Plüderhausen Ostüberführung wird (wieder) geplant

Seit dem 11. Juni ist die Bahnschranke in Plüderhausen defekt, zwei Schrankenwärter sorgen für Sicherheit. Foto: Palmizi / ZVW

Plüderhausen. Seit fast 40 Jahren ist sie im Gespräch, jetzt wird es wieder – oder endlich? – konkret: Der Plüderhäuser Gemeinderat hat nach mehr als eineinhalbstündiger Diskussion und in namentlicher Abstimmung beschlossen, die Ostüberführung zumindest planerisch auf den Weg zu bringen. Ob sie letztendlich irgendwann auch gebaut wird, steht allerdings noch in den Sternen. Das hängt vor allem vom Geld ab.

„Wir sollten bei der Ostüberführung wieder einen Start wagen und in die Planung einsteigen“, stimmte Bürgermeister Andreas Schaffer das Gremium zu Beginn der Aussprache ein. Klar sei, dass die Planung lange dauern werde, klar sei auch, dass es sich um ein langes Verfahren handle, „aber man muss den ersten Schritt machen, dafür werbe ich“.

Gleich die erste Wortmeldung sorgte für einen gewissen Paukenschlag. CDU-Mann Andreas Theinert („Das ist schon ein Riesenprojekt, das das Ortsbild brutalst verändert“) wollte die Bürger über die Ostüberführung entscheiden lassen, denn: „Das ist jetzt schon ein typischer Fall von Bürgerentscheid.“ Schaffer sah das nicht so, versprach aber: „Klar, die Bürger werden eingebunden.“ Allerdings könne der Gemeinderat sich „doch nicht aus der Verantwortung stehlen“.

Die Ostüberführung ein "Monsterbauwerk"?

CDU-Fraktionschef Ulrich Scheurer stimmte zu: „Das ist eine Entscheidung des Gemeinderats, wir sind gewählt.“ Und FW-FD-Gemeinderat Thomas Schwenger sagte angesichts der bei diesem Tagesordnungspunkt leeren Besucherreihen: „Wo sind denn die Bürger heute Abend? Die juckt das doch gar nicht.“ Außerdem: „Worüber sollen sie denn abstimmen?“ CDU-Rat Michael Gomolzig warnte vor einem Bürgerentscheid: „Er kann eine Gemeinde auch zerreißen, siehe Urbach.“

GLU-Chef Erich Wägner sprach von einem „Riesenbauwerk“, auf dem es „laut“ werde und das „sehr viel Geld kostet, 20 Millionen Euro plus“. Er könne sich das „in der Dimension überhaupt nicht vorstellen“ und plädierte für eine „kleinere Lösung“.

Für Schaffer ist das aber ein Vorschlag nach dem Motto „Wasch’ mir den Pelz, aber mach’ mich nicht nass“. Weniger gehe bei diesem Bauwerk nicht, „ich habe mich 32 Jahre damit beschäftigt“. Gleichzeitig „warne ich davor, dass man die Ostüberführung als Monsterbauwerk darstellt“.

Kontroverse Diskussionen

Eine längere Erklärung gab FW-FD-Rat Dr. Thomas Häußermann („Ich habe eine klare Haltung zu diesem Thema, werde mich aber heute enthalten, künftige Gemeinderäte oder der nächste Bürgermeister sollen entscheiden“) ab. Die Ostüberführung sei seit Jahrzehnten Thema und werde immer kontrovers diskutiert.

Mit jedem Jahr, das vergehe ohne eine Realisierung, „wird es teurer“. Außerdem würden an den Bahnübergängen die Schließzeiten immer länger, die Wartezeiten damit logischerweise auch. Es gebe viele Fragen, zum Beispiel, ob die Gemeinde ihren Anteil (im Raum stehen derzeit rund vier Millionen Euro) überhaupt finanzieren könne.

Außerdem „wird Plüderhausen mit der Ostüberführung, diesem gigantischen Bauwerk, nicht unbedingt schöner“. Auch das Remstal erhalte ein verändertes Gesicht.

Schaffer: Fremde langen sich an den Kopf und sagen: Was ist bei euch los?

Kurz fasste sich CDU-Gemeinderätin Susanne Pfeiffer: „Wir müssen die Planung fortschreiben, bis das Ding steht, vergehen ja noch zig Jahre.“ Auch SPD-Fraktionschef Klaus Harald Kelemen verlor entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten nicht viele Worte. Er lehnt die Ostüberführung „weiterhin ab“, für ihn ist sie ein „landschaftszerstörerischer Eingriff“, durch den Plüderhausen „auf ewig beschädigt“ würde.

Ähnlich äußerte sich Kelemens Fraktionskollege Thomas Reißig: „Ich war schon vor 34 Jahren gegen die Ostüberführung und bin es heute noch.“ Zudem habe er durchaus den Eindruck, „dass sich die Plüderhäuser inzwischen mit den Bahnübergängen arrangiert haben“.

Scheurer freilich sah das anders: „Plüderhausen ist die einzige Gemeinde im Remstal, die von drei Bahnübergängen durchschnitten wird.“ Das sei „kein Aushängeschild“ für die Gemeinde, und bei der jetzt anstehenden Entscheidung handle es sich ja nur um einen Planungsschritt. Schultes Schaffer hat beobachtet: „Wenn fremde Leute nach Plüderhausen kommen, langen sie sich mit Blick auf die Bahnübergänge an den Kopf und sagen: ,Was ist denn bei euch los?‘“

„Ein neues Gutachten ist rausgeschmissenes Geld“

Klar war die Haltung der FW-FD-Fraktionsvorsitzenden Claudia Jensen. Ihr gefiel zwar die in der Sitzung gezeigte Visualisierung (allerdings älteren Datums) von der Ostüberführung „überhaupt nicht“. Sie wolle an dieser Stelle eine Brücke, aber „nicht die, die gezeigt wurde“. Jensen erinnerte ihre Ratskollegen daran, dass „wir viel Geld ausgegeben haben im Vorlauf auf die Ostüberführung“. Unter anderem seien bereits Grundstücke gekauft worden. Ihrer Meinung nach „sollten wir jetzt in den Wettbewerb gehen und etwas Schönes finden“. Jensen warb dafür, den „angefangenen Weg weiterzugehen“, denn: „Wir müssen Plüderhausen voranbringen und mindestens an zwei Seiten verbinden.“ Sollte die Ostüberführung finanziell nicht zu stemmen sein, „können wir immer noch Stopp machen“.

GLU-Gemeinderätin Betha König sprach sich gegen eine Brücke und für ein neues Gutachten aus. „Dann brauchen wir einen Tunnel, und der liegt im Grundwasserbereich“, erwiderte Schaffer und gab König einen Rat: „Vergessen Sie es.“ Und: „Ein neues Gutachten ist rausgeschmissenes Geld.“ Zudem sei der Beitrag der GLU-Frau „sehr unsachlich“. König hatte einen Vergleich mit dem Plochinger Dreieck gezogen – er ist für den Plüderhäuser Rathauschef „nicht haltbar“.

CDU-Gemeinderat Markus Proschka ist als Gewerbetreibender von den Wartezeiten an den drei Bahnübergängen zwar betroffen, die Ostüberführung sei aber zu teuer. Er forderte, „,heute keine Grundsatzentscheidung zu treffen“. Schaffer warnte: Falls das passiere (was ja nicht der Fall war), „ist das Ganze für längere Zeit wieder gestorben“. Der Schultes hatte schon eingangs der Aussprache angekündigt, dass er auf einer namentlichen Abstimmung besteht.


Die Abstimmung

Folgende acht Gemeinderäte waren mit Bürgermeister Andrea Schaffer dafür, dass die Planung der Ostüberführung (wieder) in Angriff genommen werden soll: Claudia Jensen, Silvan Vollmar, Gerda Rost, Wolfgang Schwenger (alle FW-FD), Susanne Pfeiffer, Ulrich Scheurer (beide CDU), Heike Schopf (SPD).

Dagegen waren: Markus Proschka (CDU), Thomas Reißig, Klaus Harald Kelemen (beide SPD), Betha König, Erich Wägner (beide Grüne Liste Umwelt).

Enthalten haben sich: Dr. Thomas Häußermann (FW-FD), Andreas Theinert, Michael Gomolzig (beide CDU), Uwe Härer-Schurr (Grüne Liste Umwelt).

Damit gab es acht Ja- und fünf Nein-Stimmen sowie vier Enthaltungen. CDU-Gemeinderat Reiner Schiek und SPD-Vertreterin Elke Mück waren nicht anwesend.

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