein neuer Kanal angelegt ist. Der Radweg soll, so Bauamtsleiter Dominik Merkes in seiner Sitzungsvorlage, erst später vom Remswehr bis zur Markungsgrenze geführt werden. Für den ersten Abschnitt könne es wieder eine Förderung durch den Verband Region Stuttgart geben, allerdings nur im Falle „einer verbindlichen Umsetzung seitens der Gemeinde, weil die Zuschüsse schon zweimal zurückgegeben wurden“. Insgesamt stehen für Uferumgestaltung und Kanal 386 000 Euro an Kosten im Raum und für den Radweg bis zum Wehr 157 000 Euro. Die Fortführung des Radwegs und die Aufwertung des unteren Mühlkanals würden das Säckel noch einmal mit 357 000 Euro belasten. Da 2019 das „Grünprojekt Rems“ ansteht, hielt der Plüderhäuser Bauamtsleiter Ausschau nach förderfähigen Projekten. Zum einen könnte Geld in die Mühlstraße fließen, zum anderen 2014 in den Radweg. Nach der Kanalverlegung und Uferrenaturierung.

„Die Remsrenaturnierung bleibt uns nicht erspart“, meinte Bürgermeister Andras Schaffer bei der Aussprache im Ratssaal und deutete an, dass er noch auf Zuschüsse hofft, unabhängig davon, ob’s eine Ausgleichsmaßnahme wäre. SPD-Fraktionschef Klaus Harald Kelemen nahm’s zum Anlass, den Vorschlag zu erneuern, die Radler am Lutzsteg aufs Nordufer hinüberzuführen. Einig sei man sich, den Radweg jetzt mal nur bis zum Wehr zu bauen. Ähnlich sah es GLU-Sprecher Erich Wägner. FW-FD-Kollege Marc Angelmahr befand, es genüge, für die Straßenentwässerung zu sorgen und den Mühlkanal zuzuschütten. Der Radweg sei zusätzlich. Dessen Folgen seien „immens“, eine Führung über den Uferweg auf der Nordseite besser.

Bürgermeister Schaffer mahnte, nun möge man „nicht wieder alles auf den Kopf stellen“. Über eine Brücke am Wehr könne man sich „noch mal Gedanken machen“. Dort gebe es zwei Auflager und theoretisch wäre ein Anschluss an den Uferweg dort denkbar. CDU-Fraktionschef Ulrich Scheurer erinnerte daran, dass die Verlegung des Mühlkanals immer wieder seit 1999 für aufgeregte Diskussion sorgte. Der Gemeinderat werde sich 2014 erklären müssen, ob er 2019 bei der Interkommunalen Landesgartenschau mitmacht. Diese Gartenschau stelle einerseits eine Chance dar, sie binde aber auch Mittel. Vielleicht könne man über sie am Bahnhof eine Barrierefreiheit erreichen. SPD-Kollege Kelemen ergänzte, dass die Gemeinde gezwungen sei zu den Ausgleichsmaßnahmen, weshalb es auch auf dem zu schaffenden Damm Platz für einen Radweg gebe. Man habe sich daher bewusst für eine südliche Radwegroute und gegen den Schlossweg und Uferweg entschieden, weil man verhindern wollte, dass bei den Kindern am Wasserspielplatz als „Papageien“ verkleidete Radler durchrasen. Vielleicht habe die Kommune ja mal die finanziellen Möglichkeiten für eine „Querung am Ostbahnhof“.

Zitate:

„Wenn wir 2014 bauen, brauchen wir nächstes Jahr 400 000 Euro für die Ufergestaltung. Wir setzen uns zeitlich unter Druck“

CDU-Rat Reiner Schiek.

„Die Gestaltung müssen wir zuerst machen“
Bürgermeister Schaffer.

„Wir sind hier nicht in der Pflicht, wir haben andere Baustellen. Nachher kriegen wir wieder a böses Briefle vom Landratsamt. Wenn wir anfangen, gibt es eine Mordsbaustelle. Was passiert, wenn wir nichts machen?“
Carlo Fritz, FW-FD.

„Bahmüller kommt ohnehin. Die nächste Kanalmaßnahme, die uns das Landratsamt aufs Auge drückt, wird die Bahmüllerstraße sein.“
Schaffer.

„Nun fangen wir wieder bei Christi Geburt an.“
Klaus H. Kelemen, SPD.

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