Plüderhausen Parkscheinautomaten als Goldesel

Der heiße Sommer trieb Autofahrer in Scharen zum Plüderhäuser Badesee. Die neuen Parkscheinautomaten wurden zu Goldeseln. Foto: Habermann/ZVW

Plüderhausen. Wenn die Zahlen stimmen, ist die Gemeinde Plüderhausen künftig sozusagen die Einzige im Ländle, die ihren Bürgern eine hübsche und natürliche Gratisbademöglichkeit bietet und in einem guten Sommer dennoch etwas Gewinn macht. Jedenfalls erwiesen sich die aufgestellten Parkscheinautomaten als wahre Goldesel. Sie spuckten bergeweise Euros aus.

Schaffer: Überrascht

Dass sich die Automaten bezahlt machen, damit hatte der Plüderhäuser Bürgermeister Andreas Schaffer gerechnet, aber mit einem solchen Batzen nicht. „Wir haben eine äußerst ordnungsliebende Seeaufsicht.“ Es gab „einige Knöllchen“. Der August sei extrem gut gelaufen. Selbst im September kamen noch 1500 Euro dazu, wusste Schaffer, der das Zahlungsgebaren in einem Fall auch außergewöhnlich fand. Da wurde selbst nach 20 Uhr noch der Automat befüttert.

Die Plüderhäuser SPD-Rathausfraktion hatte den alten Automatenvorschlag im November 2011 aufgewärmt, nämlich am Badesee solarbetriebene Parkscheinautomaten aufzustellen. Dies hat sich somit im Nachhinein als Volltreffer erwiesen. Der einmaligen Investition von 12 500 Euro stehen nun nach dem Ende der ersten Saison fast 32 000 Euro Einnahmen gegenüber, wiewohl 741 Gratiskarten an Plüderhäuser vergeben worden sind und die kostenpflichtige Saison erst nach dem Aufstellen am 5. Juni begann. Bereits nach einem Monat waren die Automaten halb bezahlt. Zum Vergleich: Bis 2006 erzielte die Gemeinde jährlich rund 5000 Euro Einnahmen, später wurde der Kioskpächter aktiv. 2011, in einem unterdurchschnittlichen Sommer, lagen die Einnahmen noch bei 3430,40 Euro.

Im laufenden Jahr kam somit mehr als das Neunfache herein! Die gestern ausgeschalteten Automaten werden nun über Winter eingemottet und erst im Frühjahr wieder aufgestellt. Das Parken während einer Eislaufsaison im Falle einer längeren Frostperiode bleibt somit gratis – anders als im Welzheimer Wald.

Heißer August hat Autofahrer in Scharen zum See getrieben

Die Automaten haben in dem Sommer 25 487 Euro geschluckt. Die Stunde Parken kostete zwischen 8 und 20 Uhr einen Euro, der ganze Tag fünf. Am Kiosk und im Rathaus kamen dazu 1958 Euro über den Verkauf der 22 Euro teuren Jahreskarten ins Gemeindesäckel. Die Einnahmesituation bei den rund 900 Verwarnungen gegenüber Parksündern kalkuliert Ordnungsamtsleiter Tilmann Kropf vorsichtig mal mit 4500 Euro. Das macht insgesamt genau 31 945 Euro. Somit bleiben nach Abzug der Investitionskosten 19 500 Euro im Säckel, mehr als die 18 000 Euro, die die Gemeinde Plüderhausen inklusive nicht kassenwirksamer Bauhofleistungen im Vorjahr für den Badesee ausgegeben hat. Vor allem der August bescherte hohe Einnahmen. Er hat Autofahrer in Scharen zum Plüderhäuser Badesee getrieben. Anfangs soll noch jeder Dritte am Badesee ohne Schein geparkt haben. Offenbar hat sich’s seither rumgesprochen.

Paradoxerweise hatte der Verwaltungsausschuss des Plüderhäuser Gemeinderats den Automatenvorschlag vor sechs Jahren noch mehrheitlich verworfen. Die Räte befürchteten – pessimistisch gestimmt – Vandalismus und wollten stattdessen mit Hilfe des Angelvereins die Situation verbessern. Rathausmitarbeiter Kropf hat damals vergeblich die guten Erfahrungen Welzheims am Aichstrutsee ins Feld geführt. Sein Lockruf, die Investition mache sich binnen eines Jahres bezahlt, wurde überhört.

„Was mich besonders freut, ist, dass es keinen Vandalismus gab“, resümierte der Ordnungsamtsleiter gestern zufrieden. Die eigenen Erwartungen seien „weit übertroffen“ worden und die beiden Ordnungskräfte, der Vollzugsbeamte und der Mann, der auf 400-Euro-Basis die Seeaufsicht übernimmt, hätten sich stark eingesetzt. Auch der Kioskpächter, der selbst das Geschäft abgeben wollte, habe die Leute unterstützt. Der Vollzugsbeamte konnte in der Zeit natürlich weniger häufig an den Brennpunkten in der Ortsmitte präsent sein.
 

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