Plüderhausen Sanierung der Bahnübergänge sorgt für Zündstoff

Bahnübergang bei der Adlerbrücke: Der aus Süden kommende Verkehr soll künftig an der Einmündung in die Gmünder Straße Vorfahrt haben. Foto: Palmizi / ZVW

Plüderhausen. Das blanke Entsetzen war den Plüderhäuser Gemeinderäten und Bürgermeister Andreas Schaffer am Donnerstag zwar nicht ins Gesicht geschrieben. Aber es ging schon in die Richtung, als sie hörten, was die Modernisierung der drei Bahnübergänge so alles mit sich bringen könnte. Vor allem die geplante veränderte Verkehrsführung bei der Adlerbrücke gefiel ihnen gar nicht.

Dort soll nämlich die Gmünder Straße nicht mehr Vorfahrtsstraße sein, vielmehr soll eine abknickende Vorfahrt von der Adelberger in die Gmünder Straße eingerichtet werden. Das ging aus den Ausführungen von Volker Thalheim vom Büro Vössing Ingenieure hervor, das von der DB Netz AG mit der Planung der Sanierung der Bahnübergänge in der Gleis- und Brückenstraße sowie an der Adlerbrücke beauftragt worden ist. Sie wird notwendig und voraussichtlich im Jahr 2022 durchgeführt, weil inzwischen alle Genehmigungen abgelaufen und Ersatzteile für die Bahnübergänge nurmehr schwer zu erhalten sind. Das erklärte Dr. Davar Asgari-Balzer, Projektleiter Bahnsicherungsanlagen bei der DB Netz AG, im Gemeinderat und sicherte für die Arbeiten „eine enge Abstimmung mit Plüderhausen zu“.

Straßenbreite von 6,35 Metern nicht machbar

Thalheim sprach im Zusammenhang mit den Bahnübergängen in Plüderhausen von „Altanlagen“, deren Technik den Stand der 1960er Jahre habe und die nicht mehr umgebaut werden dürften. Nicht übermäßig problematisch gestaltet sich die Sanierung in der Gleis- und Brückenstraße, sieht man einmal davon ab, dass die Straßenbreite künftig 6,35 Meter betragen muss, das aber an beiden Stellen in Plüderhausen nicht machbar ist. Auch bei der Adlerbrücke nicht, wo „wir mit der Brückenbreite leben müssen“ (Thalheim). Weil es aber eine Art Stauraum von 27 Metern vor und hinter dem Bahnübergang geben muss, „müssen die Fahrzeuge, die vom Bahnübergang in die Gmünder Straße wollen, Vorfahrt haben“, so Thalheim.

Schaffer: "Von der Gemeinde gibt es für diesen Umbau noch keine Zustimmung"

Peng, das saß. Bürgermeister Andreas Schaffer vermutete zunächst zu Recht: „Der Vortrag hat bestimmt entsprechende Beachtung gefunden.“ Das Thema Adelberger Straße (Adlerbrücke) mit dem Straßenumbau sei „explosiv“. Der Schultes stellte klar: „Von der Gemeinde gibt es für diesen Umbau noch keine Zustimmung.“ Was allerdings das Landratsamt betreffe, sehe es wohl etwas anders aus. Schaffer brachte es so auf den Punkt: „Die vorgesehene Änderung bei der Adlerbrücke können wir uns nicht vorstellen, das ist ein explosiver Diskussionspunkt.“ Allerdings sei das alles heute nur ein „erster Aufschlag im Gremium“, gebaut werde schließlich erst 2022.

Von „Explosivität“ sprach auch CDU-Gemeinderat Andreas Theinert. Für ihn ist im Zusammenhang mit der Sanierung der Bahnübergänge „die Ostüberführung auch ein Thema“, denn: „Nehmen wir mal an, die kommt 2028. Macht das hier dann einen Sinn?“ (Siehe auch Info-Box „Die Kosten“)

Spätestens seit S 21 traut Kelemen dem Eisenbahnbundesamt nicht

„Das wird sicher kontrovers und ohne Freude in der Bevölkerung diskutiert“, davon ist SPD-Fraktionschef Klaus Harald Kelemen überzeugt. Der Sozialdemokrat traut spätestens seit Stuttgart 21 dem Eisenbahnbundesamt nicht („ich will ja nicht sagen, dass die lügen, aber ...“), außerdem versteht er das Ganze nicht ganz, denn: „Die Bahnübergänge funktionieren doch.“

„Fassungslos“ zeigte sich sein Fraktionskollege Thomas Reißig, „dass alles reglementiert wird“. Er nannte besagte 27 Meter auf beiden Seiten der Bahnübergänge und konstatierte: „Gesunder Menschenverstand war bei der Planung nicht dabei.“

Noch nicht über Kosten gesprochen

Als „überzogen“ empfand auch CDU-Fraktionsvorsitzender Ulrich Scheurer („ich bin ebenfalls sehr überrascht vom Ausmaß“) die Regelungen, „diese Dimension schlägt ein wie eine Bombe“. Der Christdemokrat kritisierte: „Über die Kosten ist noch gar nichts gesagt worden, das ist aber elementar.“ Seiner Fraktionskollegin Susanne Pfeiffer „kommt das vor wie beim unsäglichen Brandschutz“. Letztendlich „kommen wir nicht drum herum, weil es die Vorschriften gibt“, zeigte sich die CDU-Frau ausgesprochen skeptisch.

Wie Kelemen meinte auch GLU-Chef Erich Wägner: „Bis jetzt hat es doch sehr gut funktioniert mit den Bahnübergängen.“ Was nunmehr geplant sei, „wird in Plüderhausen für viele Diskussionen sorgen“. Wägner hofft, „dass sich der gesunde Menschenverstand durchsetzt“.


Die Kosten

Eine Frage beschäftigte die Plüderhäuser Gemeinderäte natürlich ganz besonders. Die nach den Kosten. Sie liegen – Stand heute – insgesamt bei 4,5 Millionen Euro. Plüderhausen muss davon 300 000 Euro aufbringen. Die Gemeinde wird nur an den Kosten für den Straßenbau beteiligt – zu einem Drittel. Die anderen Zweidrittel kommen aus den Taschen von Bund und Bahn, je zur Hälfte. Alle technischen Anlagen zahlt die Bahn.

Bei einem Anteil von 300 000 Euro dürfte sich die Frage nach der Ostüberführung, die in der Diskussion am Donnerstag auch immer mal wieder im Gespräch war, wohl nicht mehr stellen, zumindest nicht in diesem Zusammenhang.

Erst kürzlich hatte Bürgermeister Andreas Schaffer die Kosten für dieses Bauwerk nämlich auf 12 bis 15 Millionen Euro beziffert. Ein Drittel davon, also vier bis fünf Millionen Euro, müsste Plüderhausen schultern. 300 000 Euro sind nicht einmal ein Zehntel davon. Außerdem: Selbst wenn die Ostüberführung gebaut würde, blieben nach den derzeitigen Planungen die Bahnübergänge Gleis- und Brückenstraße bestehen. Nur der bei der Adlerbrücke fiele weg.


Das Zitat

„Nach der Sanierung der Bahnübergänge richten sich die Schließzeiten der Schranken nicht mehr nach dem Empfinden des Fahrdienstleiters.“ – Volker Thalheim zur Kritik aus dem Plüderhäuser Gemeinderat, die Schranken seien oft zu lange geschlossen. Nach der Sanierung läuft alles automatisch.

  • Bewertung
    5
 

7 Kommentare

Kommentieren

  1. (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)
    Kommentare werden vor der Veröffentlichung auf der Seite geprüft. Es gelten unsere Kommentarregeln (siehe Link oben rechts) und unsere Datenschutzerklärung . Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden nicht veröffentlicht.

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!