Plüderhausen Verwirrung um Algen im Plüderhäuser Badesee

, aktualisiert am 21.08.2019 - 16:28 Uhr
Plüderhäuser Badesee Foto: ZVW/Gaby Schneider

Plüderhausen. Kann man nun derzeit im Plüderhäuser Badesee schwimmen oder nicht? Darüber ist eine Verwirrung entstanden, weil die Warnung der Gemeinde wegen einer Algenbelastung zum Teil sehr offen formuliert ist. Und weil Leute, die den See gut kennen, sagen: alles kein Problem. Hier kommen die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Worum geht es?

Vergangene Woche gab die Gemeinde Plüderhausen in einer Pressemitteilung die Empfehlung heraus, dass Kinder wegen eines möglichen Gesundheitsrisikos derzeit nicht im Badesee ins Wasser gehen sollten. Grund, so die Gemeinde, sei eine Blüte von Mikroalgen.

Was sind Mikroalgen?

In diesem Punkt war die Mitteilung der Gemeinde ungenau. Der Begriff „Mikroalgen“ bezeichnet keine eigene Algenart, er sagt nur aus, dass diese mit dem bloßen Auge nicht erkennbar sind beziehungsweise nur bei geballtem Auftreten, zum Beispiel durch grüne Schlieren im Wasser, sichtbar werden, wie die Pressestelle des Rems-Murr-Kreises gegenüber unserer Zeitung erklärt. Es handelt sich im Plüderhäuser Fall konkret um sogenannte Blaualgen. Diese sind – irreführender Name – keine Algen, sondern Bakterien, die Giftstoffe produzieren können.

Welches Risiko besteht?

Wenn sich die Konzentration der durch die Blaualgen produzierten Giftstoffe stark erhöht, kann es bei Menschen zu Hautreizungen und bei Verschlucken zu Erbrechen, Durchfall, Übelkeit und weiteren Symptomen kommen. Wie zum Beispiel das Leibniz-Institut für Ostseeforschung warnt, ist insbesondere bei empfindlichen oder geschwächten Menschen „Vorsicht geboten“, wenn Algenteppiche auftreten. Und: „Auch Kinder sollte man von den Teppichen fernhalten.“

Das Gesundheitsamt des Rems-Murr-Kreises hat am Badesee Proben genommen, nachdem die Algenblüte sichtbar wurde. Diese zeigten eine erhöhte Konzentration, die zu dem Warnhinweis durch die Gemeinde führte. Genaue Daten und Zahlen dazu hat das Amt nicht veröffentlicht.


Update: Nun hat das Gesundheitsamt auch die Frage nach den genauen Messwerten der aus dem See entnommenen Proben beantwortet. Demnach lag die Konzentration von Microcystin bei 19 Mikrogramm pro Liter. Der Grenzwert für das Gesundheitsamt für eine Risikowarnung sind zehn Mikrogramm. Gesperrt wird ein Gewässer für das Baden allerdings erst ab einer Belastung von 100 Mikrogramm pro Liter.


Kann ich also jetzt nicht in den See?

Hierzu gibt es keine allgemeingültige Antwort. Nach Einschätzung des Gesundheitsamts ist vor allem im Nichtschwimmerbereich, aber inzwischen auch im Schwimmerbereich Vorsicht geboten. Ein Badeverbot gibt es aber nicht, es handelt sich um einen Warnhinweis beziehungsweise eine Empfehlung, das Baden im See zu meiden.

Derzeit steht am See ein entsprechendes Warnschild. Solange es da ist, besteht auch das potenzielle Risiko einer gesundheitlichen Beeinträchtigung durch die Blaualgen.

Insgesamt gilt, so das Landratsamt: „Der Plüderhäuser Badesee hat grundsätzlich eine gute Wasserqualität.“

Wie kann ich mich schützen?

Die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) gibt auf ihrer Internetseite folgende Ratschläge im Zusammenhang mit Algen- beziehungsweise Cyanobakterien-Belastung von Badegewässern:
 

  • Bei verringerter Sichttiefe auf Algenmassenwachstum achten.
  • Badestellen mit auftreibenden Algen, blaugrünen Schlieren etc. meiden.
  • Kinder und Tiere in belasteten Wässern nicht baden lassen.
  • Schleimhautkontakt und Verschlucken von belastetem Wasser unbedingt vermeiden, wiederholter Kontakt mit Algentoxinen kann zu einer Ausprägung von Symptomen führen.
  • Treten nach Kontakt mit cyanobakterienhaltigem Wasser  Haut- und Schleimhautreizungen, Bindehautentzündungen, Ohrenschmerzen, Durchfall, Fieber, Atemwegserkrankungen oder allergische Reaktionen auf, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden.
  • Bestehende Warnhinweise beachten.

Wie lang besteht das Problem noch?

Nach Auskunft des Landratsamts bleibt der Warnhinweis am Badesee bis in die kommende Woche hinein stehen. An diesem Mittwoch nimmt das Gesundheitsamt demnach erneut Proben. Das Ergebnis liege dann kommende Woche vor.

Wodurch entstand die Verwirrung?

Einerseits wie bereits erwähnt durch die unklare Begrifflichkeit der Mitteilung der Gemeinde zu den Algen. Andererseits durch von unserer Zeitung zitierte Aussagen des GLU-Gemeinderats Erich Wägner. Dieser gab zu Protokoll, alles liege im See wieder im „normalen Bereich“, Schwimmen sei gefahrlos möglich. Wägner bezog sich dabei, wie er sagt, auf Rolf Weller, der den See sehr gut kennt. Dieser äußerte sich ähnlich in einem Leserbrief an unsere Zeitung.

Auf Anfrage unserer Zeitung sagt Rolf Weller, dass er insbesondere mehr und konkretere Informationen durch das Gesundheitsamt vermisst habe. „Sie sollen konkret mit was kommen, das nimmt man dann ja auch ernst.“ So aber sei der Warnhinweis für ihn „Larifari“.

Er schwimme seit etwa 50 Jahren im See, sagt Weller. Eine Algenblüte habe es immer wieder gegeben und er habe nie Probleme gehabt. Das Gesundheitsamt sagt auf Nachfrage dazu: „Bisher hatte der Plüderhäuser Badesee eine gute Wasserqualität. Die Blaualgen-Belastung ist also ein neues Problem.“

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