Plüderhausen-Walkersbach Konflikt ums Bürgerhaus kühlt nicht ab

Das Walkersbacher Bürgerhaus steht im Zentrum eines heftigen Streits. Foto: Schneider / ZVW

Plüderhausen-Walkersbach. Wie kommt wieder Frieden nach Walkersbach? Diese Frage dürfte alle Beteiligten noch eine Weile beschäftigen. Der Streit wegen des vom Bürgerhaus und dem dazugehörigen Parkverkehr ausgehenden Lärms ist Anfang des Jahres eskaliert. Ein von der Gemeinde angedachter Runder Tisch könnte schon daran scheitern, dass der Bürgerhausnachbar gar nicht teilnehmen will.

Wer in diesen Tagen mit den Akteuren aus Walkersbach spricht, der gewinnt den Eindruck: So einfach wird sich nicht kitten lassen, was im Plüderhäuser Ortsteil über Jahre zu Bruch gegangen ist. Erst am vorvergangenen Wochenende ging der Streit ums Bürgerhaus in eine neue, unschöne Runde. Samstagnacht beim Vorfasching des Musikvereins Walkersbach posierte eine lustige Truppe feixend in rosa T-Shirts vor dem Haus des direkten Nachbarn und ließ sich fotografieren. Rosa T-Shirts deswegen, weil der Nachbar angeblich öfter ein solches trägt. Auf den Shirts trugen sie Aufschriften wie „Spielverderber“.

Der Nachbar bezichtigt außerdem einen Mann, Steine gegen sein Haus geworfen zu haben. Die Polizei ermittelt deswegen. Voraus ging ein Anruf des Nachbarn bei der Polizei, wegen lärmender Personen. Im Bürgerhaus selbst war mit der Party um 0 Uhr Schluss. Bis dahin hatte der Musikverein die Ausschankerlaubnis. Der Verein sorgte draußen auch dafür, dass in der Sonnenhalde nicht geparkt wurde, damit dadurch kein Lärm entsteht.

„Aufs Übelste beschimpft und beleidigt“

Bürgermeister Andreas Schaffer bekräftigte bei der Kandidatenvorstellung unserer Zeitung zur Bürgermeisterwahl am vergangenen Donnerstag den Plan, die verfahrene Situation zu lösen, indem er die Beteiligten an einen Runden Tisch holt. „Der Wille, aufeinander zuzugehen, ist auf beiden Seiten vorhanden“, so Schaffer. Dazu im Widerspruch sagt jedoch der Bürgerhausnachbar: „Nachdem ich von mehreren Vereinsmitgliedern aus Walkersbach aufs Übelste beschimpft und beleidigt wurde, sehen wir keine Veranlassung mehr, an einem runden Tisch teilzunehmen.“ Die Nutzung des Bürgerhauses werde man rechtlich klären lassen und „nur das in Anspruch nehmen, was uns zusteht und nicht mehr“.

Für Gerda Rost, Gemeinderätin der Freien Wähler* und Walkersbacher Ortswartin, geht es bei der Problematik im Wesentlichen um zwei Veranstaltungen: Die jährliche Salzkuchenhocketse und die Aufführungen des Bauerntheaters, die bis nach 22 Uhr dauern und auch danach Besucherverkehr verursachen, wobei das Theater an mehreren Wochenenden spielt, dafür aber nur alle zwei Jahre. Dazu meint sie: „Ich muss doch ein bisschen tolerant sein.“ Man könne nicht neben das Bürgerhaus ziehen und sagen, jetzt müssen sich alle nach mir richten.

Allen Vorkommnisen sei eine Aktion des Nachbarn vorausgegangen

Rost sagt: Die Verantwortlichen der Sachbeschädigungen beim Bürgerhaus-Nachbarn nehme sie nicht in Schutz. Sie betont jedoch: Man wisse ja gar nicht, wer das alles im Einzelnen gewesen sei. Es sei gar nicht sicher, dass die Täter aus Walkersbach kämen. Sie sagt aber auch – und das würde gegen die Version sprechen, dass die Täter nicht aus dem Ort sind: Immer sei allen Vorkommnissen eine Aktion des Nachbarn vorausgegangen. Und: „Das hat sich hochgeschaukelt.“

Dem Nachbarn wurde unter anderem mit einem Böller, den man eher als Sprengsatz bezeichnen muss, der Briefkasten gesprengt, so heftig, dass Teile davon durch die Luft flogen. Per SMS erhielt er Drohungen: „Es kann jeden Tag ein Unfall passieren. Wir warten auf dich, deine Frau und Tochter. Wir sind anonym. Wir sind eine Legion. Wir sind viele. Wir vergeben nicht. Wir vergessen nicht. Erwarte uns.“

Sachbeschädigungen auch bei anderen Walkersbachern

Manche sprechen dem Nachbarn jedoch die Opferrolle ab. Zum vergangenen Artikel unserer Zeitung über das Thema schrieb ein Walkersbacher: „Walkersbach ist das Opfer dieser Familie und nicht, wie von ihnen in ihrem letzten Artikel dargestellt, der Täter.“ Er macht dem Bürgerhaus-Nachbarn schwere Vorwürfe. Zusammenfassung: Der Nachbar terrorisiere den Ort, unter anderem mit ständigen Anrufen bei der Polizei.

Der Nachbar will die Vorwürfe nicht kommentieren. Allerdings hat sich als Reaktion auf den letzten Zeitungsartikel auch herausgestellt, dass er nicht der Einzige ist, der in Walkersbach in früheren Jahren und in jüngster Zeit Opfer von Schikanen und Sachbeschädigungen wurde. Von den Betroffenen will aber kaum jemand öffentlich darüber sprechen und schon gar nicht seinen Namen in der Zeitung lesen. Einer berichtet: Am ersten Februarwochenende wurde die Folie seines Gartenteichs durchstochen, das Wasser floss weg, Fische und Seerosen lagen trocken. Auch hier ermittelt die Polizei. Solche Aktionen habe es schon öfter gegeben, sagt der Betroffene. Wer nicht tue, was bestimmte Leute wollten, der bekomme die Konsequenzen zu spüren. Auch er und seine Frau fanden sich, wie der direkte Bürgerhausnachbar, mit Gattin als Figuren im jüngsten Stück des Walkersbacher Bauerntheaters wieder.

Der Autor des Stücks wollte das Spannungsverhältnis abbilden

Nick Schuppert, Autor des Stücks und Vorsitzender des Bauerntheaters, sagt: Von den meisten Sachbeschädigungen, die es gegeben haben soll, sei ihm nichts bekannt. Straftaten und Provokationen, die passiert seien, heiße er jedoch nicht für gut. Ihm selbst sei es mit seinem Stück nicht darum gegangen, reale Personen darzustellen, sondern das Spannungsverhältnis, „wenn fremde Leute in eine gewachsene Dorfgemeinschaft ziehen“.

Schuppert ist nun wichtig, dass das Bürgerhaus wie bisher genutzt werden kann: „Da verspreche ich mir vom Runden Tisch einiges.“ Er wünsche sich aber, dass dieser von einer neutralen Person geleitet werde, nicht vom Bürgermeister.

*In einer früheren Version des Artikels war Gerda Rost als Gemeinderätin der SPD bezeichnet. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.


Der Kern des Streits

Der Konflikt rund ums Walkersbacher Bürgerhaus hatte sich zuletzt an den Aufführungen des Walkersbacher Bauerntheaters so richtig entzündet, die zwischen Ende September und Mitte Januar an mehreren Terminen stattfanden.

Nachbarn versuchten, die Aufführungen gerichtlich zu stoppen, weil sie sich als Figuren im gespielten Stück wiederfanden. Das Landgericht Stuttgart entschied in zweiter Instanz: Die Kunstfreiheit wiegt in dem Fall schwerer als das Persönlichkeitsrecht, das Stück darf gespielt werden.

Theater gab es dann jedoch auch, weil das Landratsamt eine Lärmmessung vornahm und feststellte: Die Grenzwerte für die Nachtstunden sind überschritten durch „schlagende Autotüren und die Motorengeräusche der anfahrenden Pkw“. Deswegen wurde die Gemeinde zum Handeln aufgefordert.

Bürgermeister Andreas Schaffer vereinbarte mit Bauerntheater-Chef Nick Schuppert, Ordner abzustellen, um dafür zu sorgen, dass in der Sonnenhalde am Bürgerhaus niemand parkt. Dieser weigerte sich jedoch. Begründung: Es sei „unrechtmäßig“, wenn Vereinsmitglieder „in den Verkehr eingreifen“. Gegen eine „ordentliche Beschilderung“ und zeitlich begrenzte Halteverbote, die rechtzeitig angeordnet seien, habe er jedoch nichts.


Rechtliches zu Veranstaltungen und Lärm

Für einen angedachten Runden Tisch mit allen Beteiligten überlegt Bürgermeister Andreas Schaffer, einen Rechtsexperten einzuladen. Dieser könne aus unabhängiger Sicht grundsätzliche juristische Fragen erläutern: Wie verhält es sich, wenn ein Wohngebäude so nah bei einem Bürgerhaus liegt?

Eine Lösung müsse gefunden werden, sonst drohe das Ganze komplett zum Fall für die Juristen zu werden und so zu laufen wie zum Beispiel in Kernen, sagt Schaffer, wo es für Bürgerhaus und Glockenkelter eine strenge Nutzungsordnung gibt, die ein Ergebnis dessen ist, dass die Anwohner ihre Rechte gerichtlich durchsetzten.

Das Landratsamt teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit: „Aktuell wird der Fall noch einmal intensiver geprüft. Über eventuelle Konsequenzen für die Gemeinde, die Veranstalter oder die Anwohner kann deshalb keine Aussage getroffen werden. Eine Schließung des Bürgerhauses ist jedoch nicht vorgesehen und wäre auch nicht angemessen.“

Es sei, so das Landratsamt, bei einer Überschreitung der Grenzwerte auch nicht zwingend gesagt, dass eine Veranstaltung unzulässig wäre. Feste und Veranstaltungen, die wichtig für das Gemeindeleben sind und traditionell in einer Gemeinde fest verankert sind, könnten Ausnahmen darstellen: „Diese Fälle dürfen an nicht mehr als zehn Tagen oder Nächten eines Kalenderjahres und an nicht mehr als an jeweils zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden auftreten.“ Und es müsse vorher von den Organisatoren geprüft werden, welche Maßnahmen zur Lärmminderung man ergreifen könne.

Außerdem betont das Landratsamt: „Fahrzeuggeräusche des An- und Abfahrtsverkehres“ gehören zur Beurteilung einer Veranstaltung. Konkret zu Walkersbach: „In diesem speziellen Fall steht der Verkehr auch deutlich im Zusammenhang mit der Nutzung des Bürgerhauses.“

Nick Schuppert, der Vorsitzende des Bauerntheaters Walkersbach, betont denn auch: „Das Problem ist nicht das Bürgerhaus, sondern die parkenden Autos.“ Dafür müsse man eine Lösung finden (siehe „Der Kern des Streits“). Dann seien aus seiner Sicht für die Nutzung des Bürgerhauses keine Einschränkungen nötig.

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