">

Plüderhausen-Schautenhof Gemecker gehört zum Handwerk

Plüderhausen-Schautenhof. Meckern gehört zum Alltag von Simon Kohl, und es ist nicht bös gemeint. Der 33-Jährige hält auf dem Schautenhof 130 Bunte Deutsche Edelziegen, darunter 54 Damen, die fleißig Milch geben. Die wird in der hofeigenen Käserei verarbeitet. Ein großzügiger Stall gehört zum Bioland-Betrieb, einen hellen Neubau mit Hofladen und Platz für ein Hofcafé gibt es ebenfalls.

Video: Simon Kohl vom Schautenhof und seine Ziegen.

Neugierig sind die meckernden Gesellen, und zutraulich. Auf der Weide knabbern sie am Hosenbein von Simon Kohl, und wenn der 33-Jährige am Gatter im Stall steht, kommen sie hurtig näher und lassen sich streicheln. „Das sind jetzt die Milchziegen“, stellt der Besitzer seine aufgeschlossenen braunbefellten Damen vor. 54 von ihnen stehen im weiträumigen Stall. Wenn sie wollen. Über eine Rampe können die Tiere auch ins Freie. Zusätzlich zu den 54 milchgebenden Ziegen gibt es Bock-Kitze und junge Ziegen, die zur Zucht gehen. Vor dem Stall auf der Wiese steht zudem ein kamerascheuer Zuchtbock mit mächtigen Hörnern.

Ohne Stallgeruch schmeckt die Milch neutral

Der Stall bietet viel Platz, luftig ist es hier, und es riecht kein bisschen nach Ziege. „Das Stallklima ist wichtig bei der Ziege“, sagt Ekkehard Kohl, der seinem Sohn Simon auf dem Schautenhof hilft. „Der Stallgeruch geht in die Milch über. Wir haben hier überhaupt keinen Stallgeruch. Die Milch schmeckt entsprechend neutral.“

Vor allem Ältere haben bei den Produkten manchmal das Vorurteil: „Es schmeckt nach Ziege“, sagt Simon Kohl. Das habe aber mit moderner Ziegenhaltung und -käserei nichts zu tun. Er habe noch nicht erlebt, dass jemand nach dem Probieren bei dem Vorurteil geblieben ist, ergänzt der junge Walkersbacher.

Alles begann in Walkersbach 

Seine Bunten Deutschen Edelziegen, eine Milchrasse, sind nicht die ersten Ziegen, die der junge landwirtschaftliche Unternehmer hält. Alles begann in Walkersbach mit einem Gartengrundstück, das beim Mähen wenig Freude machte. Drei Ziegen schufen Abhilfe, der Nachbar hatte auch Interesse, sein Stückle mit den tierischen „Rasentrimmern“ zu pflegen, schließlich beweidete und pflegte Simon Kohl drei bis vier Hektar mit seinen Ziegen, deren Schar auf 60 bis 70 Tiere angewachsen war. Eigentlich arbeitete Simon Kohl als Forstwirt. Nach und nach reifte der Gedanke, Milchziegen zu halten, und zwar so, dass man davon leben kann.

"Regional und im Kleinen erzeugt"

Nicht nur die Freude an der Tierhaltung war ein Argument. „Wir müssen gucken, dass man die Nahrungsmittel in sinnvoller Form erzeugt und in hochwertiger Qualität“, erklärt Simon Kohl seine Motivation. „Regional und im Kleinen erzeugt, das ist der Antrieb, den man so hat.“ Ist der Kühlschrank daheim nahezu mit eigenen Produkten gefüllt, gibt das ein gutes Gefühl. Die Familie hält auch Freiland-Hühner sowie drei Rinder, so dass für Fleisch, Wurst, Eier und Milchprodukte gesorgt ist. Wobei Simon Kohl nicht die Fantasie von einem autarken Leben umtreibt.

„Wir sind im Prinzip unsere eigene Molkerei“

Der Bioland-Betrieb ist aus Überzeugung entstanden. Anders als bei Bio-Produkten, die im Supermarkt stehen, könne man hier vorbeikommen und sich anschauen, wie die Lebensmittel produziert werden, sagt Kohl. Sinnvoll war es auch, einen anderen Weg als den der klassischen Milcherzeuger zu suchen, die mit dem Milchpreis auskommen müssen. Auf dem Schautenhof wird die Milch direkt weiterverarbeitet. „Wir sind im Prinzip unsere eigene Molkerei.“

„Wenn, dann richtig“, sagte sich Simon Kohl und entschied sich, auf dem Schautenhof einen Ziegenhof mit Käserei und Hofladen einzurichten. Der junge Unternehmer muss nicht alles allein bewältigen. „Meine Eltern helfen ja da mit.“ Christine Kohl arbeitet in der Hofkäserei und kümmert sich um das Betriebswirtschaftliche, Vater Ekkehard hilft im Hofbetrieb mit.

Lange Vorbereitung 

Zwei Jahre Vorbereitung waren nötig, Simon Kohl schaute sich andere Höfe an, informierte sich über Melktechnik, überlegte ein Vertriebskonzept. 2012 wurde dann das Gelände gekauft, es wurden Stall und Haus gebaut, eine eigene Pflanzen-Kläranlage und ein Feuerlöschteich entstanden. Ziegen vom Hof eines Ziegenbauers zogen auf dem Schautenhof ein, und seit dem 1. April ist der Hofladen geöffnet.

Viel Arbeit 

Die Tage des jungen Hofbetreibers sind ausgefüllt. Zweimal am Tag heißt es melken, dazu kommt das Füttern, Futtermähen, die Stallarbeit, mal kommt der Tierarzt, es müssen die Produkte ausgeliefert werden. Verkauft werden sie über Metzgereien, Supermärkte, Hofläden, Marktbeschicker und den hofeigenen Laden.

Viel Arbeit ist’s also, und Urlaub ist für so einen Hofbetreiber natürlich auch kaum ein Thema. Simon Kohl macht das gar nichts aus, er ist zufrieden. „Urlaub habe ich sowieso noch nie gemacht, ich bin eh’ da. Mir wird es langweilig, wenn ich nichts mache.“

Wie die Milch zum Käse wird

Christine Kohl ist ausgebildete Hofkäserin. „Das wollte ich schon immer mal machen.“ Sie hat eine zweijährige berufsbegleitende Ausbildung beim Verband für handwerkliche Milchverarbeitung in Freising absolviert. Berufstätig ist sie auch jetzt noch. Gemeinsam mit ihrem Mann Ekkehard führt sie zwei Großmärkte für Wohnambiente. „Wir haben viele Aufgaben abgegeben an die Mitarbeiter vor Ort“, erzählt Christine Kohl, das funktioniere gut. So kann die Chefin in der Käserei stehen.

200 Liter Milch kommen jeden Tag in die Käserei. Daraus entstehen dank Christine Kohls fachkundiger Arbeit zum Beispiel Weichkäse, naturbelassen oder mit Schimmelkulturen, daraus wird Camembert. Man kann ihn auch nach Feta-Art verarbeiten. Schnittkäse produziert Christine Kohl zum Beispiel als Typ Gouda oder als Bauernkäse. Frischkäse entstehen in der Käserei als Aufstriche mit verschiedenen Kräutern. Außerdem werden Quark und Joghurt produziert.

„Bei der Ziegenmilch ist es ganz wichtig, dass sie immer frisch verarbeitet wird“, weiß die Fachfrau. Die Verarbeitung braucht ihre Zeit. Viele Arbeitsschritte sind zum Beispiel für Frischkäse nötig: Die Milch kommt in den Käsekessel, wird pasteurisiert, also auf 63 Grad Celsius erwärmt, um Keime zu zerstören. Dann wird sie wieder heruntergekühlt, für Frischkäse auf 24 Grad. Milchsäurebakterien werden hinzugegeben und sorgen dafür, dass die Milch gesäuert wird. Lab kommt ebenfalls hinein und bewirkt, dass die Mich fest wird. Bei einem pH-Wert von 4,4 wird dann Gallerte geschnitten, in großen Blöcken. Durch das Schneiden tritt die Molke aus. Von Hand wird dann der Bruch geschöpft und in Formen gegeben. Die Molke fließt weg, alles muss abtropfen. Das Lebensmittel wird gewendet und gesalzen, wenn es fertig ist, ausgeformt, verpackt und gekühlt. Bis der Frischkäse fix und fertig ist, dauert es zwei Tage. So gibt es in der Käserei stets viel zu tun. „Da ist man immer beschäftigt“, schmunzelt Christine Kohl. Jeden Tag wirbelt sie in der Käserei, wobei nicht nur die Arbeit am Lebensmittel direkt Zeit braucht. Es ist auch sehr viel zu spülen, zu säubern und zu putzen.

Und nicht zuletzt gilt es natürlich auch, die Lieferungen mit den Ziegenmilchprodukten zusammenzustellen und im Hofladen zu arbeiten.

  • Bewertung
    10
 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!