Plüderhausen Mit Meerjungfrau märchenhaft gefilmt

Einige Darsteller aus den beiden Kurzfilmen der Film-AG haben sich noch einmal am Badesee in Waldhausen getroffen: Unser Bild zeigt von links nach rechts Timo Jüptner, Meerjungfrau Katharina Hegemann, die kleine Lucy-Leah, Manuel Liebchen, Marco Grisafi und Madlen Kuhnle. Foto: Habermann / ZVW

Plüderhausen. Die Freude hallt in den Ferien nach: Bei einem Wettbewerb hat es die Film-AG der Hohbergschule gleich zweimal unter die besten Zehn geschafft: Für ihre moderne Kurzfilm-Version des Märchens „Sterntaler“ gab’s einen zweiten Platz, für den Beitrag „Die kleine Meerjungfrau“ einen neunten. Für den Dreh konnte gar ein solch märchenhaftes Meereswesen gewonnen werden.

„Es war einmal ein junges Mädchen“: Ganz klassisch beginnt der Kurzfilm der Schüler. Arm war es, ohne Vater, Mutter und Zuhause. Der Zuschauer sieht den Friedhof, traurige Musik erklingt. „Sterntaler - ein Märchen der Brüder Grimm“, wird als Titel eingeblendet.

Aber dann: Flotte Gitarrentöne à la James Bond folgen, ein Schlagzeug setzt ein, nun heißt es „Sterntaler 2.0 - Hohbergschule Plüderhausen“. Fort geht’s vom Friedhof hin zum Badesee in Waldhausen, wo Sterntaler, mit Basecap und Kapuzenjacke, ohne Geld von der Verkäuferin am Kiosk einen Donut bekommt. Dann schenkt es einem Mann, der nach einem Schock Haarausfall hat, seine Kappe, und einem Jungen, dem die Kleider gestohlen wurden, Jacke und Turnschuhe. Nachts im Wald fallen dann Sterne vom Himmel, die Sterntaler auffängt. „Es wurde steinreich“, informiert ein Sprecher, kaufte einen Lamborghini, ein Schloss und hatte bald kein Geld mehr. Kein Märchen ohne Moral: „Erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt.“

Das Ziel: Märchen modern interpretieren

Witzig und pfiffig also haben die jungen Filmer den alten Märchenstoff in eine moderne Handlung überführt. Dafür gab es Ende Juli einen zweiten Platz bei einem Kurzfilmwettbewerb, zu dem eine Privatschule aus Karlsruhe mit Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg eingeladen hatte. Das Ziel war, Märchen modern zu interpretieren. „Wir haben vor einem halben Jahr davon erfahren“, erzählt Timo Jüptner, der Leiter der Film-AG der Hohbergschule. Konrektor Peter Beck brachte ein Poster des Wettbewerbs und fragte: „Wollt ihr da nicht mitmachen?“

Die filmbegeisterten Jugendlichen wollten. Es traf sich günstig, dass die Jüngeren der Film-AG bereits einen Kurzfilm „Die kleine Meerjungfrau“ gedreht hatten, ursprünglich, um an einem Wettbewerb teilzunehmen, in dem in 99 Stunden ein Video mit einer Länge von 99 Sekunden gedreht werden sollte. Sie reichten „Die kleine Meerjungfrau“ nun für den Kurzfilmwettstreit der Karlsruher Schule ein. In dem Beitrag entdeckt ein Junge erstaunt eine Meerjungfrau in einem Schwimmbad. Das sagenhafte Wesen taucht aus dem Becken hervor, flüstert ihm ins Ohr und macht ihm Mut, auf seine Stärke und sich selbst zu vertrauen. Sehenswerte Aufnahmen unter Wasser bereichern das kleine filmische Werk, dem die Jury einen neunten Platz zuerkannte.

Als klar war, dass sich die Jüngeren der Film-AG am Wettbewerb beteiligen würden, wollten ihnen die älteren Filmfreunde in der AG nicht nachstehen. Auch wenn es schon etwas knapp war vor dem Abgabetermin, legten sich die Schüler und Timo Jüptner ordentlich ins Zeug. Im Internet recherchierten die Jugendlichen, welches Märchen sich zur Verfilmung eignen würde, erzählen Madlen Kuhnle, die die Rolle des Sterntalers spielt, und Marco Grisafi, der im Märchenfilm die Kleider geschenkt bekommt.

„Sterntaler“: Gute Geschichte, guter Kern

Die Wahl fiel auf „Sterntaler“ aus der Feder der Gebrüder Grimm. „Es ist eine gute Geschichte mit einem guten Kern“, sagt Marco Grisafi. „Das Mädchen gibt sozusagen alles weg, obwohl es nichts hatte.“ Erst wurde nur geplant. Gedreht wurde dann an einem Tag, unter anderem am Badesee in Waldhausen und am dortigen Kiosk, im Wald am Plüderhäuser Sandbühl sowie auf dem Friedhof. In etwa drei bis vier Stunden waren die Szenen im „Kasten“. „Der Schnitt war wesentlich aufwendiger“, weiß Timo Jüptner. Er hat rund 20 Stunden gedauert.

Lampenfieber hatten die beiden Schauspieler Madlen Kuhnle und Marco Grisafi nicht, standen sie doch nicht zum ersten Mal vor der Kamera. „Es war ganz locker. Wir kennen uns ja alle“, sagt die Sterntaler-Darstellerin.

Zum ersten Mal hingegen hatte Manuel Liebchen in einem Film mitgespielt. Er stellte den Jungen dar, der im Hallenbad, übrigens im Gmünder, die Meerjungfrau entdeckt. Und freute sich natürlich, dass es auch „Die kleine Meerjungfrau“ unter die besten Zehn des Kurzfilmwettbewerbs geschafft hat.

Film-Arbeitsgemeinschaft „School of Movie“

„School of Movie“, so heißt die Film-AG des Hohberg-Schulzentrums in Plüderhausen. Es gibt sie seit rund eineinhalb Jahren. Sie leitet Timo Jüptner, ein Plüderhäuser, der bis zum vergangenen Monat eine Umschulung zum Mediengestalter Bild und Ton absolviert hat. Zunächst wollte der 35-Jährige einen Filmclub gründen und war auf der Suche nach Räumen und Film-Interessierten. Ein Freund schlug ihm vor, eine Film-AG an der Hohbergschule zu gründen. Und so geschah es.

Von Konrektor Peter Beck bekamen die Filmfreunde viel Unterstützung, betont Jüptner, unter anderem beim Kauf einer Kamera. Für diese habe auch die Gemeinde Plüderhausen etwas dazugegeben.

Bisher bekamen die Beiträge der Film-AG vor allem dritte Plätze. Zum ersten Mal gelang nun ein zweiter Platz, freut sich Timo Jüptner.

Schon reifen die Gedanken für Projekte im nächsten Jahr. Es könnte eventuell ein Horror-Kurzfilm werden, stellt Timo Jüptner in Aussicht. Ob er es bis nach Cannes schafft, ist natürlich noch völlig offen. Aber bei den berühmten Filmfestspielen gibt es eine „Shortfilm-Corner“, eine Kurzfilmecke, in der Hunderte Filme pro Jahr gezeigt werden. Man darf einen deutschen Film zeigen, aber mit englischen Untertiteln, weiß Timo Jüptner bereits.

Die Film-AG des Hohberg-Schulzentrums hat auch einen eigenen Youtube-Channel, „School of Movie“.

Die Meerjungfrau mit ihrem schillernden Fischschwanzgewand spielte Katharina Hegemann im Kurzfilm „Die kleine Meerjungfrau“. Die Jugendlichen hatten sie bei einem Kurs im Schorndorfer Oskar-Frech-Bad kennengelernt. Katharina Hegemann unterhält auch einen Meerjungfrauen-Club in Pfersbach.

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