Plüderhausen Schwan Gustav lebt jetzt unter Hühnern

Unter Hühnern. Foto: Ellwanger / ZVW

Plüderhausen. Gustav geht es augenscheinlich gut. Der Gartenschau-Schwan, der von Gmünd immer wieder ausgebüxt ist, lebt mittlerweile in Plüderhausen. Seine neue Heimat ist ein großer Garten. Hühnerstall und Fischteich sind sein Revier. Und schon bald könnte er wieder einen Partner an seine Seite bekommen.

„Gustav, komm“, ruft Thomas Hurlebaus, mit Gummistiefeln durch das Hühnergehege stapfend. Die braucht er auch, denn es hat in Strömen geregnet und den Garten des groß gewachsenen Plüderhäusers in matschiges Terrain verwandelt. Doch der Schwan, dessen weiße Federn von dem Hundewetter nicht verschont blieben, will zunächst nicht, ziert sich und läuft davon. Mit einem geschickten Griff schnappt sich Hurlebaus aber schließlich das Tier und bringt es in seinen Garten.

Dort legt er es in seinen Koi-Teich. „Schwäne brauchen das Wasser“, sagt der Plüderhäuser, bei dem das Tier nun seit vergangenem Herbst lebt. Und nach kurzem Zögern genießt der Höckerschwan dann auch sichtlich das Bad im kühlen Nass, putzt sich ausgiebig, plustert sich auf, schwingt tänzerisch die Flügel, taucht unter und lässt sich dabei auch nicht vom einsetzenden Starkregen beirren. Nach einer knappen Viertelstunde hat das Tier dann genug, steigt aus dem Teich und läuft wieder zurück zu den Hühnern.

Vor einem Jahr schon einmal in Plüderhausen eingefangen

Dort hat das Tier inzwischen eine neue Heimat gefunden, ernährt sich von Brot und Körnern und stolziert wie selbstverständlich durch das Hühnergehege. „Von Anfang an haben sie sich gut vertragen“, sagt Hurlebaus, der den Schwan unweit von seinem Haus am Ufer von einem der Angelseen eingefangen hat.

Es war nicht die erste Begegnung der beiden. Bereits Anfang 2018 hatte sich der Schwan, damals noch mit Begleitung, in die Nähe seines Hauses verirrt. Der Plüderhäuser hatte die beiden damals mit Hilfe einer Frau, die zufällig vor Ort war, eingefangen und durch den Gmünder Schwanen-Beauftragten Hans Stollenmaier zurück nach Schwäbisch Gmünd bringen lassen.

Auf Facebook sei er damals heftig kritisiert worden für seine Aktion. Wieso er das Tier nicht in freier Wildbahn gelassen habe, das hätten viele in Plüderhausen nicht verstehen können. Hurlebaus sagt dazu nur trocken: „Das sind Zuchttiere.“ In freier Wildbahn und ohne menschliche Hilfe würden die Schwäne auf lange Sicht schlichtweg nicht überleben.

Nicht ohne Grund würden etwa die Alsterschwäne, die seit mehr als 400 Jahren in Hamburg ihre Heimat haben, immer im Winter in ein Quartier gebracht. Im November werden sie eingefangen und mit Booten verschifft. Hurlebaus sieht sich deshalb als verkannter Tierschützer und hält sich für zu Unrecht kritisiert.

Groß publik gemacht hat er deshalb bislang nicht, dass der Schwan bereits seit Wochen in Plüderhausen lebt. Und diesmal lagen die Dinge auch ein wenig anders. Denn Hurlebaus hatte mitbekommen, dass der zweite weiße Schwan an einem der Angelseen unweit des Badesees gerissen wurde. Eine Angelschnur, so berichtet es der Plüderhäuser, sei dem Tier zum Verhängnis geworden. Beim Schwimmen habe es sich in einer solchen verfangen – und sich dadurch nicht mehr retten können, als ein anderes Tier es als Nahrung auserkoren hatte.

Das Geschlecht wird jetzt von einem biologischen Institut bestimmt

„Dieses Schicksal wollte ich Gustav ersparen“, sagt er. „Und wenn sich keiner darum kümmert, dann mach ich das halt.“ Der Plüderhäuser ist sich relativ sicher, dass es wirklich Gustav ist, der männliche Schwan des Gmünder Pärchens, und nicht Sieglinde. Aufgrund der Größe und des Verhaltens hält er ihn für ein männliches Tier. Gewiss weiß er es aber nicht. Deshalb hat Hurlebaus eine Schwanenfeder an das Institut für Molekulare Diagnostik in Bielefeld geschickt. Dort können Experten das Geschlecht anhand einer frischen Feder eindeutig bestimmen. Ein Ergebnis hat er zwar noch nicht, rechnet aber spätestens kommende Woche mit einer Antwort.

Denn der Plüderhäuser, der auch schon Gänse auf seinem Hof gehalten hat, möchte dem Schwan einen Partner besorgen. Dazu muss er aber zweifelsfrei wissen, ob es ein Männchen oder Weibchen ist. Für seinen Schwan wünscht er sich nicht nur einen Partner, sondern eine echte Familie. Gustav, der bis zu 20 Jahre alt werden kann, soll nicht alleine sein – und, wenn es nach Hurlebaus geht, in Plüderhausen bleiben.


Noch keine Antwort

Wegen des Schwans hat Hurlebaus bereits im vergangenen Jahr den Gmünder OB Richard Arnold angeschrieben. Doch bislang habe er noch keine Rückmeldung erhalten.

Solange die Stadt keinen Anspruch auf das Tier erhebt, das zur Gartenschau am Remsstrand ausgesetzt wurde, wird der Plüderhäuser sich auch weiterhin um den Schwan kümmern.

  • Bewertung
    9

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!