Plüderhausen Neue Optik für den Marktplatz

Der Plüderhäuser Marktplatz soll attraktiver werden. Ein Schritt ist zunächst ein neues Pflaster. Foto: Zühr / ZVW

Plüderhausen. Der Marktplatz wird neu gepflastert, und zwar durchgehend mit einem Steintyp. Dort, wo heute noch Naturstein zu sehen ist, wird das Pflaster farblich abgesetzt. Der Platz bleibt quadratisch unterteilt. Sechs Hochbeete aus Cortenstahl sollen, blau bepflanzt, eine Verbindung von der Grünfläche vor dem Haus am Brunnenrain in Richtung Rems schaffen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer langwierigen Debatte im Gemeinderat.

Auch in der vorherigen Gemeinderatssitzung hatten sich die Räte mit dem Thema befasst. Die Idee war einst, ein farblich abgesetztes Band auf der Straße Am Marktplatz von der Buchhandlung Donner bis zur Rems zu schaffen. Die Straße ließ sich aber nicht einheitlich farblich gestalten wegen alten Pflasters und unterschiedlicher Asphaltdecken. Auch gibt es Teilstücke, die erhaltenswert sind. So einigte man sich, den Abschnitt auf den Bereich von der Buchhandlung Donner bis zur Schulstraße einzugrenzen und den eigentlichen Marktplatz zu erneuern. Auf dem hatte es mit großformatigen und kleineren Betonpflastersteinen Probleme durch den Verkehr gegeben, die zu Stolperfallen für Fußgänger führten. Für dieses Areal galt es nun, einen Pflasterbelag und die Ausgestaltung zu wählen.

Susanne Pfeiffer: Marktplatz als verkehrsberuhigte Zone

Zudem war der Rat gefragt, über Cortenstahl-Hochbeete zwischen der Kreissparkasse, der Buchhandlung Donner und dem Theater hinterm Scheuerntor zu befinden, die vielgenutzte Parkplätze beanspruchen.

Die Themen hatten die Gemeinderäte bereits beschäftigt, erinnerte der Bürgermeister an eine Vorberatung. „Es gab am Ende mehr offene Fragen als vorher.“ Er mahnte: „Wir können heute keinen Beschluss in Richtung verkehrsberuhigte Zone fassen.“

„Es war bisher nicht geplant, dass der Marktplatz geplättelt wird“, sagte Susanne Pfeiffer. Sie hätte sich den Marktplatz als verkehrsberuhigte Zone gewünscht. Wenn keine Autos fahren würden, hätte sie den Marktplatz so gestalten wollen, dass er ein Marktplatz und kein Parkplatz ist, so die CDU-Rätin. „Mit dem jetzigen Vorschlag sieht man es nicht.“ Nutzung und Farbgestaltung hängen zusammen, so Pfeiffer.

Ulrich Scheurer hielt nichts von einer kompletten Sperrung. Bei den Hochbeeten hatte er Zweifel, „ob man das überhaupt da unten braucht. Gerade in der Ortsmitte brauchen wir auch Parkplätze.“

Schaffer: Flammender Appell in Richtung Gartenschau

„Das ist der Zeitpunkt, wo ich einen flammenden Appell in Richtung Gartenschau loswerden muss“, so Andreas Schaffer. „Irgendwo müssen wir an der Stelle deutlich machen, dass wir auch eine Gartenschau haben.“ Man habe sich eine Gestaltung mit Wasser nicht leisten können, erinnerte er daran, dass sich ein Wasserlauf vom Haus am Brunnenrain zur Rems als zu aufwendig erwiesen hatte. „Das ist eigentlich die Minimal-Ausstattung, wo wir einen Akzent mit Blumen setzen können.“ Zu den Parkplätzen fand Schaffer: „Man kann sich durchaus zeitlich befristet mit zwei bis vier Stellplätzen auseinandersetzen.“ In Schorndorf werde der ganze untere Marktplatz für die Gartenschau genutzt.

Klaus Harald Kelemen sah bei dem Thema zwei Sichtweisen, die der Blumenfreunde und die der Praktikabilität. „Die Geschäfte wollen kurze Wege und Kurzzeitparken.“ Es handele sich hier um die meist frequentierten Parkplätze im Ort. Der SPD-Rat hatte „erhebliche Bedenken, vier Parkplätze da rauszustreichen“. Er berichtete von Kontakten mit der Sparkasse und der eventuellen Möglichkeit, dort Platz für ein Hochbeet zu bekommen, um zwei Parkplätze zu erhalten. „Das blaue Band hat architektonisch-städtebaulich eine Konzeption“, meinte der Bürgermeister. Wenn ein Hochbeet seitlich in ein Grundstück gestellt werde, verliere es an Wirkung.

Andreas Schaffer: „Wir müssen uns schon ein bissle was zutrauen“

Alle Pflanzungen müsse der Bauhof pflegen, sagte Thomas Schwenger (FW-FD). „Es muss gepflegt sein, sonst sieht es nicht gut aus.“ Er sorgte sich auch um Parkplätze. „Die Gartenschau ist ein Jahrhundertprojekt“, betonte der Bürgermeister. Er sagte für deren Beginn Euphorie voraus. Der Bauhof könne nicht alles machen, es würden sich aber auch Helfer finden. „Wir müssen uns schon ein bissle was zutrauen.“

Betha König meinte, sie verstehe die erneute Diskussion nicht. Man sei klar für das „blaue Band“ gewesen. „Alles auflösen wegen vier Parkplätzen? Das ist für mich gänzlich unbegreiflich.“

Michael Gomolzig (CDU) erinnerte, er habe sich aus Kostengründen gegen das Projekt ausgesprochen. Jetzt sei er „aus Geschmacksgründen dagegen“. Der Cortenstahl solle wie Edelrost aussehen, sehe aber eher wie Schrott aus.

Elke Mück: Die Bepflanzung muss nicht für immer sein

„Mir tut es sogar weh, dass wir den oberen Parkplatz beim Donner nicht auch noch nehmen“, meinte Elke Mück (SPD). Die Bepflanzung müsse nicht für immer sein. „Das ist ein Versuch von fünf Monaten. Das Risiko muss man einfach eingehen.“

„Wenn der Platz als Parkplatz genutzt wird, werden die neue Funktion und Gestaltung und Belebung nicht erreicht“, stellte Silvan Vollmar (FW-FD) fest. Daher sei die Farbgestaltung durchaus interessant. Vollmar sprach auch von einem „Neustart für den Marktplatz“ und überlegte, den Brunnen wegzumachen.

„Die Diskussion hätten wir vor einem Jahr führen müssen“, so Andreas Schaffer. Das sei nicht fair, entgegnete Susanne Pfeiffer. Man habe in der Diskussion vor einem Jahr die Neubelebung des Marktplatzes aus der Debatte herausgenommen.

Thomas Häussermann: Kampf mit Akzeptanzproblemen

Dr. Thomas Häussermann sagte, er trage die Idee eines „blauen Bands“ mit. Man müsse aber bedenken, dass man als Gartenschaugemeinde mit Akzeptanzproblemen kämpfe. Der Marktplatz sei ein wichtiger und neu zu gestaltender Platz. Das solle man nicht abblocken. Der Brunnen störe, um den Platz in seiner Gänze belegen zu können. Der FW-FD-Rat bilanzierte: „Wenn man alle Parkplätze wegnimmt, schadet das der Akzeptanz der Gartenschau.“ „Wir können jetzt keine Marktplatzgestaltung machen“, sagte der Bürgermeister. Es gehe nur um einen neuen Belag. „Wenn wir den Brunnen weghaben wollen, ist das eine neue Diskussion.“ Man müsse jetzt die Vergabe vornehmen und nächstes Jahr die Diskussion über die Nutzung des Marktplatzes führen. Aber dann ist er ja schon gemacht, warf Susanne Pfeiffer ein.


Hochbeete bilden ein „blaues Band“

„Schwarzwälder Rot Hell“ heißt die Farbe des Pflasters „City-Truck“, für das sich der Gemeinderat entschieden hat. Die Farbe soll dem in der Umgebung erhaltenen bleibenden Pflaster sehr nahe kommen.

Das sind, verkürzt zusammengefasst, die Beschlüsse und Ergebnisse der Anträge, über die der Gemeinderat abgestimmt hat: Er beschloss, das Thema nicht zu vertagen und dass der Pflastertyp „Schwarzwälder Rot Hell“ auf dem Marktplatz zwischen Staufenhalle, Tiefgarage und Rathaus verwendet werden soll. Derzeit gibt es dort Naturstein-Elemente aus Porphyr. Die kommen raus. An deren Stellen soll das Pflaster farblich abgesetzt werden. Die quadratische Unterteilung des Platzes soll erhalten bleiben, ebenso wie vier Intarsien-Arbeiten aus Stein um den Brunnen.

Statt sieben Hochbeeten aus Cortenstahl werden nur sechs aufgestellt, da eins bei der Kreissparkasse zugunsten von zwei Parkplätzen gestrichen wurde. Die Hochbeete sollen, mit blau blühenden Pflanzen, ein blaues Band markieren, das von der Grünfläche vor dem „Haus am Brunnenrain“ in Richtung Rems führt. Dabei wird ein Cortenstahl-Hochbeet gegenüber dem Theater hinterm Scheuerntor nur zeitlich begrenzt während der Gartenschau aufgestellt. Dauerhaft sollen Hochbeete direkt vor dem Theater hinterm Scheuerntor, entlang der Durchfahrt bei der ehemaligen Bäckerei „Bäcker“, am Marktplatz gegenüber dem Rathauseingang, vor dem ehemaligen Rathauseingang sowie längs vor der Bahnschranke platziert werden. Ein zunächst vor dem Rathauseingang vorgesehenes Hochbeet wurde in der Sitzung in Richtung Marktplatz verschoben.

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