Plüderhausen/Urbach/Winterbach Wo und wie sind Baugebiete sinnvoll?

Für große Häuser mit vielen Wohnungen, wie hier am östlichen Ortsrand von Winterbach, können in vielen kleinen Kommunen keine Baugebiete entstehen. Dabei wären sie nötig, sagen viele, wenn man der Wohnungsnot wirklich etwas entgegensetzen will. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Plüderhausen/Urbach/Winterbach.
Für das, was derzeit auf dem Wohnungsmarkt der Region los ist, findet Martina Fehrlen ein emotionales Wort: „Das ist ein Skandal.“ Konkret meint die Urbacher Bürgermeisterin ihre Beobachtung, dass viele Häuser und Wohnungen in ihrer Gemeinde ganz einfach leerstehen.

„Wir haben eine massive Wohnungsnot“, sagt sie und findet: „Wenn wir in Deutschland darüber sprechen, wo Potenziale liegen, der Wohnungsnot Herr zu werden, dann sind das die leerstehenden Wohnungen.“ In Urbach habe man in der Richtung viel versucht – aber wenig erreicht.

Anderen Städten und Gemeinden geht es ähnlich wie Urbach. Deswegen haben viele Kommunen zuletzt versucht, mit Bebauungsplänen in den Randlagen Gebiete zu schaffen, in denen neue Wohnhäuser entstehen können.

„Ich will eigentlich keine weiteren Baugebiete“

Sei es in Schorndorf, Plüderhausen oder Winterbach – überall griffen die Kommunen zu einem speziellen Paragrafen im Baurecht, der als Reaktion auf die Wohnungsnot in vielen Teilen Deutschlands geschaffen wurde und der für bis Ende 2019 gestartete Bebauungsplanverfahren angewendet werden konnte. Damit fallen verschiedene Hürden, wie zum Beispiel eine Umweltprüfung, weg. Doch in den Gemeinderäten führt dieses Vorgehen auch zu Diskussionen.

In Plüderhausen standen im Gemeinderat in einer Sitzung vor Weihnachten vier kleine neue Baugebiete nach dem Paragrafen 13 b zur Debatte. Alle Bebauungspläne fanden eine große Mehrheit, aber es gab jeweils vier bis fünf Gegenstimmen und eine oder zwei Enthaltungen. „Ich will eigentlich keine weiteren Baugebiete“, sprach sich Erich Wägner von der Grünen Liste Umwelt (GLU) pauschal dagegen aus.

Dazu führte Wägner mehrere Gründe an, darunter die zu befürchtende Oberflächenversiegelung und die Zunahme des Verkehrs durch immer neue Baugebiete „das Remstal rauf und runter“. Und: Das Thema Wohnungsnot gibt es aus Sicht des Grünen-Gemeinderats „eher in den Städten als auf dem Land“.

„Ich werde keinem größeren Gebiet mehr zustimmen“

Diese Sicht hat Erich Wägner allerdings ziemlich exklusiv. Thomas Reißig (SPD) sagte: „Die Wohnungsnot existiert natürlich auch in Plüderhausen.“ Er stimmte Wägner ansonsten aber zu, genauso wie seine Fraktionskollegin Elke Mück, die feststellte: Das Remstal sei dicht bebaut. Sie habe bereits früher gesagt: „Ich werde keinem größeren Gebiet mehr zustimmen.“

SPD-Fraktionschef Klaus Harald Kelemen sprach sich jedoch für die vier Bebauungspläne aus. Man habe es in der Hand, die „Sorgen von Herrn Wägner“ anzupacken und bei der Gestaltung der Baugebiete auf naturschonendes Bauen zu achten. Susanne Pfeiffer (CDU) sagte: „Ich bin der Meinung, dass wir dringend Wohnraum brauchen. Das ist einfach ein Menschenrecht, wohnen zu können.“

Dabei müssen Bauwillige und Wohnungssuchende nun allerdings wissen: Mit dem Aufstellungsbeschluss, den der Plüderhäuser Gemeinderat jetzt gefasst hat, ist das Bebauungsplanverfahren erst ganz am Anfang. Die Grundstücke in den Gebieten gehören nicht der Gemeinde. Wie, was und wie viel dort gebaut werden kann, ist völlig unklar. „Wir haben noch keine konkrete Planung“, stellt Bürgermeister Andreas Schaffer klar. Drei der potenziellen Baugebiete befinden sich im kleinen Ortsteil Walkersbach, eins am Aichenbachhof.

Was bringen kleinere Baugebiete überhaupt?

Auch in Urbach wurde kürzlich über eine Bebauungsplan-Änderung nach dem Paragrafen 13 b diskutiert. Hier lehnte der Gemeinderat diese mit knappen neun zu acht Stimmen jedoch ab. Es ging dabei um nicht mehr als einen Bauplatz für ein Zweifamilienhaus in der Straße Vogelsang am östlichen Ortsrand.

Auch in Urbach war den Räten bei der Ablehnung der Schutz der Flächen wichtig. Das Argument der Grünen gegen das Baugebiet war außerdem: Ein Zweifamilienhaus diene nicht der Bekämpfung der Wohnungsnot.

Der Beirat für Raumentwicklung des Bundesinnenministeriums habe klar empfohlen, den Paragraf 13 b nur dann anzuwenden, wenn in einer Gemeinde „dringender Wohnbedarf besteht, der mit den Maßnahmen der Innenentwicklung nicht gedeckt werden kann“.

Die meisten Baugebiete sind kein großer Wurf

Damit schließt sich der Kreis und wir wären wieder bei Bürgermeisterin Martina Fehrlen, die sagt: Baulücken im Innenbereich der Gemeinde zu entwickeln, ist sehr, sehr schwierig.

Trotzdem kann sie auch Fortschritte in Urbach vorweisen: Mit der Entwicklung des großen Baugebiets „Mitte II“ werde man in den kommenden Jahren in Urbach viele neue Wohnungen erhalten, darunter auch geförderte, sogenannte Sozialwohnungen unter den ortsüblichen Mietsätzen.

Im Gegensatz dazu ist jedoch auch klar: Die meisten Baugebiete, die jetzt nach dem Paragrafen 13 b entstehen, sind kein großer Wurf, weil sie meist nicht geeignet sind für Mehrfamilienhäuser.

Kleinvieh gibt auch Mist

Das dürfte auch bei den Plüderhäuser Plänen für Walkersbach und den Aichenbachhof der Fall sein. Die Urbacher Bürgermeisterin Martina Fehrlen findet aber auch: „Ein Zweifamilienhaus verhindert nicht die große Wohnungsnot. Aber es wären eben wieder zwei Familien, die etwas gefunden hätten.“

So sieht es auch der Winterbacher Bauamtsleiter Rainer Blessing, der sagt: „Wenn jede Kommune ein bisschen was schafft – Kleinvieh gibt auch Mist.“ Deswegen dürfe man es auch nicht außer Acht lassen, kleinere Baugebiete weiterzuverfolgen.

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