Plüderhausen Video: Im Garten läutet die Margaretenkirche

Erich Ulmer aus Plüderhausen ist Hobby-Miniaturenbauer. Foto: Habermann / ZVW.

Plüderhausen. Beim Blick in Erich Ulmers Garten im Neusatz könnte ein Freizeitpark neidisch werden: Da gibt es Riesenräder, Windmühlen, Berggondeln, pittoreske Häuschen und sogar einen Reitplatz. Alles in Miniatur, alles in Bewegung: Der 87-jährige Tüftler hat seine Kleinbauten so konstruiert, dass überall etwas schwingt, saust oder dreht. Doch ist nicht nur fürs Auge etwas geboten, sondern da und dort auch fürs Ohr.

Spätestens dann, wenn zur vollen Stunde die kleine Margaretenkirche ihr Läutwerk erklingen lässt, spitzt man die Ohren. Der Nachbau der Plüderhäuser Kirche läutet deutlich vernehmbar durch den Garten. Gut möglich, dass die Glocken der echten Kirche mit einfallen. „Wenn die schlägt, könned Sie ned unterscheiden, ist’s die Plüderhäuser Kirche oder meine“, sagt Erich Ulmer verschmitzt.

Doch nicht nur das schmucke Kirchlein untermalt die Geräuschkulisse. Überall liegt ein leises Surren in der Luft. Kein Wunder, bieten doch die Attraktionen im Garten des 87-Jährigen mehr als einen optischen Hingucker. Wobei schon allein dafür viel Auswahl geboten ist. Da gibt es ein Karussell mit Gondeln, ein Riesenrad, eine Bootsschaukel, eine kleine Seilbahn, deren Kabinen vom Vorgarten hinauf in den oberen Garten schweben, es gibt einen Wasserfall, einen Leuchtturm und sogar ein Windrad. „Man muss mit der Zeit gehen“, sagt Erich Ulmer.

Sogar die Feuerwehr ist bei der Arbeit

Der Clou aber ist, dass die kleinen Attraktionen auf Knopfdruck nicht mehr stillstehen. Das Windrad dreht seinen Rotor, ums Karussell schwingen die Gondeln, in einem Fachwerkhaus hämmert der Schmied, an der Mühle läuft das Mühlrad, im ebenfalls hübsch verzierten Sägewerk wird auch geschafft. Sogar die Feuerwehr ist bei der Arbeit. Kleine Figuren, ausgestattet mit Löschwasserschläuchen, spritzen das Nass auf ein selbstgebautes Brandhaus. So gibt es überall im Garten liebevoll arrangierte Szenerien zu entdecken.

Die Schaustücke hat Erich Ulmer alle selbst geschaffen. Anregungen für sie liefern ihm Spaziergänge, Reisen, zum Beispiel nach Tirol, der Eisenbahnkatalog oder auch mal ein Ausflug nach Tripsdrill. „Da guck’ ich, was für mich interessant ist, was man machen kann.“ Und ein wenig darf zudem die Fantasie zum Zug kommen. Baupläne benötigt der Tüftler für seine Schaustücke nicht. Die hat er im Kopf. Auf seine Erfahrung kann er ebenfalls setzen. „Da fällt einem immer wieder etwas ein.“

In der Winterpause stehen die Reparaturen an

Holz spielt beim Miniatur-Hausbau eine wichtige Rolle. An einem „Neubauprojekt“ im alpenländischen Stil, das derzeit auf der Werkbank Gestalt annimmt, erklärt Erich Ulmer, wie er vorgeht. Der Platz fürs Haus entsteht als erstes, samt weißem Gartenzaun. Mit Spanplatten wird der „Rohbau“ errichtet. Fein werden die Ziegel ausgesägt, angeklebt und bemalt. Das Dach mit den winzigen Ziegeln kann man obendrauf setzen. Das Versiegeln ist ein wichtiges Thema, ist das Bauwerk doch im Garten Regen oder Hitze direkt ausgesetzt.

Wobei Erich Ulmer seine Schaustücke nur in der freundlichen Jahreshälfte zeigt. „Wenn das Wetter umschlägt, baue ich alle ab“, weiß er. Stück für Stück wird dann während der „Winterpause“ überprüft und gegebenenfalls repariert, auf dass es im Frühjahr wieder im Garten präsentiert werden kann.

Dort sorgen die kleinen Bauwerke auch bei Spaziergängern und Nachbarn für Gesprächsstoff. Die kleine Turmuhr der Margaretenkirche gibt Passanten auf dem Weg zum Bahnhof morgens Orientierung. Einmal hat Erich Ulmer die Turmuhr ein wenig vorgestellt, und tatsächlich hat ihn ein entfernterer Nachbar anschließend gebeten, er möge die Uhr richten, er habe am Zug warten müssen. Auch Kindergärten kommen mit ihren Kleinen gern im Garten im Neusatz vorbei. „Die Jungen wollen etwas Lebendiges sehen, was sich bewegt“, freut sich Erich Ulmer.

Märchengarten
Zum Bau seiner kleinen Werke kam Erich Ulmer im Ruhestand. Der Mechaniker ist mit Anfang 60 bei der Firma Mahle in Rente gegangen und wandte sich einige Jahre später seinem jetzigen Hobby zu. Im Ruhestand den ganzen Tag nur Fernsehen oder Radio hören: „Das hat keinen Wert“, befand er. So hat er mit dem Bau und der Unterhaltung seiner Miniaturbauten allerlei zu tun, und am Gartenzaun ergibt sich auch gern mal ein Gespräch. Ein junger Mann schaut zufällig während des Zeitungsbesuchs über den Zaun. „Schön, wenn mal alles in Betrieb ist“, findet er und vergleicht den Garten mit dem Märchengarten in Ludwigsburg.

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