Plüderhausen/Remshalden Krankmeldungen belasten Kitas

Wenn eine Erzieherin oder ein Erzieher ausfällt, muss schnell eine Vertretungskraft einspringen. Foto: Iris Hamelmann/Fotolia.de

Plüderhausen.
Erzieherinnen und Erzieher sind auf dem aktuellen Arbeitsmarkt gefragter denn je. In den meisten Kommunen in der Region werden pädagogische Fachkräfte gesucht. Doch auch die Kindergarten-Träger, die an sich ihr Personal beisammenhaben, können ins Schwitzen kommen, wenn ein oder gleich mehrere Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfallen.

Dann muss Ersatz her – und zwar meist möglichst schnell. Gelingt das nicht, muss die angebotene Betreuung eingeschränkt, im schlimmsten Fall eine Kindergartengruppe vorübergehend geschlossen werden. Im Kindergarten St. Michael in Plüderhausen ist es vergangene Woche zu diesem Fall gekommen. Die Kindergartenleiterin und eine weitere Erzieherin fallen langfristig aus. Die einzig verbliebene Erzieherin habe zusammen mit Aushilfskräften nur die eine der beiden Gruppen betreuen können, berichtet Mutter Stephanie Papenfoth.

„Wir haben alles getan, um Ausfälle durch Krankheiten ausgleichen zu können“

Die Eltern seien gefragt worden, wann sie arbeiten, daraufhin sei ein Plan erstellt worden, welches Kind wann kommen darf. „Mein Sohn musste drei Tage zu Hause bleiben“, sagt die berufstätige Mutter, die sich glücklich schätzt, eine flexible Oma in der Nähe zu haben. Stephanie Papenfoth und auch Melanie Werner, Elternbeirätin im Kindergarten St. Michael, ärgern sich über den Träger, die katholische Kirchengemeinde Plüderhausen, da sie der Meinung sind: Die Elternschaft wurde beim extra angesetzten außerordentlichen Elternabend nicht ausreichend informiert, nicht gehört, und die Schließung der Gruppe hätte verhindert werden können.

„Wir haben alles getan, um Ausfälle durch Krankheiten ausgleichen zu können“, sagt dagegen Pfarrer Jens Brodbeck. Ein Problem sei aber, dass ein einzelner kleiner Kindergarten nur begrenzte Möglichkeiten habe. „Wenn wir 20 Kindergärten hätten, könnten wir flexibler mal jemanden von woanders abziehen.“ Der Versuch, seitens der Gemeinde Plüderhausen Unterstützung zu bekommen, lief ins Leere. „Wir sind gleich gefragt worden, nachdem sich die erste Erzieherin krankgemeldet hat“, bestätigt der im Rathaus zuständige Mitarbeiter Pascal Schill, „aber bei uns waren auch zehn, elf krank.“ Alle Vertretungskräfte seien daher bereits in den städtischen Einrichtungen im Einsatz gewesen. Ansonsten sei es in Plüderhausen unter den verschiedenen Trägern gang und gäbe, sich gegenseitig auszuhelfen. „Das sind alles Plüderhäuser Kinder, also geht es uns auch was an. Da muss man den Trägerhut runternehmen.“

Viele der Teilzeitkräfte sind bereit, kurzzeitig ihren Arbeitsumfang zu erhöhen

Am Freitag teilte die katholische Kirchengemeinde schließlich den Kindergarten-Eltern von St. Michael per E-Mail mit, dass ein Ersatz gefunden sei und ab Montag wieder alle Kinder betreut werden könnten. Doch diese Nachricht glättet die Wogen nur bedingt. Denn Stephanie Papenfoth und Melanie Werner hadern mit der Personalentscheidung des Trägers. Nun werde eine ungelernte Fachkraft für vier Wochen eingestellt, wo doch schon längst andere, bessere Kandidaten zur Verfügung stünden: eine Tagesmutter, die seit Monaten immer wieder aushilft, und eine ehemalige Anerkennungspraktikantin, die bereits ein Jahr in dem Kindergarten gearbeitet hat. „Wenn wir in dieser Situation sind und eine Erzieherin, die schon einmal da war, abgelehnt wird, kann ich das nicht verstehen“, sagt Werner, die auch auf Nachfrage beim Träger keinerlei Erklärungen erhalten habe.

Bei der evangelischen Kirchengemeinde am Ort ist man erleichtert, an einer Gruppenschließung bisher „ganz knapp dran vorbeigeschifft“ zu sein. Das sei den guten Teams in den beiden evangelischen Kindergärten zu verdanken, so Pfarrer Hans-Dirk Walz. Viele der Teilzeitkräfte seien bereit, wenn es krankheitsbedingte Ausfälle gibt, kurzzeitig ihren Arbeitsumfang zu erhöhen.

„Springer-Pools“ sind in Gemeinden mittlerweile Standard

Auch in anderen Gemeinden ist es, was das Personal angeht, manchmal eng. So ist erst im Oktober der katholische Kindergarten Remshalden-Geradstetten-Süd knapp einer Notbetreuung entgangen. Man habe kurzfristig selbst eine Aushilfe gefunden, so eine Erzieherin. Die Gemeinde konnte auch hier zu jenem Zeitpunkt nicht aushelfen, wie Reinhard Molt einer besorgten Mutter bei der jüngsten Gemeinderatssitzung mitteilen musste: „Was den Krankenstand angeht, müssen wir grad selbst rudern.“ Dabei hat die Verwaltung vorgesorgt: Für die zehn Kitas und die beiden Grundschulbetreuungen verfügt die Gemeinde Remshalden über drei Erzieherinnen und Erzieher mit einem Beschäftigungsumfang von insgesamt 200 Prozent als Spring- beziehungsweise Vertretungskräfte. Hinzu kämen weitere auf 450-Euro-Basis. Seit einem Jahr beschäftigt die Gemeinde Remshalden auch eine Erzieherin, die den Einsatz der Springkräfte koordiniert.

Auch in Winterbach gebe es einen Pool an Springkräften, so dass bisher allen Grippewellen personell getrotzt werden konnte. Die meisten von ihnen seien Fachkräfte im Ruhestand oder in Elternzeit. Matthias Kolb von der Gemeinde ist guter Dinge: „Beim derzeitigen Personalstand müssten wir den Winter unbeschadet überstehen.“

Wenn eine Erzieherin oder ein Erzieher ausfällt, muss schnell eine Vertretungskraft einspringen. Foto: Iris Hamelmann/Fotolia.de

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